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Cannabis: "Bekifft in der Schule"

Suchtprävention für Kinder und Jugendliche: Seit mehreren Jahren leitet Andrea Rodiek das Hamburger Projekt "Bekifft in der Schule". Im stern.de-Interview erzählt sie, wieso Kinder kiffen und was Eltern und Lehrer unternehmen können.

Frau Rodiek, kiffen Jugendliche, weil sie Probleme haben?

Oft wollen sie nur in ihrer Clique anerkannt werden. Sie müssen gar nicht besonders gestresst sein oder gar Liebeskummer haben, um nach dem ersten Joint zu greifen. Sie eifern den "coolen Vorbildern" in ihrer Klasse nach, die ihr Leben trotz Kiffen geregelt bekommen, die dennoch gute Leistungen bringen.

Manche Jugendlichen probieren einmal und das war es dann, für andere wird es zunehmend mehr eine Alltagsbeschäftigung. Das kann dann eine riskante Angelegenheit werden. Neben gesundheitlichen Risiken bekommen sie zunehmend Probleme, kommen im Unterricht nicht mehr mit, verschlechtern sich in ihren Leistungen oder haben hohe Fehlzeiten. Mit Hilfe unseres Projekts "Bekifft in der Schule"sollen Lehrer qualifiziert werden gefährdete Schüler, frühzeitig zu erkennen.

Wie genau?

Sie sollen einen guten Riecher dafür entwickeln, ob ein Jugendlicher zum Beispiel bekifft in die Schule kommt, darauf achten, ob ein Schüler plötzlich immer sehr schläfrig ist und mit roten Augen zum Unterricht erscheint. Auch auf das soziale Verhalten des Jugendlichen sollten sie ein Auge haben. Und wenn sie einen Verdacht haben, sollten sie mit dem Schüler und auch dessen Eltern reden.

Wie reagieren die Eltern?

Die erschrecken sich verständlicherweise, wenn man sie auf mögliche Drogenprobleme ihres Kindes anspricht. Wir arbeiten eng mit Hamburger Suchtberatungsstellen zusammen und ermutigen Eltern, bei uns oder dort anzurufen oder einen Termin zu vereinbaren.

Worauf müssen Lehrer im Gespräch mit ihren Schülern achten?

Sie sollten offen in das Gespräch gehen, dem Schüler die eigenen Beobachtungen schildern. Und sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Jugendliche gar kein Problembewusstsein hat, dürfen nicht enttäuscht sein, dass der Schüler auch nach der Unterhaltung sein Verhalten nicht sofort ändert. Denn auch wenn zunächst wenig passiert, kann ein solches Gespräch oft etwas anstoßen.

Warum fällt es den Jugendlichen schwer aufzuhören?

Es ist schmerzlich für sie, denn sie wissen oft gar nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, wenn sie nicht mehr kiffen. Das bedeutet vielleicht auch, dass man sich nicht mehr mit der alten Clique treffen kann, Freunde verliert und neue Ideen für sich und seine Freizeit braucht. Dabei unterstützen wir die Jugendlichen. Da dies wichtige Themen für alle Jugendlichen sind, bieten wir in Zusammenarbeit mit den Lehrern Projekte an, in denen man erfahren kann, wie man über Kunstprojekte oder Theater einen anderen Rausch, einen Kick erleben kann. In diesen Projekten können Jugendliche zudem ihre eigenen Grenzen kennen lernen und ihre Persönlichkeit weiter entwickeln.

Interview: Astrid Viciano
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