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Notfallpapier der Bundesregierung: Neue Kriegsspiele - jetzt soll jeder in Deutschland Vorräte horten

Ob ein Kraftwerk explodiert oder der Russe kommt, in Zukunft soll der Bürger vorbereitet sein und Lebensmittel für den Notfall lagern. Das fordert ein Papier der Bundesregierung.

Eine Stadt nach einer Katastrophe (Symbolbild). Auf Notfälle aller Art will die Bundesregierung die Bevölkerung mit der "Konzeption zivile Verteidigung" vorbereiten.

Eine Stadt nach einer Katastrophe (Symbolbild). Auf Notfälle aller Art will die Bundesregierung die Bevölkerung mit der "Konzeption zivile Verteidigung" vorbereiten.

Der kalte Krieg ist wieder da. Am Mittwoch soll das Kabinett eine neue "Konzeption zivile Verteidigung" verabschieden, das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und zitiert aus dem Papier. Ein militärischer Konflikt im eigenen Land ist zwar nicht in Sicht, und auch das Bundeskabinett sieht ihn nicht am Horizont. Aber nach dem Willen der Großen Koalition kann es nicht schaden, wenn wir alle ein wenig Prepper spielen. Prepper nennt sich in den USA eine Bewegung, deren Mitglieder auf alle Arten von Apokalypsen gut vorbereitet sind – vom Atomkrieg bis zur Zombieplage. Auch wenn man keine Zombiehorden fürchtet, kann kann man nicht verleugnen, dass sich die Bedrohungslage in den letzten Jahren geändert hat. In Europa hat man sich an regelmäßige verheerende Anschläge fast gewöhnt, und im Verhältnis zu Russland herrscht Säbelrasseln und Kriegsrhetorik.

Erstversorgung wird privatisiert

In dieser Notlage muss nun auch der deutsche Michel ran. Gartenbunker und Munitionsdepot soll er nicht anlegen, aber er könne mit einem Trinkwasserhort anfangen. Falls der Russe kommt, ist nämlich Eigeninitiative gefragt. Der Bürger soll die erste Versorgung privatisieren und nicht gleich auf den Staat zählen. "Die Bevölkerung soll durch geeignete Maßnahmen angehalten werden, zur Eigen-/Erstversorgung bis zur Installation staatlicher Einzelmaßnahmen für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag in nicht gesundheitsschädlicher Qualität vorzuhalten", heißt es im besten Beamtendeutsch. Das wären 15 Wasserflaschen pro Person, 60 Flaschen für eine vierköpfige Familie. Wasser in Glasflaschen ist fast unbegrenzt haltbar. Die Kosten sind abgesehen vom Pfand überschaubar, aber mit fünf Kästen als eiserne Kriegsreserve wird es schon eng in der Küche. 

Abstimmung

Werden Sie den Plänen der Regierung folgen und Vorräte für den Notfall anlegen?

Wer den Anregungen der Regierung folgen will, sollte ohnehin nicht auf die Empfehlungen irgendeiner Bundesbehörde warten. Mehr Kompetenz in diesen Fragen findet man bei den Weltuntergangspropheten. Seiten wie happypreppers.com wissen weit besser als das Bundeskabinett, wie ein gescheiter Lebensmittelvorrat für die letzten Tage der Menschheit aussehen sollte. Kleiner Tipp: Dosenpfirsiche gehören immer mit auf den Speiseplan.

Mehr Bunker braucht das Land 

Natürlich soll nicht nur der Bürger Vorräte horten, auch der Staat will das ganze Repertoire aus dem kalten Krieg aus der Mottenkiste holen. Dazu gehört natürlich die Vorfahrt der Bundeswehr auf den Straßen bei der Verlegung von Kampfverbänden.

Neben diesen eher kostenneutralen Ideen finden sich offenbar auch sehr teure Visionen in dem Papier. So sollen wichtige Gebäude "gehärtet" werden – also bombenfest - gemacht werden. Auch liebäugeln die Autoren wieder mit der Idee, für staatliche Organe ein Ausweichquartier bereitzustellen, falls der erste Dienstsitz überrollt wird. Für jede Berliner Behörde wird dann wieder einen Bunker in einem abgelegenen Waldgrundstück ausgehoben.


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