Galileo im All Ein Freudentag für Europa


Zwanzig Jahre nachdem die Amerikaner ihr Satellitennavigationssystem GPS für die zivile Nutzung freigegeben haben, sind nun die Europäer mit einem Konkurrenz-Satelliten ins All gestartet. 2011 soll das Navigationssystem Galileo die Arbeit aufnehmen.

Eine russische Sojus-Trägerrakete hat am Mittwoch den ersten Testsatelliten des europäischen Navigationssystems Galileo ins All gebracht. "Es hat keinerlei Verzögerungen beim Start gegeben", sagte ein Sprecher der russischen Weltraumbehörde Roskosmos.

Die Rakete hob um 6.19 Uhr unserer Zeit auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan ab. Das Aussetzen des Satelliten mit dem Namen "Giove A" erfolgte 88 Minuten nach dem Start.

Standort lässt sich metergenau bestimmen

Der Satellit soll in 23.000 Kilometern Höhe Frequenzrechte sichern und neue Technologien testen. Ab dem Jahr 2011 werden insgesamt 30 Satelliten für Galileo um die Erde kreisen und eine präzisere Ortsbestimmung als das amerikanische Konkurrenzsystem GPS ermöglichen. Die Satelliten sollen Behörden, Unternehmen und Einzelpersonen mit präzisen Signalen für Zeit und Ort versorgen.

Praktisch jedermann dürfte dann mit einem kleinen und preisgünstigen Empfangsgerät seinen Standort auf wenige Meter genau bestimmen können. Ein Schiff kann geortet und gesteuert werden, Galileo in der Landwirtschaft, der Umweltpolitik oder von Suchdiensten eingesetzt werden. Als eines der wichtigsten europäischen Technologieprojekte verspricht Galileo, sofern alles klappt, eine noch mobilere Zukunft.

Der Testsatellit "Giove A" wird während seiner auf zwei Jahre angelegten Mission unter anderem Atomuhren und neue, speziell für Galileo entwickelte Signalgeneratoren testen. Zudem soll er die Frequenzen sichern, die Galileo von der Internationalen Fernmeldeunion zugeteilt wurden. Die Signale müssen bis Juni erfolgreich im All ausgestrahlt werden.

150.000 Arbeitsplätze durch Galileo

Galileo wurde auf Initiative der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation Esa entwickelt. EU, Esa und ein privates Betreiberkonsortium investieren in den kommenden Jahren rund 3,5 Milliarden Euro in den Aufbau des zivil ausgerichteten Navigationssystems. Deutschland beteiligt sich an der bis 2008 laufenden Entwicklung und Erprobung mit rund 20 Prozent der insgesamt 1,1 Milliarden Euro Gesamtkosten. An dem Projekt sind außerdem China, Indien, Israel, Marokko, Saudi-Arabien und die Ukraine beteiligt. Es soll allein in Europa mehr als 150.000 Arbeitsplätze schaffen.

"Giove A" soll ab Mitte Januar Navigationssignale zur Erde senden. Der nahezu würfelförmige Satellit hat ein Startgewicht von rund 600 Kilogramm und erreicht nach der Entfaltung von zwei Sonnenkollektoren eine Spannweite von 4,5 Metern. Im Frühjahr soll ein zweiter Testsatellit, "Giove B", ins All starten. Bis 2008 sollen insgesamt vier Satelliten die Erde umkreisen und eine erfolgreiche Testphase sicherstellen.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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