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Wildparadies Tripsdrill: Braunbär tötet Polarwolf bei Fütterung

Lange teilten sie sich friedlich ein Gehege, jetzt kam es im Wildpark bei Heilbronn zum tödlichen Zwischenfall: Im Kampf um ein Stück Fleisch biss "Balu" einen Wolf tot. Hunderte Zuschauer sahen zu.

Tödliche Bisse vor hunderten Zuschauern: Ein Braunbär namens "Balu" hat bei einer öffentlichen Fütterung im Wildparadies Tripsdrill bei Heilbronn einen Polarwolf getötet. Auslöser war ein Streit der Tiere um ein Stück Fleisch, sagte Tierpfleger Roland Werner nach einem Bericht der "Heilbronner Stimme".

Tripsdrill, Sonntagmittag: Der Besucherplatz ist mit 400 bis 500 Zuschauern gut gefüllt, als fünf Polarwölfe und drei Braunbären gefüttert werden. Die Bären sind Allesfresser, bekommen vor allem Obst und Gemüse. Die Wölfe fressen nur Fleisch.

Plötzlich schnappt sich "Balu" ein Stück Fleisch. Er rangelt mit einem der Wölfe, beide rollen einen Abhang runter, nur rund 20 Meter von den Zuschauern entfernt. "Balu" bleibt auf dem Wolf liegen. Als der Wolf sich wehrt, beißt der Bär in dessen Kopf. Der Wolf ist sofort tot. "Ein ganz normaler Reflex, den alle Beutegreifer haben", sagte Tierpfleger Werner. "Balu" habe sich instinktiv verhalten, nicht aggressiv.

Eigentlich ein gutes Team

Braunbären und Polarwölfe werden in dem Wildpark seit 2010 gemeinsam gehalten und gefüttert. Die Polarwölfe kamen 2009 in den Park, die Bären 2010. "Balu" und die beiden anderen Bären wuchsen im Schweizer Jurapark auf. Auch dort hatten sie bereits mit Wölfen zusammengelebt.

Bären und Wölfe passten eigentlich bestens zusammen, hieß es damals: Hier der Einzelgänger Braunbär, für den es nicht schlecht sei, sein Futter wie in der freien Natur verteidigen zu müssen, und da das Rudeltier Polarwolf, das durch seinen "sehr ruhigen und ausgeglichenen Charakter" bereit sei, auch mal zurückzustecken. Weiterer Vorteil: In der Regel seien die Wölfe so wendig, dass die Bären meist das Nachsehen hätten.

"Balu" darf bleiben

Die Zuschauer hätten recht gefasst reagiert, berichtete Werner. Mehrere Kinder hätten jedoch geweint.

Keine Frage sei es, dass der fünf Jahre alte "Balu" weiter im Wildparadies bleibe. Forderungen, die "WG" aufzulösen, gebe es bislang nicht. Auf die gemeinsame Fütterung solle aber in Zukunft verzichtet werden. "Wir wollen, dass erst gar kein Futterneid aufkommt." Laut "Heilbronner Stimme" sieht auch das Veterinäramt den Tod des Wolfs als bedauerlichen Unfall an.

sas/DPA / DPA
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