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Seltsamer Patient: Wie ein Mann von Sudoku Anfälle bekam

Sudokus sollen entspannen und die Konzentration fördern. Nicht so bei einem Mann im Uniklinikum München: Sein Arm zuckt, sobald er versucht, die Rätsel zu lösen. Die Ärzte sind ratlos.

Sudokus sind eine sehr beliebte Denksport-Aufgabe. Der Name stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "Isolieren Sie die Zahlen".

Sudokus sind eine sehr beliebte Denksport-Aufgabe. Der Name stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "Isolieren Sie die Zahlen".

Es ist ein merkwürdiger Fall, den Berend Feddersen in dem Fachjournal "Images of Neurology" beschreibt. Der Oberarzt am Uniklinikum München hatte es mit einem jungen Mann zu tun, der während einer Skitour in eine Lawine geraten war. Der 25-jährige Lehramtsstudent hatte Glück im Unglück: Er konnte gerettet werden, auch wenn sein Körper für 15 Minuten mit zu wenig Sauerstoff versorgt wurde. In den ersten Wochen nach dem Unfall zeigte der Patient immer wieder Auffälligkeiten: Der Mund zuckte beim Reden und die Beine beim Gehen. Solche Anfälle können nach einer Unterversorgung mit Sauerstoff auftreten - meistens sind sie aber nicht dauerhaft.

So auch bei dem 25-jährigen. Nach einigen Wochen schien er davon genesen, jedoch trat ein anderes Phänomen auf, das auch die Ärzte so noch nicht gesehen hatten. Wie viele andere Menschen auch, löste der Mann gerne Sudokus. Bei diesem Rätsel ist Logik gefragt: In ein Gitter von 9x9 Kästchen müssen die Ziffern von eins bis neun eingetragen werden, jedoch dürfen die Ziffern in jeder Spalte, jeder Zeile und jedem 3x3-Unterquadrat nur einmal vorkommen. Das kann ganz schön knifflig sein und der Patient von Berend Feddersen versuchte sein Glück, indem er sich die Zahlen und Kästchen dreidimensional vorstellte. Und genau in dem Moment ging es los: Sein linker Arm zuckte wild und unkontrolliert. Könnten die Sudokus der Auslöser gewesen sein?

Nur räumlich-visuelle Zahlenrätsel lösen Zuckung aus

Bei einer bestimmten Form der Epilepsie sind solche Reflexe, wie Mediziner die spontanen Anfälle nennen, schon bekannt. Sie können durch äußere Einflüsse ausgelöst werden, wie z.B. Rechnen, Lärm, Berührungen oder visuelle Reize bei Computerspielen. Aber durch Sudokus?

Die Ärzte fanden heraus, dass außer den Sudokus nur andere Übungen, die ebenfalls einen räumlich-visuellen Charakter aufwiesen, Zuckungen auslösten. Schreiben? Lesen? Rechnen? Nein. Zahlen in eine aufsteigende Reihenfolge bringen, die zufällig angeordnet sind? Ja. Es ist erstaunlich und auch die Ärzte können nur vermuten, dass der Sauerstoffmangel eine Schädigung im Hirn verursacht hat und diese dafür sorgt, dass die Muskeln im linken Arm nicht mehr gehemmt werden, sobald der Mann sich die Zahlen dreidimensional vorstellt. Heftige Zuckungen beim Sudoku-Lösen waren die Folge. Doch so spannend der Fall aus medizinischer Sicht auch ist, die Behandlung des Patienten war denkbar einfach: Keine Sudokus - keine Zuckungen! Der Mann hörte einfach auf zu knobeln und lebt nun seit fünf Jahren ohne Anfall.

vs