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Archäologie: Die Toten von Stonehenge

Bislang gingen Archäologen davon aus, dass in Stonehenge nur etwa 100 Jahre lang Begräbnisse stattfanden. Doch neue Untersuchungen zeigen: Bereits 3000 vor Christus wurden auf dem Gelände Tote bestattet. Was das über das Gelände, auf dem sich der mysteriöse Steinkreis befindet, verrät.

Im Süden Englands, wenige Kilometer von der Stadt Salisbury, befindet sich eines der berühmtesten Bauwerke überhaupt: Stonehenge. Erbaut wurde der Steinkreis in der Zeit um 2600 vor Christus. Zu welchem Zweck die Menschen der Jungsteinzeit damals riesige Steinblöcke heranschaffen und aufstellten - darüber rätseln Wissenschaftler - und Laien - noch heute.

Bereits in den 50ern entdeckten Archäologen Überreste aus Feuerbestattungen in der Umgebung. Asche und Knochenreste wurden im Museum der Stadt Salisbury eingelagert. Nun bestimmten Forscher erstmals mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung, wie alt die Funde eigentlich sind. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 3030 und 2340 vor Christus. Dieses Ergebnis präsentierten Forscher um Archäologie-Professor Mike Parker Pearson von der Universität Sheffield. Laut dem Leiter des Stonehenge-Riverside-Projekts ging man bisher davon aus, dass in Stonehenge nur etwa 100 Jahre lang Begräbnisse stattfanden. Die neuerliche Erkenntnis lege die Vermutung nahe, dass auch der Steinkreis etwas mit einem Totenkult zu tun haben könnte.

Die Archäologen schätzen, dass in Stonehenge bis zu 240 Menschen beigesetzt wurden - vielleicht die Mitglieder einer damals herrschenden Dynastie. Dies lasse sich aus der Tatsache schließen, dass die Anzahl der Bestattungen im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich zugenommen habe.

Geheimnis weiter nicht gelüftet

"Es war zweifellos ein besonderer Ort, und wer hier bestattet wurde, war vermutlich auch etwas Besonderes", erklärte Parker Pearson, dessen Forschungen von der Gesellschaft National Geographic unterstützt wurden. Das Geheimnis des Steinkreises ist damit allerdings noch nicht gelüftet. Aufschluss verspricht man sich hier von den jüngsten Grabungen eines anderen Archäologenteams, das noch nicht alle Ergebnisse ausgewertet hat. Die Gruppe um Timothy Darvill von der Universität Bournemouth und Geoffrey Wainwright von der Antiquarischen Gesellschaft Großbritanniens wollte vor allem einer Frage nachgehen: Warum war dieser Ort so bedeutsam, dass man über 250 Kilometer riesige Blausteine aus den Preseli-Bergen in Wales herbeigeschafft hat? Ferner wollten die Forscher den Zeitpunkt genauer bestimmen, zu dem die Steine aufgestellt wurden.

Stonehenge gehört zur Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Die Anlage wird von zahllosen Touristen aus dem In- und Ausland besucht. Besonders populär ist sie bei Anhängern der New-Age-Szene, die Stonehenge mit der Kultur der Druiden in Verbindung bringen.

AP/bub / AP