VG-Wort Pixel

Vulkan Merapi speit weiter Glühende Lava, schädliche Metalle und fruchtbarer Boden


Der Merapi scheint alles in seiner Umgebung zu zerstören. Doch die tödliche Aschewolke des indonesischen Vulkans bedeutet auch Leben. Ein Experte erklärt, warum.

Der indonesische Vulkan Merapi bringt den Bewohnern nicht nur Zerstörung und Tod, sondern auch fruchtbare Erde. Der Geologe Christoph Breitkreuz von der TU Bergakademie Freiberg (Sachsen) erklärt, was die Vulkanerde so fruchtbar macht - und wie Vulkanausbrüche der Umgebung schaden.

Vulkanerde gilt als besonders fruchtbar. Warum ist das so?

Breitkreuz:

"Das gilt vor allem für Klimaten (Klimazonen), wo es viel regnet und die Temperaturen hoch sind. Wenn das geschmolzene Material während der Eruption abkühlt, erstarrt es zu Glas. Vulkanische Asche besteht zu einem Großteil aus feinen, vulkanischen Glaspartikeln und zu einem gewissen Teil aus Mineralen wie Feldspat und Hornblende. Diese Substanzen zersetzen sich sehr leicht in diesen warmen Klimaten und tragen rasch zur Bodenbildung bei. Bei der Verwitterung werden auch Mineralstoffe frei, die für Pflanzen wichtig sind, wie zum Beispiel Eisen, Magnesium, Kalzium und Natrium."

Und trägt denn neben der vulkanischen Asche auch die Lava mit zur Fruchtbarkeit des Bodens bei?

Breitkreuz:

"Von Lava spricht man, wenn das Magma aus dem Schlot herausquillt und sich als zähe Flüssigkeit den Hang herunterwälzt oder sich in einer Ebene ausbreitet. Diese Laven sind im Prinzip auch fruchtbar, aber die Zersetzung, die Verwitterung, dauert viel, viel länger. Die Asche ist ja schon schön klein zerteilt. Die Lava hingegen ist massiv."

Wie lange dauert es denn, bis ein Boden von einem Vulkanausbruch profitiert?

Breitkreuz:

"In manchen Gebieten ist Landwirtschaft kaum noch möglich, wenn die Asche immer auf dieselbe Stelle niedergeht. Denn selbst wenn diese zerkleinerte Glasasche dort zentimeterdick liegt, braucht es trotzdem Jahrzehnte, bis daraus ein reicher Boden wird. Er muss umgepflügt und mit dem bereits reichen Boden vermischt werden. Aber da es in diesen Gebieten sehr häufig regnet, wird die Asche oft heruntergespült. Um das zu verhindern, legen Menschen an den Hängen Terrassen an."

Abgesehen von dem positiven Aspekt der Bodenfruchtbarkeit: Welchen Schaden nimmt die Umgebung durch einen Vulkanausbruch?

Breitkreuz:

"Vulkanische Ascheablagerungen können das Grundwasser verseuchen. Es ist zum Beispiel bekannt, dass in bestimmten Gegenden der Welt wie Nordchile solche Grundwässer arsenreich sind. Das muss dann herausgefiltert werden. Es ergeben sich auch Probleme für die Viehzucht. Ich kenne ein Beispiel aus Patagonien. Dort haben die Schafe 1991 beim Ausbruch des Mount Hudson Vulkanasche ins Fell bekommen. Durch den Regen wurde es praktisch wie Flüssigbeton. Daran sind sie erschöpft und gestorben. Andere Eruptionen enthalten im vulkanischen Glas Fluor. Wenn die Tiere das dann aufnehmen, können sie auch an der Knochenkrankheit Osteoporose sterben."

Christine Cornelius, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker