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Neue Planeten: Tumult im Sonnensystem

Wissenschaftler entscheiden darüber, ob die Planeten unseres Sonnensystems drei neue Kollegen bekommen: Zur Debatte stehen Ceres, Charon und Xena. Doch die neue Planeten-Definition könnte Pluto seinen Planetenstatus kosten.

Drei neue Mitglieder in unserem Sonnensystem sollen bei der Vollversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Prag in die Gemeinschaft der bisher neun Planeten aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um den Planetoiden Ceres, der die Sonne im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter umkreist, den bisherigen Pluto-Mond Charon, der dann Dank seiner Größe selbst die Definition eines Planeten erfüllt, und das vor drei Jahren jenseits der Plutobahn aufgespürte Objekt 2003 UB313 - von seinen Entdeckern nach der Heldin einer Fantasy-Fernsehserie Xena getauft.

Das Komitee hat eine neue Definition des Begriffs "Planet" vorgeschlagen. Notwendig geworden war die neue Definition, nachdem immer mehr Himmelskörper im Sonnensystem entdeckt wurden, die zum Teil größer als der Planet Pluto sind. Damit die neue Definition verbindlich gültig wird, müsse nun noch die IAU-Hauptversammlung dem Vorschlag des Komitees zustimmen, berichtet die Vereinigung in einer Erklärung.

Die ursprüngliche Definition wurde etwas abgeändert und in vier separate Resolutionen aufgeteilt, die einzeln zur Abstimmung stehen. Ob und in welcher Form das Planetensystem bei Annahme einer oder mehrerer Resolutionen erweitert wird, will die IAU im Anschluss an die Abstimmung erläutern, wie Sprecher Lars Christensen ankündigte.

Wird Pluto Prototyp einer neuen Klasse von Himmelsobjekten?

Die Resolutionen 5A und 5B definieren klassische Planeten als Himmelskörper, die die Sonne umkreisen, ausreichend Masse haben, damit die eigene Schwerkraft sie zu annähernd kugelförmiger Gestalt (hydrostatisches Gleichgewicht) zusammenzieht, und ihre Nachbarschaft (von anderem kosmischen Material) freigeräumt haben. Die acht klassischen Planeten unseres Sonnensystems sollen demnach Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sein.

Ein Zwergplanet ist den Resolutionen zufolge ein Himmelskörper, der kein Mond ist und dieselben Bedingungen erfüllt wie ein klassischer Planet, ohne jedoch seine kosmische Umgebung freigeräumt zu haben. Alle übrigen Objekte, die die Sonne umkreisen, sollen künftig als Kleinkörper des Sonnensystems ("Small Solar System Bodies") bezeichnet werden.

Glauben Sie, dass Plutos Planetenstatus aberkannt wird?

Die Resolutionen 6A und 6B legen Pluto, der nach der obigen Definition ein Zwergplanet ist, als Prototyp einer neuen Klasse von Objekten jenseits der Neptunbahn fest, die künftig als plutonische Objekte ("plutonian objects") bezeichnet werden. Die ursprüngliche Bezeichnung als Plutons wurde nach Widerspruch vor allem aus der Gemeinde der Geoforscher, die den Begriff bereits anderweitig verwenden, fallen gelassen.

Der sonnennächste der möglichen neuen Planeten ist Ceres, der größte Vertreter des zwischen Mars und Jupiter gelegenen Asteroidengürtels. Er wurde bereits im Jahr 1801 entdeckt und galt bisher als Planetoid oder Asteroid. Da er deutlich kleiner ist als die acht klassischen Planeten, schlägt die IAU vor, ihn zur Abgrenzung als Zwergplanet zu bezeichnen.

Die anderen beiden Kandidaten, Charon und Xena, befinden sich genau wie Pluto jenseits des Neptun. Charon, der bislang als Plutomond galt, bildet dabei zusammen mit Pluto ein Doppelplanetensystem.

Europa, Titan und Luna haben keine Chance auf Beförderung

Andere große Monde unseres Sonnensystems wie Europa, Titan oder der Erdmond Luna werden dagegen auch in Zukunft nicht als Planeten bezeichnet, da der Massenschwerpunkt, um den sie sich bewegen, innerhalb ihrer Mutterplaneten liegt. Bei Pluto und Charon befindet er sich zwischen den beiden Himmelskörpern.