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Bewährungsstrafe für Senior Weltkriegspanzer im Keller – 84-jähriger Waffenfan bekommt mildes Urteil

Ein Kampfpanzer wird zum Abtransport vorbereitet
Dieser 40 Tonnen schwere "Panther"-Kampfpanzer stand jahrzehntelang im Keller eines Mannes in einem Nobelvorort von Kiel. 2015 wurde der Panzer in einer Aufsehen erregenden Aktion beschlagnahmt.
© Picture Alliance / dpa
Ein Panzer, eine Flak, Gewehre, Pistolen und Munition – all dies hortete ein Mann in seinem Haus in einem Kieler Nobelvorort. Der Prozess gegen ihn ging jetzt mit einem recht milden Urteil zu Ende.

Der Kieler Nobelvorort Heikendorf wurde im Juni 2015 mit einem Schlag weltberühmt: Damals förderte ein zweitägiger Einsatz von Ermittlern und Soldaten einen Wehrmachtspanzer und sonstiges altes Kriegsgerät in einer Villa zu Tage. Jahrzehntelang war das alles dort aufbewahrt worden. Seit diesem Mai lief ein Prozess vor dem Kieler Landgericht gegen den inzwischen 84-jährigen Panzerfan.

Und an diesem Dienstag ging der Prozess mit einem Schuldspruch zu Ende: Der Mann wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt – wegen unerlaubten Besitzes von Waffen, Munition und Sprengstoff.

Wegen rechtswidriger Verfahrensdauer gelten vier Monate davon als verbüßt. Der Angeklagte muss 250.000 Euro zahlen. Davon sollen bis Ende August 2022 das Schmerz- und Palliativzentrum der Kieler Uniklinik und die SOS-Kinderdörfer je 70.000 Euro erhalten, ein Kieler Tierheim 60.000 Euro und die Staatskasse bis Jahresende 50.000 Euro.

Sechs Jahre lief die Posse um den Panzer aus Heikendorf

Mit diesem Urteil endet ein gut sechsjähriges juristisches Tauziehen um einen alten Panzer und allerlei sonstiges Kriegsgerät. Mancher wird noch die Fotos in Erinnerung haben, wie der Panzer vom Typ "Panther" ohne Ketten im schönsten Sonnenschein aus einem Haus gerollt wurde, sogar im Ausland wurde von dem seltsamen Norddeutschen berichtet, der all diese Militaria gehortet hatte. Immerhin 40 Tonnen wiegt solch ein "Panther" – das Fahrzeug musste selbst mit Bergungspanzern von Bundeswehrsoldaten aus dem Keller des Hauses im Ortsteil Kitzeberg gerollt werden. Neun Stunden dauerte damals der Einsatz der Bundeswehr-Pioniere. Dabei nahmen auch das Haus und der Panzer Schaden.

Dieser "Panther" war nicht das einzige militärische Gerät dort, von denen die Ermittler vermuteten, dass ihr Besitz illegal war: Der Einsatz förderte auch einen Torpedo, einen Mörser vom Kaliber 5 Zentimeter sowie eine Flugabwehrkanone vom Kaliber 8,8 Zentimeter zu Tage. Der Bewohner des Hauses besaß zudem Maschinen- und Sturmgewehre, halb- und vollautomatische Pistolen sowie mehr als 1000 Schuss Munition.

Prozess wegen möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Eine stattliche Sammlung also: Wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz musste sich der betagte Waffenfan vor dem Gericht verantworten. Kein Vorwurf, den man auf die leichte Schulter nehmen kann. Denn Verstöße gegen dieses Gesetz werden mit mindestens einem Jahr und maximal fünf Jahren Gefängnis geahndet.

Im Kern ging es in dem Prozess darum, ob Panzer und Flak unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen und somit nicht im Privatbesitz sein dürfen. Auf Basis mehrerer Gutachten hielt die Kammer im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft jedoch nur die Flak möglicherweise für eine Kriegswaffe. Der Panzer sei laut Gutachter nicht mehr zum Einsatz in einem militärischen Konflikt geeignet, sagte Richter Stephan Worpenberg. Er diene musealen Zwecken. Verurteilt wurde der 84-Jährige letztlich nur im Fall eines Maschinengewehr-Laufs und zweier Patronen wegen Besitzes einer Kriegswaffe.

