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Absturz von "SpaceShipTwo": "Es war Russisches Roulette"

In der englischen Zeitung "The Telegraph" kritisieren Raumfahrtexperten die Testflüge von "SpaceShipTwo" scharf. Ihrer Meinung nach waren Explosion und Absturz des Raumflugzeugs eine Frage der Zeit.

Nach dem Absturz von "SpaceShipTwo" erheben Raumfahrt-Experten laut der britischen Zeitung "The Telegraph" schwere Vorwürfe gegen Virgin Galactic und Scaled Composites, die Firmen hinter dem Raumflugzeug.

"Diese Explosion ist keine Überraschung", sagte Carolynne Campbell, Expertin für Raketenantrieb bei der Internationalen Vereinigung für die Verbesserung der Weltraumsicherheit (IAASS) dem "Telegraph". "Nichtsdestotrotz bin ich traurig, das zu sagen. Es ist genau, was ich erwartet hatte. Es war Russisches Roulette, welcher Testflug hochgehen würde."

Laut dem Bericht des "Telegraph" hat Campbell Virgin Galactic 2007 zum ersten Mal vor der Verwendung von Lachgas (N2O) als Oxidationsmittel für Raketentreibstoff gewarnt. Damals waren drei Ingenieure ums Leben gekommen, als es bei einem Test für das Triebwerk von "SpaceShipTwo" zu einer Explosion kam. Danach habe sie immer wieder Warnungen ausgesprochen. 2010 veröffentlichte sie laut "Telegraph" einen Bericht auf ihre Website und schickte ihn ebenfalls an Virgin Galactic und an US-Behörden. Daraus zitiert der "Telegraph": "Wir sind nicht überzeugt, dass ... wir schon genug über N2O wissen, um es als sicheres Oxidationsmittel für den Einsatz im Passagierflug anzusehen."

Auch der britische Raketenexperte Geoff Daly will in E-Mails an die US-amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA vor einem Disaster gewarnt haben, sollten Testflüge von "SpaceShipTwo" genehmigt werden.

Doch Virgin-Chef Richard Branson erhält der Kritik zum Trotz auch Zuspruch von Luftfahrt-Experten. "Wenn Staaten ihr Engagement in der bemannten Raumfahrt zurückfahren, setzen private Pioniere das Abenteuer der Raumfahrt fort. Ich ziehe meinen Hut vor Richard Branson und anderen, die hier viel riskieren", sagte Airbus-Chef Tom Enders laut einer Mitteilung. Branson hat eine lückenlose Aufklärung des Unglücks versprochen. Er kündigte auch an, aus den Fehlern lernen und den Traum vom Weltraumtourismus weiter vorantreiben zu wollen.

tkr