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stern-Kolumne "Winnemuth": Igitt, Eiersalat!

Warum fühlen sich so viele bemüßigt, etwas niederzumachen, das einem anderen Freude macht? Vielleicht, weil sie in einer Welt des Dauerkommentierens den Ausknopf nicht mehr finden.

An den Wänden amerikanischer Grundschulen hängen oft Zettel mit den Grundregeln zivilisierten Lebens unter Sechsjährigen. Eine davon lautet: „Don’t yuck my yum“. Grob übersetzt: "Sag nicht igitt zu etwas, das ich lecker finde.“ Was andere Kinder in ihrer Butterbrotdose haben, ob Erdnussbuttersandwiches oder Eiersalat, hat bitte nicht kommentiert zu werden, jedenfalls nicht abfällig. Des einen Delikatesse mag des anderen Brechmittel sein, was aber noch längst niemandem das Recht gibt, einem anderen den Appetit oder den Spaß zu verderben.

"Don’t yuck my yum“ ist natürlich eine nützliche Regel auch jenseits der ersten Schulklasse und der Butterbrote, und ich würde sie nicht erwähnen, wenn ich nicht den Eindruck hätte, dass das Yucken von Yums seit einiger Zeit zum Volkssport geworden ist. Erzählt jemand gut gelaunt vom geplanten Kurzurlaub in Tunesien, ist die Reaktion nicht selten ein gedehntes "Was wollt ihr denn daaaa?“ oder gar die willkommene Information: "Da ist meiner Schwägerin letztes Jahr der Koffer geklaut worden." Schwärmt man von einem Film, fühlt sich der andere nicht nur bemüßigt, genau zu erklären, warum er seinerseits den Film indiskutabel schlecht fand, sondern warum man selbst den Film ab sofort ebenfalls mies zu finden hat.

Täglich eine neue virtuelle Wirtshausschlägerei

Frisur, Kleidungsstil, Trinkgewohnheiten, Lieblingssänger, Lieblingsautor, Lieblingseis – je banaler die Geschmacksentscheidungen anderer sind und je weniger sie einen etwas angehen, desto größer die "Das geht doch gar nicht“-Lizenz zum Maulen und Miesmachen, so scheint es. Einer Bekannten gegenüber erwähne ich mein Vergnügen an Daniel Hartwichs Moderationen in "Let’s Dance“, die Reaktion war schon vorher klar: "Wie kann man sich so was nur angucken?“ Nein, falsch: Wie kann man mir nur so den Spaß verderben? Was hat sie davon? Inwieweit würde es ihre eigene Lebensqualität verbessern, wenn ich nicht mehr "Let’s Dance“ gucke? Rätselhaft.

Möglich, dass wir in einer Welt des Dauerkommentierens nicht mehr den Ausknopf finden. Wenn nahezu jeden Tag eine neue Empörung in den sozialen Netzwerken aufflammt, eine neue virtuelle Wirtshausschlägerei entsteht zwischen Veganern und Schlangenschuhträgern oder zwischen Putin-Verstehern und Putin-Verstehernichtverstehern, dann kann es schon mal passieren, dass man meint, immerzu meinen zu müssen – allzeit angriffslustig und unbedingt verteidigungsbereit, bis an die Zähne bewaffnet mit Urteilen und Verurteilungen. Egal, wie egal es uns doch eigentlich sein könnte, woran sich andere erfreuen.

Es geht dir gut? Na warte!

Das Verrückte ist, dass sich viele Leute geradezu persönlich beleidigt fühlen vom abweichenden Geschmack oder Lebensstil anderer. Das gereizte Niedermachen wäre sonst nicht zu erklären. Noch verrückter ist lediglich, dass sie noch nicht mal persönlich involviert sein müssen, um sich angegriffen zu fühlen. Die bloße Vorstellung, es könne irgendwo auf der Welt ein glücklich verheiratetes schwules Paar geben, das man nie getroffen hat und dessen Existenz in keiner Weise etwas an der Qualität der eigenen Ehe ändert, sorgt bei vielen ja schon für Schaum vor dem Mund. Ressentiments sind nicht mit Vernunft aus der Welt zu schaffen. Okay. Aber dass so viele mit ihren Ressentiments nicht mal vor dem kleinen oder großen Glück anderer haltmachen, ist einfach nicht zu begreifen. Leben und leben lassen, hieß es früher mal. Doch wer noch nicht mal das Erste entspannt zu schaffen scheint, schafft das Zweite umso weniger.

Die Kolumne ...

... von Meike Winnemuth finden Sie immer schon donnerstags im aktuellen stern.

Von Meike Winnemuth
Themen in diesem Artikel
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.