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Kohlendioxid-Ausstoß Mehr als nur ein Klimasünder unter vielen: Zahlen zu Deutschlands CO2-Emissionen

Faktencheck: CO2-Emissionen in Deutschland
Hinter dem Braunkohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen geht die Sonne unter. Deutschland hat seine CO2-Emissionen in den letzten Jahren verringern können, gehört international aber weiter zu den Top-Ten der größten Kohlendioxid-Emittenten.
© Federico Gambarini / DPA
Sollen doch erstmal die größten Klimasünder ihr Haus in Ordnung bringen – ein einzelnes Land wie Deutschland könne dem Klimawandel kaum etwas entgegenstellen, heißt es oft. Doch stimmt das auch? Ein Faktencheck.

Etwas mehr als eine Woche ist es her, als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel forderte, die Treibhausgase der Europäischen Union bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen. Bisher lautet das offizielle Ziel minus 40 Prozent. Die Verschärfung soll helfen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und die gefährliche Überhitzung der Erde zu stoppen. 

Die noch nicht verabschiedete Anhebung würde drastische zusätzliche Anstrengungen im Klimaschutz bedeuten – auch für Deutschland. Viele fragen sich jedoch, was die Anstrengungen eines einzelnen Landes überhaupt bewirken können? Der Tenor: Jeder müsse aktiv werden, um die Klimakatastrophe noch abzuwenden. Diese Logik gilt wohl auch für Deutschland.

Wo stehen wir hierzulande in Sachen CO2-Ausstoß? Ein Faktencheck.

Behauptung 

Deutschland hat als einzelnes Land einen geringen Anteil an den weltweit ausgestoßenen klimaschädlichen Emissionen. Es kann mit nationalen Maßnahmen die menschengemachte Erderwärmung also nur wenig eindämmen.

Fakten zu Deutschlands CO2-Emissionen

Tatsächlich wird in Deutschland etwa ein Fünfzigstel der energiebedingten weltweiten CO2-Emissionen ausgestoßen. Wie eine Studie des britischen Mineralölkonzerns BP ergab, betrug der deutsche Anteil 2019 zwei Prozent. 

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Was auf den ersten Blick als sehr kleiner Anteil erscheint, ist genauer betrachtet aber erheblich: Im internationalen Vergleich lag Deutschland der Studie zufolge 2019 auf Platz 7 (683,8 Millionen Tonnen CO2) der größten CO2-Emittenten – hinter China (9825,8), den USA (4964,7), Indien (2480,4), Russland (1532,6), Japan (1123,1) und Iran (670,7).

Im weltweiten Durchschnitt stößt jeder Erdenbürger pro Jahr rund fünf Tonnen Kohlendioxid aus – in Deutschland jedoch sind es nach Berechnungen des Forschungsverbunds Global Carbon Project für das Jahr 2018 pro Kopf der Bevölkerung 9,1 Tonnen. Jeder Chinese trug im selben Jahr durchschnittlich 7 Tonnen CO2 zum Klimawandel bei, jeder US-Bürger 17 Tonnen. 

Deutschlands Einfluss in Europa und der Welt

Zur zahlenmäßigen Betrachtung kommen politische Faktoren hinzu: Deutschland hat in den Staatengruppen G7 und G20 erheblichen Einfluss. Bei den Vereinten Nationen bestimmt Berlin derzeit im Sicherheitsrat die Geschicke der Welt mit. Und nicht zuletzt trägt Deutschland auch in der Europäischen Union erhebliche Mitverantwortung – und damit für rund ein Zehntel der energiebedingten weltweiten CO2-Emissionen. Angesichts dieser Faktoren kommt Deutschland auch beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle zu, andere Länder könnten dem Vorbild folgen und ihrerseits nachziehen.

*Dieser Artikel ist erstmals am 23. September 2019 auf stern.de erschienen. Vor erneuter Veröffentlichung haben wir die im Text angegebenen Werte zu den CO2-Emissionen um Angaben für 2019 bzw. 2018 aktualisiert, Anm. der Redaktion.

Quellen:BP-Studie über Co2-Emissionen 2019Global Carbon Project zum Pro-Kopf-Verbrauch 

mod mit DPA

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