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Waldbrände in Griechenland: "Nur Gott kann uns retten"

Die Waldbrände in Griechenland sind weiter außer Kontrolle, verzweifelt kämpfen Feuerwehr und Freiwillige gegen die Flammen. In einem Athener Vorort müssen 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Schickt doch endlich Hilfe. Unsere Häuser brennen", schrie ein Einwohner des Athener Vorortes Pikermi am Sonntag verzweifelt ins Telefon. Doch wer soll wem helfen, wenn die Feuerfront mehr als 40 Kilometer lang ist, mehr als 20 Vorstädte und Dörfer rund um Athen bedroht werden und Winde mit Böen bis zur Stärke elf die Flammen vorantreiben? Fast auf den Tag genau nach zwei Jahren erlebt Athen eine ähnliche Katastrophe wie der Westen der Halbinsel Peloponnes. Am 24. August 2007 waren nahe Olympia verheerende Waldbrände ausgebrochen, die eine Fläche zweimal so groß wie Berlin zerstörten.

Auch auf den Inseln Euböa und Skyros tobten seit Samstag mehrere Brände. Insgesamt waren seit Samstagmorgen mehr als 140 Waldbrände in Griechenland ausgebrochen. Mit dem ersten Tageslicht setzte die Feuerwehr erneut massiv Löschflugzeuge und Hubschrauber ein. Sie kamen jedoch bislang nicht gegen das Feuer an. Bis zu 20 Meter hohe Flammen näherten sich abgelegenen Krankenhäusern in dem Waldgebiet von Penteli, 15 Kilometer nördlich von Athen. Die Kliniken mussten evakuiert werden. Dutzende Häuser wurden vollständig zerstört. Mehr als 12.000 Hektar Wald seien bisher verbrannt, sagte der Präfekt von Athen, Giannis Sgouros.

Häuser, Tiere, Gärten - alles fiel den Flammen zum Opfer

"Ich kann es nicht mehr sehen. Mutter Gottes hilf uns", flehte eine Frau im Dorf Agios Stefanos. Ihr Haus brannte lichterloh. Polizisten zerrten die Frau weg vom Ort des Geschehens, damit sie nicht selbst vom Feuer erfasst wurde. Die Flammen bahnten sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und einem furchterregenden Dröhnen und Zischen ihren Weg, zerstörten Häuser, Gärten, Wald, Autos und landwirtschaftlich genutztes Land. Unzählige Wild- und Haustiere verendeten.

Die griechischen Behörden haben die Evakuierung des unmittelbar vom Waldbrand bedrohten Vorortes angeordnet. Alle 10.000 Einwohner von Agios Stefanos müssen ihre Häuser verlassen. Der Ort liegt rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Seit Samstag gilt in der Region der Notstand.

Dicke, rötlichbraune Rauchwolken zogen am Sonntagnachmittag am zweiten Tag in Folge über Athen. Asche ging auf die östlichen Vororte nieder. Sogar auf dem Südpeloponnes waren die Rauchwolken, die an einen Vulkanausbruch erinnerten, zu sehen. Dutzende Menschen wurden mit Atemwegsbeschwerden und leichten Verbrennungen in die Krankenhäuser gebracht.

Löschflugzeuge aus dem Ausland unterstützen die griechische Feuerwehr

Unterdessen lief die erste Hilfe aus dem benachbarten Ausland an. Vier Löschflugzeuge aus Italien und Frankreich sowie ein Hubschrauber aus Zypern sollten am Sonntagnachmittag eingesetzt werden, um die Flammen zu bekämpfen, teilte das griechische Innenministerium mit. "Wir haben Hilfe beantragt", sagte Innenminister Prokopis Pavlopoulos. Doch mit dem nächsten Satz "....es geht jetzt darum, Menschenleben zu retten" deutete er darauf hin, dass ein Ende der Brände nicht absehbar sei.

Deutlicher brachte es die Feuerwehr auf den Punkt: "Die Lage ist äußerst schwierig und der Kampf (gegen die Flammen) findet in bewohnten Regionen statt", hieß es beinahe kriegerisch in ihrem Bericht am Sonntagmittag.

Viele griechische Medien gehen davon aus, dass die Feuerwehr viel mehr Hilfe braucht. Im Sommer 2007 konnten die Flammen erst gestoppt werden, nachdem massiv Unterstützung aus dem Ausland eingetroffen war - darunter auch Hubschrauber aus Deutschland. Die Meteorologen haben Schlimmes vorausgesagt: In den kommenden sechs Tagen soll es in Griechenland weiterhin stürmische Winde geben.

Die Bewohner stehen unterdessen Todesängste aus. "Nur Gott kann uns retten," sagte Priester Stelios aus der Vorstadt Dionyssos. "Ich sehe hier Bilder aus der Apokalypse", fügte er hinzu. "Es war die schlimmste Nacht meines Lebens", sagte ein Einwohner der historischen Ortschaft Marathon 40 Kilometer nordöstlich von Athen am Telefon am Sonntagmorgen. "Das Feuer umzingelt uns", fügte er hinzu.

Takis Tsafos/DPA/AP / AP / DPA