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Jenaer Erklärung: "Keine biologische Begründung": Zoologen lehnen Begriff "Rasse" ab

Lange wurde in der Biologie und Zoologie der Begriff "Rasse" benutzt. Davon distanzieren sich Forscher in einer gemeinsamen Erklärung und wollen das Wort ganz aus dem wissenschaftlichen Diskurs verbannen.

Schädel

Schädel im Phyletischen Museum der Universität Jena. Die Rassenlehre basiert unter anderem auf verschiedenen Schädelformen.

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Lange wurde in der Wissenschaft der Begriff "Rasse" wie selbstverständlich benutzt. Und zwar nicht nur in Bezug auf Tiere, sondern auch und gerade zur Beschreibung von Menschengruppen. Dabei blieb es nicht nur bei der Verwendung des Begriffs im wissenschaftlichen Diskurs, politisch und ideologisch wurde das Wort immer wieder missbraucht, um die Verfolgung und Ermordung von Angehörigen bestimmter Gruppen zu rechtfertigen.

Wissenschaftler aus Jena wollen den Begriff aus dem Sprachgebrauch so weit wie möglich verbannen. Aus Anlass der Tagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in der thüringischen Universitätsstadt haben sie die Jenaer Erklärung aufgesetzt. Die Erklärung soll dazu dienen, "gegen scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigungen für Rassismus vorzugehen", heißt es in dem Papier. Die Forscher fassen ihren Text zusammen mit der These: "Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung."

Wissenschaftler distanzieren sich von rassistischen Theorien

So soll von der Tagung ein Zeichen gegen rassistische Diskriminierung ausgehen. Aktueller Anlass ist der 100. Geburtstag des Wissenschaftlers Ernst Haeckel, der auch als der "deutsche Darwin" bezeichnet wird. Haeckel ordnete Menschengruppen anhand ihrer Hautfarbe, Augen- oder Schädelform in einem Stammbaum ein und unterschied so verschiedene "Rassen". Von diesem Konzept distanzieren sich seine Nachfolger nun ausdrücklich: "Es gibt hierfür (...) keine biologische Begründung und tatsächlich hat es diese auch nie gegeben."

Somit kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: "Der Nichtgebrauch des Begriffes Rasse sollte heute und zukünftig zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehören." Viele Kollegen haben sich dem fünfseitigen Aufsatz der Forscher angeschlossen. Martin S. Fischer, Zoologe und Evolutionsforscher an der Universität Jena und einer der Verfasser der Erklärung, sagte im "Deutschlandfunk": "Der Rassebegriff ist nichts anderes als ein gedankliches Konstrukt und entbehrt jeder Realität, weshalb wir den Rassebegriff grundsätzlich ablehnen und deshalb auch dafür kämpfen, dass dieser Rassebegriff einfach nicht mehr in Zusammenhang mit Wissenschaft benutzt wird.“ 

Quellen: Jenaer Erklärung / "Deutschlandfunk"

epp
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