HOME

Vier Jahre nach Winnenden: Erster Schadensersatzprozess nach Amoklauf beginnt

Die meisten seiner Opfer hat Tim K. in der Schule in Winnenden erschossen. Auf der Flucht tötete er zwei Männer in einem Autohaus in Wendlingen. Die Familie eines Opfers klagt nun auf Schadensersatz.

Mehr als vier Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden steht an diesem Mittwoch der erste Schadensersatzprozess an. Wie das Landgericht Stuttgart am Dienstag mitteilte, klagen eine Witwe und zwei ihrer Kinder eines der tödlich verletzten Opfer. Bei dem Toten handelt es sich um einen Kunden eines Autohauses in Wendlingen. Der Vater des Amokläufers hatte die Pistole unverschlossen im Kleiderschrank aufbewahrt, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschoss.

Nach dem Blutbad an seiner früheren Schule in Winnenden war der 17 Jahre alte Amokläufer per Auto und einer Geisel ins 40 Kilometer entfernte Wendlingen geflüchtet. Dort stürmte er in ein Autohaus, um sich einen Wagen zu besorgen, eröffnete sofort das Feuer und erschoss den 46-jährigen Kunden und einen 36-jährigen Mitarbeiter, die gerade in einem Verkaufsgespräch waren. Der 17-Jährige hatte sich darüber hinaus an dem Autohaus mit der Polizei einen Schusswechsel geliefert und dabei zwei Beamte in Zivil schwer verletzt. Später erschoss sich der Jugendliche auf dem Parkplatz.

Es geht um 80.000 Euro

Die Hinterbliebenen machen einen Unterhaltsschaden und den Ersatz von Beerdigungskosten geltend, sagte ein Gerichtssprecher. "Es geht um einen Streitwert von 80.000 Euro". Insgesamt sind bisher sechs Klagen Geschädigter und Hinterbliebener von Opfern des Amoklaufs gegen den Vater des Täters anhängig. Es geht um mehrere Hunderttausend Euro. Weitere Verfahren werden voraussichtlich im Herbst verhandelt.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Amoklaufs ist hingegen abgeschlossen. Der Vater des Amokläufers zog die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart zurück. Das Gericht hatte ihn am 1. Februar wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dagegen wollte der Angeklagte ursprünglich beim Bundesgerichtshof vorgehen. Entgegen der Vorschriften hatte der Vater die Waffe nicht weggeschlossen, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt. Zudem war es seinem Sohn gelungen, an insgesamt 285 Schuss Munition zu gelangen.

ds/DPA/AFP / DPA