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Forschungsprojekt: Wie Sie mit Ihrem Computer das Coronavirus bekämpfen können

Ein Forschungslabor der Stanford University in Kalifornien sucht virtuelle Virenjäger. Mit der Installation eines Programms auf dem heimischen Rechner kann jeder einen Beitrag zum Kampf gegen das Coronavirus leisten. 

Von Jakob Höfler

Corona-Jagd am heimischen Rechner

Das Programm Folding@home simuliert Proteine, die bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19 helfen können

Wir haben gelernt, Händewaschen hilft gegen die Verbreitung des Coronavirus oder zwei Meter "Sozialabstand" zu anderen. Es gibt aber eine noch viel wirksamere Methode, den Erreger zu bekämpfen – und zwar mit dem eigenen Computer.

Die Stanford University sucht Privatpersonen, die bereit sind, einen Teil der Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung zu stellen. Das Projekt heißt "Folding@home". Das Ziel ist es, gemeinsam herauszufinden, wie sich das Virus an eine gesunde Zelle heftet und diese infiziert. Dieser Vorgang kann in Testläufen auf PCs und Laptops simuliert werden. Die Forscher sagen, sie brauchen die Unterstützung von mindestens einer Million Computern.

Geeignet sind alle Geräte, die wenigstens einen Prozessor mit einer Mindestleistung von 1,4 Gigahertz und ein modernes Betriebssystem haben. Die meisten modernen Computer sollten darüber verfügen. Im Aufruf im Internetforum Reddit heißt es: "Jeder, egal welche Hardware er besitzt, hat die Möglichkeit, der Forschung zu helfen. Wer weiß, vielleicht hilft es uns oder unseren Kindern?"

Jeder kann bei der Virenjagd mitmachen

Wer mitmachen will, kann das Programm "Folding@home" auf seinem Rechner installieren. Es funktioniert für alle gängigen Betriebssysteme. Das dauert höchstens fünf Minuten. Danach läuft das Programm im Hintergrund und zwar immer dann, wenn der Rechner eingeschaltet ist. Keine Sorge, der Computer kann ganz normal weiterverwendet werden. "Folding@home" nutzt lediglich die Rechenleistung, die gerade nicht gebraucht wird. Man kann dem eigenen Rechner sogar beim Corona-Bekämpfen zuschauen.

In einem Untermenü wird die visuelle Darstellung der Simulation gezeigt. Auf dem Monitor erscheinen Modelle von Proteinen und der sogenannten Faltung. Also, wie sie ihre endgültige dreidimensionale Form erhalten. Das ist wichtig, weil manche Proteine wie Antikörper am Immunsystem beteiligt sind. Mögliche medikamentöse Behandlungen sollen simuliert werden. Aber diese Suche gleicht einer Lotterie. Es gibt zig Milliarden Möglichkeiten, aber nur wenige führen am Ende zu einer Therapie. Weil diese Simulationen so viel Rechenleistung benötigen, braucht es viele Helfer in aller Welt.

Die Suche ist wie eine Lotterie

Keine Sorge, mit der Teilnahme am Projekt kann sich der eigene Computer nicht mit einem Virus infizieren. Außerdem werden alle Daten an­o­ny­mi­sie­rt. Die Forscher an der Stanford University haben Erfahrung mit dem Ausleihen von fremden Computern. Auch bei der Forschung von Mitteln gegen Ebola, Parkinson, Alzheimer, Huntington's und Krebs baten sie schon um Hilfe.

In Technikforen wird der Aufruf der Forscher meist sehr positiv aufgegriffen. Kritisch wird angemerkt, dass Rechner mit geringer Leistung nicht besonders effektiv sind. Deshalb richtet sich der Aufruf vor allem an die Gamer-Community, die meist Computer mit hoher Leistung bereitstellen können. Die US-Unternehmen Intel (Prozessoren) und NVIDIA (Grafikkarten) unterstützen das Projekt. Hinter dem Anruf steht das Pande Lab unter der Leitung von Dr. Greg Bowman an der Stanford University in Kalifornien. Insgesamt  hat "Folding@home" bisher 233 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht – und versprochen, die Ergebnisse ihrer Suche allen kostenlos zur Verfügung zu stellen.