Bewährung war erwartet worden

Schon vor Prozessende hatte sich abgezeichnet, dass der betagte Waffensammler mit einer Bewährungsstrafe davonkommen würde und von der einstigen Aufregung nicht viel übrig bleibt. Ohnehin konnten manche alteingesessene Heikendorfer die Aufregung um die ganze Panzer-Geschichte nicht verstehen. Im Ort sei bekannt gewesen, dass der Hausbewohner einen Panzer besaß, sagte dem stern ein Mann, der in dem Ort aufgewachsen ist. Der Panzer habe sogar in der Schneekatastrophe 1978 gute Dienste beim Schneeräumen geleistet. In einem Pressebericht ist die Rede davon, wie der Panzerfahrer jemandem beim Herausziehen von Bäumen geholfen habe.

Verteidiger Gerald Goecke hatte bei Prozessbeginn der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass sogar die Ordnungsbehörden von dem "Panther" wussten. Von "Museumsstücken" und "historischer Militärtechnik" war in diesem Zusammenhang schon eine ganze Zeitlang die Rede. Zudem galt der Panzer als "demilitarisiert", konnte also nicht schießen – eine Bewertung, der nun das Gericht folgte.  Der 84-Jährige will den "Panther" in England als Schrott gekauft haben.

Insgesamt ging es in dem Verfahren zum Schluss auch kaum noch um den Panzer – dieser war nur das markanteste Stück aus dem Besitz des Seniors. Der Angeklagte habe nicht in böser Absicht gehandelt, sondern als Sammler, sagte Richter Worpenberg in der Urteilsbegründung. Er sei "nicht rumgelaufen und hat geschossen". Als strafmildernd wertete die Kammer das hohe Lebensalter, fehlende Vorstrafen und das Geständnis. Gegen einen minderschweren Fall sprachen jedoch das Auffinden vieler Waffen und Munition im Anwesen des Angeklagten.

84-Jähriger bekommt seinen Panzer nicht zurückerstattet

Seinen Panzer und auch die Waffen bekommt der 84-Jährige nicht zurück. Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erzielten vor dem Urteil eine Verständigung: Der Angeklagte muss den Panzer und die Flugabwehrkanone binnen zwei Jahren an ein geeignetes Museum beziehungsweise einen Sammler verkaufen. Laut Verteidigung haben an dem Panzer ein Museum aus der US-amerikanischen Metropole Seattle und an der Flak ein Sammler aus Nordrhein-Westfalen Interesse.

Verteidiger Goecke hatte in seinem Plädoyer auf die "bis dahin untadelige Lebensführung" des ehemaligen Finanzvermittlers verwiesen. Jahrelang habe über ihm ein Strafverfahren als Damoklesschwert geschwebt, die Ermittlungen hätten wirtschaftliche Folgen gehabt. Er sprach von einer immensen Belastung. Das Kriegsgerät sei in dem Anwesen "sicher vor dem Zugriff unbefugter Dritter" gewesen. Der Besitz habe ausschließlich "militärhistorischen Sammlungszwecken" gedient. Der Anwalt lobte, die Kammer habe die mediale Begleitung außer Acht gelassen und sich am Tatvorwurf orientiert. Er habe keinen Grund, sich über den Ausgang nicht zu freuen. "Ich bin zufrieden damit."

Die Kosten für Bergung und jahrelange Unterbringung des Panzers und anderer Großgeräte trägt nach dem Urteil am Dienstag die Staatskasse. Staatsanwalt Thorsten Wolke geht davon aus, dass die der Landeskasse zugesprochenen 50.000 Euro dafür reichen. "Mehr wird das nicht gewesen sein." Der Angeklagte verzichtet auf eine Entschädigung, etwaiges Schmerzensgeld sowie die Rückgabe von Waffen und Munition.

Auf die Spur des Waffensammlers waren Behörden im Zuge von Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst gestoßen. Ein Polizist berichtete, wie er im Mai 2015 bei einer Durchsuchung nach Einschalten des Lichts seinen Augen nicht traute. An der Wand hingen beleuchtete SS-Runen und im Keller stand ein Wehrmachtspanzer. Der Beamte nahm Kontakt mit Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft auf. Wochen später kam es schließlich zu der spektakulären Durchsuchung.  Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden. 

Quellen: DPA, NDR, "Stuttgarter Nachrichten"

anb DPA

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