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Maryam Mirzakhani: Mathematik ist wie Romanschreiben

Maryam Mirzakhani hat für ihre Forschungen in der Mathematik die Fields-Medaille gewonnen. Die Wissenschaftlerin ist in ihre Arbeit verliebt und vergleicht es mit dem Schreiben von Romanen.

Maryam Mirzakhani hat als erste Frau die Fields-Medaille gewonnen

Maryam Mirzakhani hat als erste Frau die Fields-Medaille gewonnen

Die dreijährige Tochter von Maryam Mirzakhani hält ihre Mutter für eine Malerin. "Oh, Mama malt wieder", ruft das Mädchen, wenn Mirzakhani stundenlang auf dem Fußboden hockt und riesige Blätter Papier bekritzelt. Dabei grübelt die 37-Jährige jedoch über hochkomplexen mathematischen Fragen. Für ihre Arbeit hat die gebürtige Iranerin als erste Frau die Fields-Medaille verliehen bekommen. Die Internationale Mathematische Union zeichnete Mirzakhani für ihre Arbeit mit dem Nobelpreis der Mathematik aus.

"Ich war nicht immer begeistert von Mathematik. Ich habe gern Romane gelesen und wollte eines Tages eine Schriftstellerin werden", sagt Mirzakhani in einem Youtube-Video über ihre Kindheit. Zudem hielt ein Lehrer sie anfangs nicht für besonders talentiert und nahm ihr das Selbstvertrauen. "Ich verlor das Interesse an der Mathematik", sagt Mirzakhani dem Portal wired.com. Ein neuer Lehrer im folgenden Jahr erkannte ihre Fähigkeiten, und das Mädchen wurde ein Star an ihrer Schule. "Ich fand es spannend, als eine Herausforderung. Aber dann habe ich festgestellt, dass es wirklich schön ist und mir Spaß macht."

Hyperbolische Oberflächen als Leidenschaft

Im Alter von 17 Jahren gewann Mirzakhani für das iranische Team eine Goldmedaille bei der Mathe-Olympiade. Sie entdeckte ihre Fähigkeiten und verliebte sich. "Man muss viel Energie und Mühe investieren, um die Schönheit der Mathematik zu sehen." Ihre Leidenschaft sind hyperbolische Oberflächen, Moduln und dynamische Systeme. Mathematik wird als die Sprache der Natur bezeichnet. Auch für Mirzakhani fühlt sich das Forschen in der Mathematik an, als würde sie einen Roman schreiben. "Es gibt verschiedene Charaktere und man lernt sie besser kennen", sagt sie. "Dinge gehen voran und wenn man auf einen der Charaktere zurücksieht, ist er ganz anders als beim ersten Eindruck."

Mirzakhani, die heute an der US-Universität Stanford in Kalifornien lehrt, beschreibt sich als langsam. Während andere Mathematiker eine Aufgabe nach der anderen lösen, beschäftigt sie sich jahrelang mit tiefgreifenden Fragen. "Nach Monaten oder Jahren sieht man sehr unterschiedliche Aspekte" eines Problems, sagt sie. Mit manchen Aufgaben hat sich Mirzakhani mehr als zehn Jahre beschäftigt.

Mathematiker mit leuchtenden Augen

"Mein Hauptinteresse sind Strukturen, die man auf eine Oberfläche setzen kann", sagt Mirzakhani. "in berühmtes Beispiel ist der Billardtisch. Wenn man von einem Punkt startet, den Ball anstößt, und er trifft die Banden, ohne stehenzubleiben, will man den Verlauf seiner Bahn sehen. Deckt sie den gesamten Tisch ab?" Ihr Kollege Benson Farb von der Universität Chicago hält die Frage für das Theorem des Jahrzehnts.

Mathematiker beschreiben die Arbeit von Mirzakhani mit leuchtenden Augen. Sie hat einen Ruf, unerschütterlich zu sein und die schwierigsten Aufgaben mit hartnäckiger Ausdauer anzugehen. Ihre Dissertation sei "spektakulär", sagt ihr Kollege Alex Eskin. Sie selbst bleibt bescheiden und wollte zunächst nicht glauben, dass sie die Fields-Medaille erhalten sollte. Als sie die Nachricht per Mail bekam, dachte sie, der Account des Absenders wäre gehackt worden.

Aber nicht nur ihre Fähigkeiten überzeugt sie die Mathe-Welt, auch ihre Begeisterung beeindruckt. Selbst heute noch, sagt der französische Mathematiker Anton Zorich, macht Mirzakhani den Eindruck "eines 17 Jahre alten Mädchens, das total aufgeregt ist, durch all die Mathematik um sie herum."

kas
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