HOME

Das "Mami Buch": Po-Spritze und wasserfeste Wimperntusche

Kann Sex Wehen auslösen? Was passiert, wenn eine ahnungslose Schwangere zu tief ins Glas guckt? Und was ist ein Mekonium? Um diese und andere Fragen geht es in Katja Kesslers "Mami-Buch". Eine Buchbesprechung.

Von Anika Geisler

Warum sollte Folsäure am besten schon vor der Zeugung geschluckt werden? Wie dramatisch ist es, wenn eine Frau, die noch nichts von ihrer Schwangerschaft ahnt, richtig gebechert hat? Müssen die Katzen abgeschafft werden, weil ihr Kot für das ungeborene Kind gefährliche Erreger enthält? Solche Fragen plagen Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere nahezu jeden Tag. "Das Mami-Buch" von Katja Kessler beantwortet sie medizinisch seriös und zudem verständlich. Außerdem erklärt es: Warum eine Schwangerschaft heutzutage rein rechnerisch zehn Monate dauert - und nicht mehr neun wie früher. Ob Sex Wehen auslösen kann. Bis wann Schwangere fliegen dürfen. Oder wie lange eingefrorene Muttermilch haltbar ist.

Quarkwickel und Kohlblätter

Um sich im Dschungel der schwangerschafts- und geburtsspezifischen Medizin-Fremdwörter zurechtzufinden, gibt es unverzichtbare Übersetzungshilfen: Kolostrum = Vormilch, Lochien = Wochenfluss nach der Entbindung, Mekonium = erster Stuhlgang eines Neugeborenen. Und auch die Tricks der Hebammen werden entschlüsselt: "Pucken" bedeutet, das Baby fest in eine Decke zu wickeln, damit es leichter zur Ruhe findet - Hausmittel wie Quarkwickel oder Kohlblätter lindern tatsächlich einen schmerzhaften Milchstau.

Per Du mit der Autorin

Nervig sind dagegen Ausdrücke wie "Popo-Spritze", "Doc" oder "Bauch-TÜV", die der Schulmedizin vermutlich den Schrecken nehmen sollen. Die Verniedlichungstendenz macht auch vor anderen Kapiteln nicht halt: Männer haben einen "kleinen Freund" zwischen den Beinen, Hund und Katze werden zu "Bello und Miezi", und die Brüste zur "Milchbar". Die Leserin ist mit Katja Kessler gezwungenermaßen per Du. Kleine Anregung für die zweite Auflage: Mehr Kritisches, zum Beispiel beim Thema Nabelschnurblut einfrieren lassen. Und noch eine Extra-Runde medizinisches Lektorat, dann sitzen Fachausdrücke wie "Chlamydia trachomatis" (Bakterienart) oder "Pneumologe" (Lungenspezialist) so perfekt wie die wasserfeste Wimperntusche, die die Autorin für den Kreißsaal empfiehlt.

Themen in diesem Artikel