HOME

INTERVIEW: »Meine Musik ist wie eine Droge«

Marihuanarauchen ist nicht mehr ihr Ding, weil die Figur leidet, wenn man bekifft den Kühlschrank plündert. Die einzige Droge, die Missy »Misdemeanor« Elliott braucht, ist ihre Musik.

Marihuanarauchen ist nicht mehr ihr Ding, weil die Figur leidet, wenn man bekifft den Kühlschrank plündert. Die einzige Droge, die Missy »Misdemeanor« Elliott braucht, ist ihre Musik. Mit ihrem dritten Soloalbum »Miss E...So Addictive« (eastwest) zeigt die bald 30jährige, wo der Hip-Hop-Hammer hängt. Originell und mutig mixt sie Hip-Hop-Stars von Jay-Z bis Eve mit Beats von House bis Trip-Hop, von Indien bis Afrika. Wer wagt, gewinnt: In den USA ist die erste Single »Get Ur Freak On« schon seit 14 Wochen in den Top 5 der Billboard-Charts.

Götz Bühler im Gespräch mit der Künstlerin.

»Ecstasy« ist die momentane Hip-Hop-Droge. Sie haben nicht nur einen Titel namens »X-tasy« in ihrem neuen Album, Sie nennen sich im Titel auch noch »Miss E«.

Ich nehme keine Drogen. Und schon gar kein Ecstasy. Ich rauche sogar seit zwei Jahren kein Marihuana mehr, weil es mich zu unkonzentriert gemacht hat. Außerdem ist es nicht so gut für die Figur, wenn man ständig bekifft den Kühlschrank plündert. Aber meine Musik ist wie eine Droge. Sie macht high, glücklich und frei.

Hilft diese »Droge« auch bei der Produktion der Songs?

Wir haben eine Menge Spaß im Studio. Ich brauche nur genügend Ginger Ale und M&Ms und schon fließen die Ideen wie von selbst. Wir nehmen indische Sitars und Tablas und lassen sie rückwärts laufen. Selbst aus galoppierenden Pferden machen wir noch einen Beat. Meistens gehen wir um 15 Uhr ins Studio und kommen selten vor 9 Uhr morgens heraus. Das geht nur, wenn die Arbeit Spaß macht.

Wie kamen Sie bei dem Song »4 My People« mit Rapperin Eve ausgerechnet auf einen House-Beat? Ist das nicht das rhythmische Gegenteil von Hip Hop?

Ich war eines Abends mit Janet Jackson aus, als ich zum ersten Mal bewusst Techno und House hörte. Ich stehe eigentlich überhaupt nicht auf sowas. Aber an diesem Abend wurde mir klar, dass es da auch gute Sachen gibt. Ich kann Elemente davon nehmen und dazu rappen. Es geht mir darum, Hip Hop mit anderen Musikformen zu mischen. Warum nicht auch mit House? Grenzen in der Musik sind so unnötig.

Auf der Ballade »Take Away« singen Sie davon, mal all den Schmuck abzulegen und für einen Moment nicht an Geld zu denken. Hat sich die Autorin von Mammon-Hymnen wie »Bills, Bills, Bills« und »Why You All'n My Grill (Can You Pay My Bills)« eines Besseren besonnen?

Es gab Zeiten, in denen wir Frauen so genervt von den Männern waren, dass wir eigentlich nur noch ihr Geld wollten. Anstatt jetzt wieder einen bösen Song zu machen, wollte ich versöhnen. Ich dachte an Marvin Gayes »Sexual Healing« oder eine Prince-Produktion wie »Nasty Girl« von Vanity 6. Diese Songs waren offen sexuell, aber trotzdem Mainstream. Es ist wirklich an der Zeit, den Schmuck und das Geld zu vergessen und sich wieder auf die Liebe zu besinnen.

Man sieht Ihnen allerdings an, dass Sie immer noch viel Geld für Schmuck ausgeben.

Ich gebe zu, ich sehe aus wie »Wonder Woman«. Neulich in London mußten wir auf halbem Weg in eine Radioshow umdrehen, weil ich mein dehnbares Armband, den Schlangenring mit Diamanten und den diamantbesetzten Alien-Anhänger an der Halskette im Hotel vergessen hatte. Ohne all das blinkende Zeug fühle ich mich nackt.

Sie haben viel erreicht, produzieren Weltstars, haben ein eigenes Label, verkaufen Millionen von CDs. Haben Sie noch Träume?

Es wird immer Träume geben, die man sich noch erfüllen will. Ich möchte zum Beispiel Filme produzieren. So etwas wie »The Matrix«. Und dann wünsche ich mir natürlich, einmal Musik mit meinem Idol Michael Jackson zu machen. Aber wahrscheinlich hätte ich schon Angst, ihn nur zu treffen. Immerhin habe ich als kleines Mädchen alle seine Songs auswendig gekonnt und jeden Tag Briefe an seinen Fanclub geschrieben.

Mit seiner Schwester Janet haben sie dagegen schon oft zusammengearbeitet.

Aber Janet ist auch ganz anders. Sie geht aus, zeigt sich, feiert mit mir und meinen Freunden. Ich kann mit ihr lachen, tanzen und albern sein. Bei Michael würde ich mir wahrscheinlich nicht mal ein schüchternes »Hi« trauen.