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Mehr als 150 Tote Tourist überlebt Massenpanik in Südkorea – was er den Behörden jetzt vorwirft

Ein Polizist steht in Seoul vor der Straße im Ausgehviertel Itaewon, wo es zu der Massenpanik kam
Ein Polizist steht in Seoul vor der Straße im Ausgehviertel Itaewon, wo es zu der Massenpanik kam
© Chung Sung-Jun / Getty Images
Die Massenpanik an Halloween in einem Partyviertel in Seoul forderte mehr als 150 Tote. Ein überlebender Tourist aus Australien, der einen seiner Freunde verlor, gibt der Regierung die Schuld an der Katastrophe. Und auch Südkoreas Polizeichef räumt Fehler ein.

Ein 24-jähriger Australier war einer der Partygänger, die am Samstag in Südkorea im Ausgehviertel Itaewon ausgelassen mit seinen Freunden Halloween feiern wollte. Doch der Abend endete in einem Desaster. Mehr als 150 überwiegend junge Menschen wurden Opfer einer Massenpanik.

Auch drei Tage später steht Nathan Taverniti immer noch unter Schock, wie er der Nachrichtenagentur Associated Press erzählt. Einer seiner Freunde kam an jenem Abend ums Leben. Zwei weitere kämpfen im Krankenhaus ums Überleben.

156 Tote bei Massenpanik in Seoul

Schätzungsweise 100.000 Menschen strömten am Wochenende zu den Halloween-Feierlichkeiten nach Itaewon in Seoul. Die Katastrophe ereignete sich in einer engen, bergab führenden Gasse, die zwischen einer dichten Reihe von Clubs und Bars verläuft. Der Weg wurde von einer riesigen und unaufhaltsamen Welle von Partygästen verstopft, bevor einige von ihnen laut Zeugenaussagen wie Dominosteine übereinander fielen und erstickten.

Nach Angaben des Innenministeriums starben bei dem Unglück 156 Menschen. Zwei Personen erlagen demnach seit Montagnacht ihren Verletzungen. Nach den aktualisierten Zahlen wurden 151 Verletzte erfasst. Von ihnen befänden sich 29 in einem kritischen Zustand. Unter den Todesopfer waren auch 26 Ausländer aus verschiedenen Ländern.

Tourist macht Behörden für Massenpanik verantwortlich

Taverniti macht für den enormen Verlust an Menschenleben das Versäumnis der Behörden verantwortlich. Sie hätten die Menschenmenge nicht wirksam kontrolliert, obwohl sie mit einem großen Andrang bei den Halloween-Feierlichkeiten gerechnet hatten.

Er habe die Hände seiner Freunde unter den Menschen gesehen, die sich auftürmten. Er habe versucht, sie zu ergreifen, musste aber loslassen, nachdem er von dem enormen Gewicht der anderen Menschen, die das Gleichgewicht verloren, erdrückt wurde. "Viele Leute haben geschrien."

Taverniti sagte, er habe den Bars und Clubs zugerufen, sie sollten ihre Türen öffnen und ein paar Leute hereinlassen, um die Menge zu beruhigen, aber niemand habe auf ihn gehört. Mehrere Polizeibeamte seien etwa eine halbe Stunde später eingetroffen und hätten Menschen in der Menge geholfen, die Verletzten herauszuziehen, bevor später weitere Beamte eintrafen.

"Wenn die Regierung weiß, dass so viele Menschen dort sein werden und es zu Straßensperrungen kommen wird, sollten bereits genügend Polizisten und Rettungsdienste in Bereitschaft sein", so Taverniti. Er selbst habe nicht geahnt, dass etwas Schreckliches passieren würde, bis einige Frauen in seiner Nähe offenbar ausrutschten und hinfielen und Leute in der Nähe versuchten, ihnen wieder auf die Beine zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt konnte er nicht mehr sehen, wo seine drei Freunde waren. "Plötzlich fingen noch mehr Leute an zu fallen ... es waren einfach zu viele Leute", sagte er und weiter:  "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass dieser Vorfall auf das Missmanagement und die mangelnden Fähigkeiten der Regierung zurückzuführen ist, denn ich weiß, dass Halloween in Itaewon schon immer so groß war", sagte er. "Dieses Jahr gab es eindeutig nicht genug Polizeipräsenz."

Dieser Ansicht ist auch Südkoreas Polizeichef, der jetzt offenkundige Fehler seiner Behörde einräumte. In den Stunden vor der nächtlichen Tragödie am Samstag seien mehrere Notfallrufe eingegangen, die auf potenzielle Gefahren hingedeutet hätten, sagte der Chef der nationalen Polizeibehörde, Yoon Hee Keun, am Dienstag. Doch die Antwort darauf sei jeweils "unzureichend" gewesen: "Ich fühle eine schwere Verantwortung als Leiter einer der zuständigen Behörden."

Mehr als 150 Tote: Tourist überlebt Massenpanik in Südkorea – was er den Behörden jetzt vorwirft

Ob die Katastrophe aus seiner Sicht durch frühe polizeiliche Maßnahmen hätte verhindert werden können, sagte Yoon nicht. Er wolle aber dafür sorgen, dass gründlich untersucht werde, was falsch gelaufen sei. Dazu werde auch ein unabhängiges Untersuchungsgremium innerhalb der Polizeibehörde geschaffen.

Quellen:  Associated Press, dpa

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