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Kommerzielle Raumfahrt: Pilot stirbt bei "SpaceShipTwo"-Absturz

Beim Absturz des kommerziellen Raumschiffs "SpaceShipTwo" über der Mojave-Wüste ist einer der Piloten ums Leben gekommen, der zweite wurde schwer verletzt. Die Unglücksursache ist noch unklar.

Das private Raumflugzeug "SpaceShipTwo" ist bei einem Testflug im US-Bundesstaat Kalifornien abgestürzt. "Während des Tests erlitt das Gefährt eine ernsthafte Unregelmäßigkeit, die im Verlust des Gefährts resultierte", teilte das Unternehmen Virgin Galactic mit. Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere wurde schwer verletzt. Der überlebende Pilot konnte sich offenbar mit einem Schleudersitz retten und wurde in ein Krankenhaus geflogen. Amerikanische TV-Sender zeigten Bilder mehrerer Wrackteile in der Mojave-Wüste.

Das "SpaceShipTwo" hob den Informationen zufolge von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles ab. Es wurde zunächst von einem Trägerflugzeug in rund 1,5 Kilometer Höhe gebracht und dann ausgeklinkt. Nur wenig später sei es abgestürzt. Die US-Flugkontrollbehörde FAA teilte mit, kurz nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Das Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" hingegen sei sicher gelandet, so Virgin Galactic.

Platz für sechs Passagiere

Es war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Januar. Berichten von Experten zufolge sei diesmal eine andere Treibstoffmischung als zuvor getestet worden. Offizielle Angaben zur Absturzursache machte das Unternehmen zunächst nicht.

Die rund 18 Meter lange Passagierraumfähre sollte den Planungen zufolge vom kommenden Jahr an Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten, die bis in rund 110 Kilometer Höhe über der Erde führen sollten. Die Maschine bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere. Sie sollten bei ihren Reisen das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können. Die Bullaugen-Fenster des Gefährtes waren deutlich größer als in normalen Passagierflugzeugen.

Schwerer Rückschlag für Weltraumtourismus

Nun steht die Zukunft des Weltraumtourismus in Frage. "Wir werden im nächsten Jahr und wahrscheinlich in den Jahren danach keine kommerziellen Flüge für Touristen ins All sehen", glaubt Raumfahrtexperte Marco Caceres von der Beratungsfirma Teal Group. Virgina Galactic sei bislang führend im Bereich des Weltraumtourismus gewesen.

Hinter dem Projekt steht unter anderem der milliardenschwere britische Unternehmer Richard Branson. Nach seinen Angaben hatten bereits 700 Interessierte Tickets für die Flüge ins All gekauft. Darunter sollen auch Stars wie die Hollywood-Schauspieler Tom Hanks und Angelina Jolie sowie der Sänger Justin Bieber sein, wie Medien berichteten. "Meine Gedanken sind bei allen von Virgin Galactic und Scaled, danke für all Eure unterstützenden Nachrichten. Ich fliege umgehend in die Mojave-Wüste, um beim Team zu sein", twitterte Branson kurz nach Bekanntwerden des Unglücks.

Der Unfall war der zweite schwere Schlag für die private Raumfahrt innerhalb weniger Tage. Erst am vergangenen Dienstag war der unbemannte US-Raumtransporter "Cygnus" Sekunden nach dem Start in Florida explodiert. Er sollte rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen.

tkr/AFP/DPA / DPA