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Wertvolle Geige: Gestohlene Stradivari wieder aufgetaucht

Über drei Jahrzehnte war sie verschwunden, nun ist das kostbare Stück in New York wieder aufgetaucht: eine Stradivari-Geige aus dem 18. Jahrhundert. Durch Zufall gelangte sie in die Hände eines Experten - der sie prompt wiedererkannte.

Die drei Töchter des letzten Besitzers Roman Totenberg freuen sich über die Rückkehr der Stradivari-Geige

Die drei Töchter des letzten Eigentümers, der 2012 verstorbene Violinist Roman Totenberg, freuen sich über die Rückkehr der Stradivari in den familiären Besitz

38 Jahre lang waren "Ames" und Roman Totenberg unzertrennlich, dann stahl ein Dieb die geliebte Stradivari des Geigers. Nach 35 Jahren ist die wertvolle Violine in den USA wieder aufgetaucht - im Haus eines 2011 verstorbenen Kollegen, den der Geigenvirtuose von Anfang an verdächtigt hatte. Am Donnerstag kehrte "Ames" in den Besitz seiner Familie zurück, der Konzertgeiger selbst erlebte die Rückkehr nicht mehr.

Die Indizien reichten nicht aus

Die wertvolle Stradivari aus dem Jahr 1734 war 1980 gemeinsam mit zwei antiken Bögen nach einem Konzert im Longy-Konservatorium von Cambridge (Massachussetts) gestohlen worden. Totenberg war damals Leiter des Konservatoriums, seine Geige hatte er kurz in seinem Büro gelassen. Von Anfang an hatte er Philip Johnson im Verdacht, den er vor dem Diebstahl in der Nähe seines Büros gesehen hatte. Doch reichten die Indizien nicht für einen Hausdurchsuchungsbefehl, die Ermittlungen wurden fallengelassen, wie Totenbergs Tochter Nina berichtete.

Ihr Vater war über den Verlust untröstlich, berichtete Nina Totenberg weiter, die als Gerichtsreporterin für den Radiosender NPR arbeitet. Im Jahr 2012 starb der berühmte Konzertviolinist im Alter von 101 Jahren - ohne seine Stradivari wieder gesehen zu haben.

Happy End dank Geigenexperten

Dank der Aufmerksamkeit des Geigenexperten Phillip Injeian kam das Happy End drei Jahre später: Als Johnsons Witwe ihn wegen einer Geige kontaktierte, die sie nach dem Krebstod ihres Mannes in einem verschlossenen Kasten entdeckt hatte und nun verkaufen wollte, trafen sich die beiden in einem New Yorker Hotel. Nach halbstündiger sorgfältiger Prüfung wusste Injeian, dass es sich um die gestohlene Stradivari handelte.

Vor allem die Holzmaserung habe die Herkunft der Violine verraten, erzählte Injeian nun bei der feierlichen Übergabe der "Ames" an Totenbergs drei Töchter im Büro der New Yorker Staatsanwaltschaft: "Das ist wie ein Fingerabdruck. So etwas lässt sich unmöglich fälschen." Injeian alarmierte die Polizei, die Witwe erklärte sich sofort zur Rückgabe bereit. Sie habe nicht gewusst, dass die Geige gestohlen war.

Ein Glas Wodka zur Feier

Es war ein bewegender Moment, als Totenbergs Töchter das wertvolle Stück schließlich in den Händen hielten. "Unser einziger Kummer ist es, dass unser Vater jetzt nicht hier ist, um das zu sehen", sagte Nina Totenberg. "Aber ich glaube, er ist irgendwo da draußen mit meiner Mutter und feiert mit einem Glas Wodka".

Roman Totenberg wurde in Polen geboren. In seiner Heimat galt er als Wunderkind, mit elf Jahren gab er sein erstes Konzert mit dem Philharmonischen Orchester von Warschau. 1938 emigrierte er in die USA, fünf Jahre später kaufte er seine Stradivari. Mit der "Ames" - benannt nach dem Geiger George Ames, der Ende des 19. Jahrhunderts auf ihr spielte - trat Totenberg in der ganzen Welt auf.

Seine Töchter wollen die Geige nun verkaufen, da sie selbst nicht spielen. Sie wollten sichergehen, dass die Violine "in den Händen eines anderen Geigenvirtuosen" bleibe.

11 Millionen für "Lady Blunt"

Die Instrumente des berühmten italienischen Geigenbaumeisters Antonio Stradivari sind wegen ihres einmaligen Klangs von unschätzbarem Wert: Bei einer Wohltätigkeitsauktion für die Überlebenden der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan wurden 2011 elf Millionen Euro für eine Stradivari namens "Lady Blunt" gezahlt.

Etwa 1100 Geigen soll Stradivari gebaut haben, von ihnen gibt es heute nach Angaben Injeians noch rund 550. Gestohlene Stradivaris sind wegen ihrer Bekanntheit quasi unverkäuflich. Laut dem Geigenexperten sind nur 20 gestohlene Geigen bis heute nicht wieder aufgetaucht.

jka / AFP
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