Phuket Die Rückkehr ins Paradies


Viele Ferienanlagen im thailändischen Phuket sind wieder aufgebaut und auch die Touristen kehren ins Tsunamigebiet zurück. Die Erwartungen der Hoteliers an die kommende Saison sind hoch.

Seine Angst vor dem nahen Meer hat Satien Phetklang noch nicht besiegt, vielleicht wird er es nie können. "Natürlich fürchten wir uns vor einem neuen Tsunami", sagt der Dorfchef von Ban Nam Khem an der Südwestküste Thailands. 850 Menschen starben dort, als die Killerflut am 26. Dezember hereinbrach. "Wir brauchen einen Wall, der uns vor dem Wasser schützt", fordert Satien. Doch ob die Regierung auch das bezahle, wisse er nicht. Immerhin errichtete die Armee schon 720 Häuser in dem Fischerort. "Jeder, der sein Haus verlor, hat inzwischen wieder eines", räumt der Dorfchef ein.

Oft ist Lob zu hören für den Einsatz Bangkoks, zahlloser Freiwilliger aus aller Welt und der Hilfsorganisationen beim Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe. Bereits im Oktober waren nach Schätzungen des UN-Entwicklungsprogramms UNDP knapp zwei Drittel der rund 5000 zerstörten Unterkünfte durch neue ersetzt worden. 240.000 Baht (rund 5000 Euro) habe er von der Regierung bekommen, um sich ein neues Haus zu bauen, berichtet Satien, der auch den Fischereihafen von Ban Nam Khem verwaltet. Zwar sei das Geld erst nach etwa vier Monaten angekommen, doch nun steht sein neues Zuhause. Nebenan lässt derweil eine Hilfsorganisation Boote bauen. Um die 300 Barkassen verlor das Dorf, als der Tsunami am 26. Dezember zuschlug. Insgesamt starben in Thailand rund 5400 Menschen, etwa die Hälfte davon ausländische Touristen, darunter mehr als 500 Deutsche.

Die Auferstehung des Tourismus

Denn die Monsterwellen trafen mit der Gegend um Khao Lak nördlich der Urlauberinsel Phuket ein Gebiet, das in den vergangenen drei Jahren touristisch einen atemberaubenden Aufstieg verzeichnet hatte. Schätzungen zufolge zerstörten die Wassermassen etwa 90 Prozent der etwa 6000 Hotelzimmer, und dies just zu der Zeit, an der die Hochsaison einsetzte und die vor allem von Europäern gebuchten Feriendomizile brechend voll waren. Viele schrieben Khao Lak damals ab, erst in fünf bis zehn Jahren werde sich die Gegend wieder erholen, hieß es. Nun scheint es doch anders zu kommen, der so lebenswichtige Tourismus erlebt seine Wiederauferstehung.

Hotelier Vitya Chakrabandhu kehrte schon am 2. Januar an den Ort der Katastrophe zurück, obwohl er seine 22-jährige Tochter in den Fluten verlor. Er selbst konnte sich nur mit knapper Not retten. "Ich habe keine Angst vor einem weiteren Tsunami. So etwas passiert nur einmal im Leben", sagt er. Dann packte Vitya den Wiederaufbau seines erst wenige Wochen zuvor eröffneten und nun zur Hälfte zerstörten "Le Meridien"-Hotels an, investierte umgerechnet rund 19 Millionen Euro und eröffnete am 15. Oktober erneut. Jetzt deutet nur noch der kleine Wuchs junger Palmen darauf hin, dass vor einem Jahr eine Drei-Meter-Welle durch die Anlage zog.

Saison läuft noch etwas schleppend

Überall entlang des Küstenstreifens wachsen die zerstörten Ferienanlagen wieder. 27 Hotels hätten zugegriffen, als die Regierung billige Kredite anbot, erzählt Vitya. Ihm selbst habe der damit verbundene Papierkrieg aber zu lange gedauert. Noch lasse sich die erste Hochsaison nach dem Tsunami etwas schleppend an, räumt der Hotelbesitzer ein. "Ich denke, zur Saison 2006/2007 wird wieder alles wie früher sein." Schon denkt der 62-Jährige über eine Erweiterung seiner Luxusherberge nach. "Aber erst nächstes Jahr."

Frank Brandmaier/DPA DPA

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