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Interaktive Karte: Mittelalterliche Mord-Karte: Wie gefährlich waren Londons Straßen im 14. Jahrhundert?

Gewalttätige Geistliche, mordende Musiker und dreiste Diebe: Ein interaktiver Stadtplan des mittelalterlichen London zeigt, wo und wann in der britischen Metropole gemordet wurde. Und das passierte erschreckend oft.

Im mittelalterlichen London konnte man auf vielfältigste Art zu Tode kommen

Im mittelalterlichen London konnte man auf vielfältigste Art zu Tode kommen

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Jeder, der sich auch nur ein bisschen für Geschichte interessiert, wünscht sich manchmal eine Zeitmaschine. Wie war das Leben damals wirklich? Welche Probleme hatten normale Durchschnittsmenschen im Mittelalter? Einen beachtlichen Gefallen in diese Richtung tat nun der Wissenschaftler Manuel Eisner, stellvertretender Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Cambridge, allen Geschichtsfans: Er bastelte einen interaktiven Stadtplan, der zeigt, wie gefährlich welche Londoner Straßen im Mittelalter waren.

Morde in der mittelalterlichen Metropole

Untersucht wurden die erhaltenen Aufzeichnungen von mittelalterlichen Ermittlern. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, also die Zeit von 1300 bis 1350. Für diese Zeit fanden sie Belege für 142 Mordfälle und trugen alle gewissenhaft in eine historische Straßenkarte der englischen Hauptstadt ein.

Dieser Link führt Sie direkt zur interaktiven Karte. Wenn Sie mit der Maus über einer Markierung ausharren, werden Ihnen Informationen (in englischer Sprache) zu den einzelnen Fällen angezeigt.

Die Fälle sind so unterschiedlich, wie es heutige Verbrechen auch sind. Manche sind tragisch – im November 1300 etwa starb eine Frau, nachdem ein erboster Geschäftspartner ihres Mannes sie brutal in den Unterleib getreten hatte. Manche klingen wie guter Krimi-Stoff – etwa der Eintrag aus dem Jahr 1338: "Furchtbarer Mord an John of Chartres". Der Fall blieb ungeklärt, verdächtigt wurde aber ein Paar, das wohl mit John gemeinsam einen Diebstahl begangen hatte und die Beute für sich allein wollte. Und wieder andere Fälle wären lustig, wenn sie nicht jemanden ganz im Ernst das Leben gekostet hätten: "Straßenmusiker wurde von genervtem Anwohner zum Schweigen gebracht" heißt es über einen Vorfall aus dem Jahr 1323.

An diesen Orten wurden im mittelalterlichen London Morde verübt.

An diesen Orten wurden im mittelalterlichen London Morde verübt.

Mehr als die Hälfte aller Morde passierte auf öffentlichen Plätzen oder in belebten Straßen. Meist kamen lange Messer zum Einsatz (in 35 Prozent der Fälle), ein Großteil der Opfer starb an Stichwunden im Kopfbereich. Die Mehrzahl der Taten wurde von Männern verübt, die Mörder stammten aber aus allen gesellschaftlichen Schichten und Berufszweigen. Sogar ein Priester wurde zum Killer, nachdem er beim Diebstahl von Äpfeln erwischt worden war ...

Die Täter waren meist Männer, reiche wie arme

Zwar klingen 142 Morde in 50 Jahren nicht besonders viel für eine Großstadt – man muss aber bedenken, dass London im Jahr 1350 nur etwa 50.000 Einwohner hatte und nicht, wie heute, mehr als acht Millionen. Somit sei es dort "ziemlich tödlich" gewesen, urteilen die Wissenschaftler um Manuel Eisner: Die Mordrate lag fast 20 Mal höher als in einer modernen britischen Stadt heutzutage.

Die Ursachen fasst Eisner zusammen: "Die Geschehnisse, die von den Ermittlern aufgeschrieben wurden, zeigen, dass Waffen stets in Reichweite waren, die männliche Ehre verteidigt werden musste und Konflikte schnell außer Kontrolle gerieten. Wir bekommen einen ziemlich detaillierten Eindruck, wie Mordfälle in den mittelalterlichen Alltag in Städten integriert waren." Und auch, wenn die damaligen Kriminalisten ("Coroner", der Titel hatte früher aber eine andere Bedeutung als das heutige "Gerichtsmediziner") fast immer Verdächtige mit plausiblen Motiven feststellen konnten, gelang diesen erschreckend oft die Flucht aus der Stadt. Ob sie aber Jahre später vielleicht doch noch gefasst wurden, geht aus den Aufzeichnungen womöglich schlicht nicht hervor.

Quellen: Open Culture / University of Cambridge, Violence Research Centre

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