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Sorgerechts-Urteil aus Straßburg Ein Freudentag für ledige Väter


Der europäische Gerichtshof hat die Rechte von ledigen Vätern gestärkt. Das hatte stern.de-Redakteur Christoph Schäfer scharf kritisiert. Hans Peter Schütz las und wurde zornig - hier seine Replik.

Wo nur lebt der Kollege, der das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte über die Rechte von Vätern nichtehelicher Kinder als historische Fehlentscheidung bezeichnet hat? Offenbar noch im Kaiserreich, wo es allererste Frauenpflicht war, Soldaten für den Weltkrieg zu gebären. Wo die Väter gezwungen waren, diese Kinder mit Frauen großzuziehen, mit denen sie außer dem Geschlechtsakt nichts verband. Wo Ehen im Extremfall einem Gefängnis mit zwei Pritschen glichen, weil Scheidung als gesellschaftliches Versagen betrachtet wurde.

Verräterisch für den Geist, der das Urteil "Fehlentscheidung" hervor brachte, ist auch die abfällige Bemerkung, wie die Republik es wagen konnte, mit Kristina Köhler eine ledige, kinderlose Familienministerin zu berufen. Schlimmer noch: eine Frau, die sich für mehr Rechte gleichgeschlechtlicher Partnerschaft eingesetzt hat. Fehlte nur noch, dass die Kanzlerin für ihren Job ungeeignet ist, weil kinderlos. Und der Außenminister aus dem Amt gejagt gehörte, weil gleichgeschlechtlich liebend.

Nein, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs war längst überfällig und kein "Torpedo auf die Verlässlichkeit der Ehe". Zu begrüßen ist, dass die neue Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sich unverzüglich daran machen will, das Urteil umzusetzen und per Gesetzentwurf die Rechte lediger Väter stärker zu berücksichtigen. Und wir stimmen vorbehaltlos der "Süddeutschen Zeitung" zu, die jubelte, dass für nichtehehliche Väter das Weihnachtsfest in diesem Jahr schon Anfang Dezember fällig sei.

Andere Lebenswirklichkeit

Das Leben unserer Gesellschaft läuft schon Jahrzehnte nicht mehr so, wie es die ultrakonservative kaiserliche Gesellschaft und das NS-Regime einst gewünscht und teilweise mit Menschenverachtung durchgesetzt haben. Gott sei Dank!

Der Trauschein ist nun einmal keine Ewigkeitsgarantie für eine Beziehung. Ehen zerbrechen, auch wenn am Tage der Hochzeit die Beteiligten auf Wolken schweben. Und keiner denkt daran, dass er damit vielleicht lediglich eine zeitlich befristete Zweckgemeinschaft entert, die übermorgen schon wieder wegkippen kann. Der Staat und seine Justiz haben die Pflicht, die Scherben einer zerbrochenen Ehe daher wenigstens so weit zu entschärfen, dass sie nicht noch den Rest des Lebens Schnittwunden bei den Betroffenen verursachen - vor allem bei den Kindern gescheiterter Ehen.

An die Kinder denken

Sie sind doch die Hauptopfer von Scheidungen. Oft genug materiell, aber auch seelisch. Etwa dann, wenn die Mutter sich an dem Mann, der sie verlassen hat, rächt, indem sie ihm jeden Umgang mit dem Kind verweigert. Das ist bis heute rechtlich möglich und hier muss ein neues Sorgrecht her, das diesen Missstand beseitigt. Es geht ja nicht nur darum, ob ein Kind seinen geschiedenen Vater noch ab und an umarmen darf. Es geht auch darum, dass diese Kinder, die im Rachefeldzug als Kampfobjekt herhalten müssen, oft genug um eine glückliche Kindheit und später auch um schulische Bildung gebracht werden. Es muss daher möglich sein, dass die Väter - auch gegen den Willen der Mutter - Zugang zum gemeinsamen Kind bekommen.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Kritiker dieser Sachlage auch noch vor der so genannten "Herdprämie" der CSU andachtvoll in die Knie gehen. Dass sich alle Pädagogen einig sind, dass Kinder sozial benachteiligt werden, denen man den Krippenbesuch vorenthält, scheinen sie energisch zu verdrängen. Könnte es sein, dass sie gedanklich lieber ausrechnen, wie viele Kästen Bier man von 150 Euro Herdprämie kaufen könnte?

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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