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Persönliche Berichte "Wir wissen nicht, wie wir es finanzieren sollen": Betroffene kämpfen gegen die Schäden der Flut

Sehen Sie im Video: "Hier läuft noch nichts auf Normalbetrieb" – Betroffene berichten, wie sie gegen die Flut und ihre Schäden kämpfen




Bei der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben mindestens 181 Menschen ihr Leben verloren, Dutzende werden noch vermisst. Wir haben mit drei Betroffenen des Hochwassers aus drei Städten gesprochen und sie über zwei Wochen von der Situation berichten lassen. Ihre Geschichten stehen stellvertretend für die vieler Menschen, die von der Katastrophe betroffen sind.  


In Ahrweiler in Rheinland-Pfalz berichtet Alexandra Tschida aus ihrem verwüsteten Haus.
Die freiberufliche Sängerin und Gesangspädagogin und lebt mit ihrem Mann und fünf Kindern in der Altstadt. Sie schildert, wie sie die Nacht erlebte:


Alexandra Tschida


Im etwa 110 Kilometer entfernten Eschweiler sprechen wir mit Monique Molls und ihrer Tochter Yasmin.
Für die Mutter und Unternehmerin war das Jahr 2021 schon vor den Fluten von Schicksalsschlägen gezeichnet. In der Innenstadt von Eschweiler betreibt sie ein Strumpf- und Wäschegeschäft. Während der Coronazeit kämpft sie darum, ihr Geschäft und die Angestellten durch den Lockdown zu bringen. Dann erleidet sie im Frühjahr und Sommer einen Schlaganfall und muss am Herzen operiert werden.
Sie erholt sich gerade von der Operation, da bricht das Unwetter über die Innenstadt von Eschweiler einher.


Monique Molls


Monique und Yasmin Molls erzählen uns, dass der Vater der Familie am Tag nach den Horrornachrichten in die Innenstadt fährt, um nach dem Geschäft zu sehen.  


Über Bekannte und eine Nachbarschaftsgruppe organisieren die Molls Hilfe – da sie gerade operiert wurde, kann sich Monique Molls erst zwei Tage später ein Bild von der Lage vor Ort machen.




In Essen trifft die Flut vor allem den Süden der Stadt. Im Deilbachtal wird der Kupferkessel, ein historisches Gebäude aus der Zeit der Vorindustrialisierung samt einer Ausstellung des Ruhr-Museums und einer Werkstatt für Metallbau überschwemmt. Dr. Frank Kerner, stellvertretende Direktor der Stiftung Ruhr Museum erzählt, wie er von der Überflutung erfuhr.   


Frank Kerner


In Ahrweiler herrscht nach der Flut zunächst Schock, erzählt Alexandra Tschida. Dann beginnen die Bewohner sich selbst zu organisieren. Sie helfen denen, die Hilfe brauchen – beginnen Geräte und Werkzeuge heranzuschaffen und den Schutt beiseitezuräumen. Unternehmer vor Ort helfen mit schwerem Gerät, aber auch Freiwillige aus ganz Deutschland sieht Alexandra Tschida in ihrer Nachbarschaft. Etwa eine Woche nach der Überschwemmung zeigt sie uns, wie es in ihrem vom Hochwasser betroffenen Haus aussieht.


Alexandra Tschida




Zur gleichen Zeit in Eschweiler. Auch hier werden gut eine Woche nach der Flut immer noch Autowracks geborgen. Yasmin und Monique Molls gehen durch die zerstörte Innenstadt. Überall sind die Folgen der Überschwemmung zu sehen.


Yasmin Molls
Monique Molls


Das Geschäft haben die Helfer leergeräumt. An den Wänden kann man erkennen, wie hoch das Schmutzwasser stand. Die Wände sind feucht. An den Decken haben sich mehrere Wasserflecke gebildet. Im hinteren Teil der Räume ist die Feuchtigkeit besonders schlimm – Schimmel bildet sich in den Ecken und an den Wänden. Auch die Klimaanlage, die bei der Belüftung helfen könnte, ist kaputt.


Um ihrer Mutter zu helfen, hat Yvonne Molls einen Spendenaufruf gestartet – denn ohne finanzielle Hilfe können sie die anstehenden Reparaturen nicht bewältigen.


Yasmin Molls


Auch für Alexandra Tschida und ihre Familie sammeln ihre Verwandten Geld, viele der Opfer der Flutkatastrophe haben private Spendeninitiativen gestartet.


Alexandra Tschida




Im Ruhr Museum in Essen ist zwei Wochen nach der Flut das Gebäude leer. Die historischen Dokumente und Archivunterlagen sind in der Restauration und sollen bald zum Museum zurückkehren – um ein Original-Buch aus den 1860er Jahren und einen historischen Fahrplan aus dem 19. Jahrhundert bangt Frank Kehrer noch. In Bezug auf das Gebäude gibt er sich zuversichtlich:


Frank Kerner


In Eschweiler hat Familie Molls zwei Wochen nach der Katastrophe einen Dachdecker gefunden, der die Schäden am Dach reparieren will. Außerdem hat ein Hauptlieferant des Geschäftes der Inhaberin angeboten, die beschädigte Ware in ihrem Geschäft durch eine Lieferung B-Ware zu ersetzen. Baustellen gibt es für die Molls weiterhin viele:


Yasmin Molls


Auch in Ahrweiler sieht die Situation zwei Wochen nach der Katastrophe noch immer düster aus – die Wasserleitungen sind weiterhin beschädigt. Alexandra Tschida erzählt von den neuen Entwicklungen.


Alexandra Tschida
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Auch mehr als zwei Wochen nach dem Hochwasser kämpfen die Menschen in den Flutgebieten gegen die Schäden. In Videoberichten dokumentieren eine Mutter von fünf Kindern, eine Unternehmerin und ein Museumsmitarbeiter, wie sie die Flut und die Tage danach erleben.

Hier können Sie für Opfer der Flutkatastrophe spenden.

Hier geht es zum Spendenaufruf, den Yasmin Molls für Ihre Mutter gestartet hat. 

Hier geht es zum Spendenaufruf für Alexandra Tschida und ihre Familie von ihrer Schwester Julia Mühle.


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