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stern-Kolumne Winnemuth: Die Glücklichmacher

Kleingeld, Gummistiefel, zu kaltes Bier. Sonderbar, was die Menschen für Lieblingsdinge haben. Aber es lohnt aufzuschreiben, was alles Freude macht. Man merkt: gar nicht so übel, das Leben.

Von Meike Winnemuth

Gummistiefel gehören zu den Lieblingsdingen von Kolumnistin Meike Winnemuth: Wenn man genau hinschaut, ist die Welt plötzlich voller Dinge, die entzücken, findet sie.

Gummistiefel gehören zu den Lieblingsdingen von Kolumnistin Meike Winnemuth: Wenn man genau hinschaut, ist die Welt plötzlich voller Dinge, die entzücken, findet sie.

Eine meiner Lieblingsmalerinnen (neben Tina Berning, die diese Kolumne illustriert) ist die New Yorkerin Maira Kalman, die viele Titelbilder meiner Lieblingszeitschrift "New Yorker" gestaltet und lange eine Online-Kolumne meiner Lieblingszeitung "New York Times" geschrieben und gemalt hat. (Völlig richtig geraten, #link;Glücklichmacher;New York# ist eine meiner Lieblingsstädte.) Diese Woche öffnet dort eines meiner Lieblingsmuseen, das Cooper-Hewitt, nach dreijähriger Renovierung wieder seine Pforten, und aus diesem Anlass wurde Maira Kalman gebeten, ihre Lieblingsstücke aus der umfangreichen Sammlung auszusuchen und zu präsentieren.

Es waren Dinge, die bei ihr einen "gasp of delight" auslösten, wie sie schreibt, die sie also vor Entzücken nach Luft schnappe ließen. Entzücken ist ja eines der Wörter, die so aus der Mode gekommen sind, dass sie nur noch zu Ironie taugen, aber wenn man sich Kalmans Auswahl anschaut, kann man nicht anders, als seinerseits entzückt zu sein: ein ägyptisches Webstück mit dem Porträt eines wahnsinnig schlecht gelaunten Herrn, ein griechischer Kantharos-Becher mit Schlaufenhenkeln, eine glühbirnenförmige Tischlampe von Ingo Maurer, eine Sèvres-Tasse, ein Glas von Lobmeyr und so weiter. Anlässlich der Ausstellung hat Maira Kalman ein neues Buch gemalt, "My Favorite Things", in dem es um diese und andere Lieblingsdinge geht, um Betten, Leitern, kaputte Stühle, Nickerchen unter Bäumen und die Hose von Arturo Toscanini, die sie letztes Jahr auf einer Auktion ersteigert hat.

Plötzlich ist die Welt voller Entzücken

Seitdem begegnen mir überall andere Listen mit Lieblingsdingen: Der jüngst aus dem Weltall zurückgekehrte Astronaut Alexander Gerst nannte Pizza und den Geruch von Herbstwald als das, was er da oben am meisten vermisst hatte. Der französische Philosoph Roland Barthes schrieb eine entzückende Liste, auf der sich flache Kissen, zu kaltes Bier, Toast, frisch gemähtes Gras, Händel, langsame Spaziergänge, Birnen, Twombly, Brecht, Verne, lose politische Überzeugungen und Kleingeld finden. Die amerikanische Essayistin Susan Sontag listete unter anderem Venedig, Tequila, Trommeln, Nelken, Socken, rohe Erbsen, grobes Salz, große langhaarige Hunde, Stummfilme, Streifen, Brücken, Dürer und Rolltreppen auf.

Natürlich habe ich sofort selbst damit angefangen, Lieblingsdinge zu notieren. Dinge, die ich aus einem brennenden Haus retten würde (meine kleine Goethe-Büste, auf der "Goehte" eingraviert ist, ein Kopftüchlein mit Pudeln drauf, das ich als Kind getragen habe, einen Plastik-Sparschäler mit Wellenschliff aus Bangkok) und Dinge, die bei mir immer wieder einen "gasp of delight" auslösen. Dill. Zimt. Blau. Shazam. Gummistiefel. Dickes Stanniol um Weinflaschenhälse. Kiesel. Kohlmeisen. Granatäpfel. Der Öjendorfer Park an einem sonnigen Herbsttag. Das Gefühl von reifen Pfirsichen unter prüfenden Fingerspitzen. Rittersporn. Bahnhöfe. Dass die Pfoten meines Foxterriers wie Popcorn riechen. Quallen, aber nur in Aquarien. Dry Martinis in der Wiener Loos-Bar. Wärmflaschen. Gießkannen. Mit Rückenwind den Berg runterradeln. Goldberg-Variationen, von Glenn Gould gespielt. Überlange Daunendecken. Münzen mit Loch in der Mitte. Holzplankenwege durch Dünen.

Irgendjemand sagte mal, wir bestehen aus den Dingen, die wir an uns heranlassen. Wenn man erst mal angefangen hat, die alle aufzulisten, ist die Welt plötzlich voller Lieblingsdinge. Und voll Entzücken. Ich habe keine Ahnung, wofür oder wogegen das eine Therapie ist, aber es ist eine verdammt gute.

Die Kolumne

... von Meike Winnemuth finden Sie immer schon donnerstags im aktuellen stern. Diese Kolumne erschien in der vergangenen Woche, Heft Nr. 51.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(