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Mal kurz die Welt retten, Teil VII: Kleidung, für die niemand sterben muss

Ob billiges No-Name-Shirt oder teurer Markenschuh: Viele unserer Klamotten werden unter zweifelhaften Bedingungen produziert. Woran Sie erkennen können, ob ein Kleidungsstück fair hergestellt wurde.

Von Daniel Bakir

Es waren schlimme Bilder, die uns im Frühjahr aus Bangladesch erreichten. Mehr als 1100 Menschen starben in den Trümmern der Textilfabrik Rana Plaza in Dhaka. Hier ließen internationale Bekleidungsfirmen zu Billiglöhnen fertigen. Um die Sicherheit der Arbeiter scherten sie sich nicht. Mittlerweile haben sich 70 Konzerne in einem Abkommen verpflichtet, künftig auf Brandschutz in den Nähfabriken zu achten. Ob das fruchtet, bleibt abzuwarten.

Denn Rana Plaza ist ein extremer Fall, aber kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu Unfällen, nicht nur in Bangladesch. Und wenn mal eine Zeitlang nichts passiert, so kaschiert das nur die dauerhaft schlechten Arbeitsbedingungen in der fernöstlichen Textilindustrie. Das ist der Preis, den wir zahlen, wenn wir hier im Westen günstig Klamotten shoppen gehen.

Im Grunde weiß ja auch jeder, dass bei Fünf-Euro-Shirts nicht viel bei der Näherin hängen bleiben kann. Doch woran kann man sich als Käufer wirklich orientieren, wenn man solche Ausbeutung nicht länger unterstützen will? Denn der Preis allein ist es nicht. Schließlich können auch teure Kleidungsstücke mit ausbeuterischen oder umweltschädlichen Methoden zustande gekommen sein. Eine Möglichkeit sind Label, die bestimmte soziale oder ökologische Standards garantieren.

Textiler Label-Dschungel

Davon gibt es allerdings viele. Vom Produktsiegel, das sich ein Unternehmen selbst gibt, um eine grüne Linie besser verkaufen zu können bis zum Hochstandard-Siegel, vergeben von unabhängigen Nichtregierungsorganisationen. Zudem beziehen sich die Siegel auch auf ganz unterschiedliche Aspekte: So legen manche den Fokus auf ökologische Kriterien: Ist die Baumwolle Bio? Das Saatgut genmanipuliert? Kommen umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz? Andere Label betonen eher soziale Kriterien, vor allem Löhne und Behandlung der Arbeiter. Um einschätzen zu können, welche Versprechen hinter welchem Label stehen, muss man sich schon gut auskennen.

Einen guten Überblick bietet die Christliche Initiative Romero mit ihrer Broschüre Wearfair, in der 29 Textil-Siegel und ihre Versprechen geprüft werden. Die höchsten Sozialstandards garantiert demnach das Label der Fair Wear Foundation, die höchsten Öko-Standards stecken hinter dem Siegel IVN Best Naturtextil. Auch die Bio-Label von C&A und H&M rechtfertigen ein gutes Gewissen in Sachen Umwelt. Die Sozialstandards der Unternehmen sind allerdings seit Langem umstritten.

Unternehmen auf der Blacklist

Wer nicht erst im Laden nach fummeligen Labels suchen will, kann sich auch vorab informieren, wie die Kleidungsfirmen grundsätzlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung umgehen. Einen solchen Firmencheck - von Benetton bis Wrangler - gibt es beispielsweise auf der Homepage der Clean Clothes Kampagne, einem internationalen Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen.

Auch die Christliche Initiative Romero hat eine Reihe von Modefirmen unter die Lupe genommen, die explizit mit ihrem grünen Image werben - vom kleinen Kölner Label Armed Angels bis zum bekannten Ökomodenversandhändler Hessnatur. Die Ergebnisse der Untersuchung sind hier zu finden.

Grüne Listen

Zum gezielten ethisch-korrekt Shoppen bieten sich auch die grünen Listen der Modebloggerin Kirsten Brodde an. Sie hat auf ihrer Internetseite konkrete Adressen von Läden zusammengetragen, die Fairness und Modebewusstsein zusammenbringen. "Es gibt mittlerweile eine Vielzahl grüner Label, bei denen man sich gut einkleiden kann", sagt Brodde. "Der Preis ist nicht H&M oder Kik. Aber es ist auch nicht teurer als konventionelle Markenware."

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