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Fünf Tote in Trier Mutmaßlicher Todesfahrer soll vor den Haftrichter – auch Vater von Baby unter den Opfern

Sehen Sie im Video: Das ist bislang über Täter und Opfer von Trier bekannt.




Der Geländewagen, mit dem ein Mann durch die Fußgängerzone in Trier gerast war und wahllos Menschen angefahren oder überfahren hatte, wurde am Dienstagabend auf einen Abschleppwagen geladen und zur weiteren Untersuchung weggebracht. Nach offiziellen Angaben hatte der Täter auf seiner Fahrt vier Menschen getötet und 15 verletzt. Ein Mensch ist später seinen Verletzungen erlegen. Der Täter sei innerhalb von vier Minuten gestoppt und festgenommen worden, erklärte Landesinnenminister Roger Lewentz auf einer Pressekonferenz. Der Oberbürgermeister von Trier Wolfram Leibe sprach von dem schwärzesten Tag der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. "Ich kann nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, mit einem SUV durch die Innenstadt zu fahren und Menschen zu töten. Menschen töten: Baby, neun Monate. Bis zu einer Dame, die 72 Jahre alt ist. Was haben diese Menschen getan?" Der Staatsanwaltschaft zufolge soll es sich nach ersten Erkenntnissen um einen alkoholisierten 51-jährigen Deutschen ohne festen Wohnsitz handeln, der in Trier geboren worden sei. Nach bisherigen Erkenntnissen sei er nicht vorbestraft. Das Motiv sei unklar, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen: "Wir haben aber keine Anhaltspunkte dafür, dass irgendwie ein terroristisches geartetes Motiv, ein politisches Motiv oder ein religiöses Motiv eine Rolle gespielt haben könnte." Möglicherweise liege bei dem 51-Jährigen eine psychische Erkrankung vor, sagte Fritzen. Dies werde noch untersucht. Gegen ihn gebe es den dringenden Tatverdacht des Mordes in vier Fällen und der gefährlichen Körperverletzung in mehreren weiteren Fällen. Der Mann habe sein Fahrzeug als Waffe benutzt. In ganz Rheinland-Pfalz sollen die Fahnen wegen der Tat am Mittwoch auf Halbmast wehen. Auch in Trier selbst soll eine Möglichkeit für die Bürger geschaffen werden, ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen.
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Warum mussten fünf Menschen in der Trierer Innenstadt sterben? Dieser Frage gehen die Ermittler weiter nach. Der festgenommene Autofahrer muss vor den Haftrichter. Eine ganze Stadt steht unter Schock.

Nach der Todesfahrt in der Trierer Innenstadt mit mehreren Toten soll der dringend Tatverdächtige am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bei dem 51-Jährigen. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Der Mann hat inzwischen laut Polizei auch ausgesagt. "Er spricht mit uns", teilte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen mit. Zu den Inhalten der Aussage könne man aber keine Angaben machen. Ein eigens eingerichtetes Hinweistelefon sei mittlerweile wieder abgeschaltet worden, Zeugen könnten sich aber unter einer anderen Nummer bei der Polizei melden. Zudem bat die Polizei die Menschen, Fotos und Videos nicht in den Sozialen Medien zu teilen sondern in einem dafür eingerichteten Hinweisportal hochzuladen.

Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Mann mit einem PS-starken Geländewagen am frühen Dienstagnachmittag gezielt Menschen in der Trierer Fußgängerzone überfahren. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) war er in der Innenstadt im Zickzack-Kurs mit seinem Wagen unterwegs. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. 14 weitere Menschen wurden verletzt. Rund vier Minuten nach dem ersten Notruf konnten Polizisten den Autofahrer festnehmen.

Todesfahrt in Trier: Ermittler schließen politischen Hintergrund aus

Das Motiv des Mannes ist noch unklar, einen politischen oder religiösen Hintergrund schließen die Ermittler aber bislang aus. Auch gebe es keine Hinweise auf Mittäter oder Komplizen des Festgenommenen. Der Verdächtige ist Deutscher und gebürtig aus Trier. Er war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Mordes, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung. Nach Angaben der Ermittler lebte er in den Tagen vor der Tat in dem Auto.

Zu den Todesopfern zählen neben dem Baby drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie der 45-jährige Vater des Kindes. Sie alle stammen aus Trier. Die Mutter des Babys hat überlebt und liegt laut Behördenangaben ebenso im Krankenhaus wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn.

Trauerfeier für Opfer am Mittwoch

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach nach der Amokfahrt vom schwärzesten Tag für die Stadt in der Nachkriegsgeschichte. Am Mittwochvormittag (10) wird am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra der Opfer gedacht. Im Trierer Dom beteten bereits am Dienstagabend rund 100 Menschen für die Toten, die Verletzten und ihre Angehörigen.

Die Innenstadt wurde nach der Tat für die weiteren Ermittlungen weiträumig abgesperrt. In der Nacht waren die Tatortarbeiten dann abgeschlossen, die Fußgängerzone wurde wieder freigegeben

jek DPA

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