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New Mexico : Entführt und vergraben: Wie die US-Polizei elf Kinder aus den Fängen von Kidnappern rettete

Nach monatelangen Ermittlungen schlugen US-Fahnder zu und stürmten einen unterirdischen Wohnwagen. Dort waren unter erbärmlichen Zuständen elf Kinder zusammengepfercht. Die Peiniger waren die Eltern selbst.

Siraj Wahhaj soll elf Kinder in einem Wohnwagen in New Mexico festgehalten haben

Siraj Wahhaj soll elf Kinder in einem Wohnwagen in New Mexico festgehalten haben

AFP

Etwas Reis, ein paar Kartoffeln, kein Wasser, nur Lumpen als Kleider: Nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN bot sich den Ermittlern ein Bild des Jammers, als sie elf in einem unterirdischen Gefängnis aufspürten. Sie mussten die vergangenen Monate in einem kleinen Wohnwagen hausen, der irgendwo auf der Hochebene im Norden des US-Staates New Mexico vergraben war. Eine völlig isolierte Gegend.

Sie sahen aus wie aus der Dritten Welt, beschrieb der Sheriff den Zustand der Kinder. Die Hygiene sei katastrophal gewesen, es habe kein kein fließend Wasser und keine Elektrizität gegeben.

Die Fahndung begann 2017 in Georgia

Der Rettungsaktion ging eine Suche voraus, die Monate zuvor in Georgia begann. Seit Dezember 2017 fahndeten die Behörden nach einem dreijährigen Jungen, der mit seinem Vater Siraj Wahhaj nach einem Ausflug nicht zur Familie zurückgekehrt war. Der wurde seitdem wegen des Verdachts auf Kindesentführung polizeilich gesucht.

Doch dann verdichteten sich die Hinweise: Wahhaj könnte sich auf einem Areal im Landkreis Taos, New Mexiko, aufhalten. Die Ermittler hatten schon zuvor das FBI um Hilfe gebeten, das wiederum mit dem örtlichen Sheriff kooperierte. Die Bundespolizisten beobachteten über Wochen die Baracken auf der Hochebene, ohne allerdings den Zugriff zu wagen.

Der Sheriff entschied eigenmächtig

Dies änderte sich erst, als die Ermittler aus Georgia dem Sheriff einen abgefangenen Notruf zuspielten. Der Absender behauptet, er und andere drohten zu verhungern. Für ihn seien das genug Gründe gewesen, das Versteck durchsuchen zu lassen, sagte Sheriff Jerry Hogrefe dem "Time Magazine". Er habe das Okay einer Bundesbehörde nicht abwarten wollen.

Nahe des Ortes Amalia, New Mexico, hielten die Entführer die Kinder in diesen Baracken fest

Nahe des Ortes Amalia, New Mexico, hielten die Entführer die Kinder in diesen Baracken fest

AFP

Der Zugriff erfolgte demnach bereits am Freitag: Dutzende Beamte waren an dem Einsatz beteiligt. Sie stießen dort auf die Kinder zwischen einem und 15 Jahren und konnten auch die mutmaßlichen Kidnapper festnehmen: Siraj Wahhaj und seinen Komplizen Lucas Morte. Beide seien mit Sturmgewehren, Pistolen und Munition bewaffnet gewesen. Die Ermittler stufen sie als "Extremisten muslimischen Glaubens" ein, so die Nachrichtenagentur AFP.

Vom Dreijährigen fehlt jede Spur

Neben den elf verwahrlosten Kindern seien auch zwei Frauen entdeckt worden, bei denen es sich mutmaßlich um die Mütter handele. Sie wurden zunächst zur Befragung festgesetzt, später aber vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch von dem zuerst vermissten Dreijährigen fehlt weiter jede Spur.

Noch ist völlig unklar, warum die Gruppe ausgerechnet in ihr Versteck aufbaute. Die Kinder sind nun in der Obhut der Behörden. Die Ermittler wollen die Suche nach dem dreijährigen Jungen nicht aufgeben.

sos