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Trubel um Chile-Kumpel Zwischen Hollywood und Potenzpillen


Die 33 geretteten Bergleute in Chile haben jetzt mehr Stress als unter Tage. Jeder lädt sie ein, ihre Geschichte lockt die Filmbranche - und ein Kumpel kann Werbestar für Sexmittel werden.

Großes Unglück, Kampf um Leben und Tod, Happy End: Das Grubenundrama in der chilenischen Wüste hat alles, was Filmproduzenten fiebrig macht. Und dann auch noch das: Sex! Während Bergmann Johnny Barrios noch in mehr als 600 Metern Tiefe saß und keiner wusste, ob die Rettung gelingen würde, sorgten sich oben auf dem Gelände der Mine San José gleich zwei Frauen um ihn: seine angetraute Ehefrau – und seine Geliebte. Zunächst wusste keine von der anderen. Als sich beide über den Weg liefen und feststellten, dass sie um denselben Kumpel bangten, kam es zum Äußersten. Die beiden Frauen gingen aufeinander los, die Polizei musste sie trennen.

Barrios war in diesem Moment dort, wo sich in solchen Fällen wohl alle Männer hinwünschten: vom Erdboden verschluckt. Und nun, da er heil und gesund wieder nach oben befördert wurde, hat der Bergmann nicht nur ein privates Problem, von dem die ganze Welt weiß. Er soll mit seiner Affäre auch noch zum Star werden. Das chilenische Unternehmen "Men’s Quality" vertreibt Potenzmittel. Slogan der Firma: "Für die Qualität männlicher Sexualität". Barrios scheint der Firma aufgrund seines amourösen Doppellebens nun besonders geeignet, den Absatz der Potenzmittel zu fördern. Schaut man sich ihre Homepage an, kann ein wenig Pepp tatsächlich nicht schaden. "Men’s Quality“ will den Kumpel deshalb für eine Werbeaktion gewinnen.

Die Story der 33 ist viel Geld wert

Barrios’ Erlebnis ist ein Extremfall – doch nach 69 Tagen tief unter der Erde gleicht das Leben für die Geretteten einem Jahrmarkt. Medien weltweit bemühen sich um Interviews. Die 33 können sich vor Einladungen nicht retten. Der Präsident will sie in seinem Palast empfangen. An diesem Sonntag sollten sie an einem Dankgottesdienst teilnehmen. Das haben die Kumpel, auch auf Rat der Psychologen, jedoch abgesagt. Der Chefpsychologe des Rettungsteams, Alberto Iturra, sieht die Bergmänner bereits einem größeren Stress ausgesetzt als zuvor in der Tiefe der Kupfer- und Goldmine San José. "Man muss verstehen, dass die Männer gerade erst aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen sind und erstmal ihre Ruhe haben möchten", sagte die Gouverneurin der Region Atacama, Ximena Matas.

Die spektakuläre Rettungsaktion hatte fast 2000 Medienmitarbeiter aus aller Welt zum Bergwerk in der Atacama-Wüste gelockt. Einige versuchten anschließend, Interviews mit den Geretteten sowie Mitgliedern der teilweise sehr großen Familien zu vereinbaren. Dabei forderten einige der Angehörigen Geld, während auch Medien größere Beträge angeboten haben sollen.

Und längst hat auch der Wettlauf darum begonnen, wer sich die Rechte an dem Stoff sichert – für ein Buch, einen Kinofilm, einen TV-Film. Das US-Branchenblatt "Broadcasting & Cable" berichtete, dass die Story Hunderttausende Dollar wert sein könnte.

Der Weg zurück ins normale Leben – er wird für die Kumpel noch weit sein.

tho/DPA DPA

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