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Internationale Raumstation: Geräusch-Allergie legt Bordcomputer lahm

Die ISS-Crew hat nach dem Defekt am Hitzeschild der "Atlantis" mit einem neuen Problem zu kämpfen: Drei Bordcomputer haben sich abgeschaltet, weil ihnen die Geräusche zu viel wurden. Für die Astronauten könnte das einen weiteren Tag im All bedeuten.

Nach der schweren Computerstörung an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) hofft die Nasa, die IT-Systeme mit einem Neustart wieder funktionsfähig zu machen. Die russischen Computer hätten sensibel auf Geräusche reagiert und sich automatisch abgeschaltet, sagte ISS-Flugdirektor Mike Suffredini im Nasa-Kontrollzentrum in Houston. Die Geräusche wurden wahrscheinlich durch elektromagnetische Felder von Geräten ausgelöst. Vergleichbar sei das etwa mit dem "Fiepen", das ein Handy neben einem Fernseher auslöst. Die Störungen wurden nach Angaben der Nasa vermutlich verursacht, nachdem für den Anschluss eines neuen Sonnensegels auch neue Stromkabel in der Station verlegt worden waren. Vor dem Neustart sollen die Stromleitungen abgeschaltet werden.

Störung ist bislang einmalig

Nachdem die drei russischen Computersysteme immer wieder sporadisch funktionierten, gehen sowohl die Nasa als auch die russische Raumfahrtbehörde davon aus, das Problem in den kommenden Tagen zu lösen. Russischen Technikern gelang es nach mehreren Stunden, die Kommunikation mit den Rechnern zu erneuern, die volle Funktionsfähigkeit der Systeme konnte zunächst aber noch nicht wiederhergestellt werden.

Die Computer wurden innerhalb des Daimler-Benz-Konzerns für die Europäische Weltraumbehörde Esa entwickelt. Sie sind dafür zuständig, die Lage der Station in der Erdumlaufbahn sowie die Sauerstoff- und Wasserversorgung zu steuern. Die Störung sei zwar bislang einmalig, gebe aber noch keinen Anlass, um eine Evakuierung der Station in Erwägung zu ziehen, sagte der stellvertretende Nasa-Direktor Bill Gerstmeier.

Strom sparen auf der "Atlantis"

Die Nasa hat allerdings damit begonnen, in ihrer Raumfähre "Atlantis" Energie zu sparen. Beispielsweise würden über Nacht der Roboterarm und alle nicht notwendigen Systeme ausgeschaltet, sagte Shuttle-Flugdirektorin Cathy Koerner. Damit solle genug Energie gespart werden, damit die Raumfähre im Ernstfall einen Tag länger an der ISS angedockt bleiben könne. Auch die für die ISS vorgesehenen Sauerstoffvorräte würden nicht entladen.

Mit Hilfe der russischen Bordcomputer wird die ISS unter anderem auf Kurs gehalten. Wenn Korrekturen notwendig sind, geben diese Computer die Befehle zum Zünden der russischen Raketentriebwerke. Die Raumstation muss möglichst stabil um die Erde kreisen, damit sich unter anderem die Solarpaneele nach der Sonne ausrichten können und genug Energie liefern.

"Atlantis"-Schaden tritt in den Hintergrund

Der Ausfall der russischen Bordcomputer hat die Beschädigung an der "Atlantis" nahezu zu einer Lappalie werden lassen. Der Nasa-Astronaut Danny Olivas soll die abgeknickte und nach oben stehende Ecke einer Isoliermatte wieder in Form bringen. Er wird dazu ein Klammernahtgerät benutzen und wie bei der Behandlung einer langen Schnittwunde die beschädigte Isoliermatte mit der daneben liegenden zusammenklammern. Olivas habe dies den ganzen Tag über auf der Raumstation geübt, sagte Flugdirektorin Koerner.

Während des sechseinhalb Stunden langen Außeneinsatzes sollen Olivas und sein Kollege Jim Reilly außerdem dabei helfen, ein störrisches Sonnensegel vollständig einzuholen und in einer Box zu verpacken.

Wegen der Reparatur einer gelockerten Stelle am Hitzeschild der Raumfähre wurde die Reise bereits um zwei auf 13 Tage verlängert. Sieben Astronauten sollen nach bisheriger Planung am 19. Juni die ISS verlassen, um zur Erde zurückzukehren. Drei Besatzungsmitglieder sollen an Bord der Raumstation zurückbleiben.

AP/DPA / AP / DPA
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