Medical Wellness Zwischen Wellness und Wellnepp


Medical Wellness - das ist die Kombination aus kompetenter medizinischer Vorsorge und Erholung. Im besten Fall. Doch oft genug ziehen schwarze Schafe den Gästen das Geld aus der Tasche. Wie umgeht man die Wellnepp-Falle?
Von Silke Haas

Medical Wellness - man könnte meinen, der Begriff sei wieder einmal aus Amerika herübergeschwappt. Doch es ist eine deutsche Schöpfung, sagt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellnessverbandes. Hertel hat den Begriff Medical Wellness auf einer Tagung 1997 geprägt. Eine Tatsache, die er im Nachhinein manchmal bedauert.

Eigentlich wollte Hertel für den Verbraucher Licht in den Dschungel der Wellnessbetriebe bringen, sagt er. Qualitäts-Standards setzen: Wer Medical Wellness bucht, sollte sicher sein, eine perfekte Kombination von Medizin und Wellness zu bekommen. Doch oft genug entpuppen sich die Angebote als Mogelpackung.

Ein Wust oft überteuerter Leistungen

Anfang der 90er brachten deutsche und österreichische Hoteliers das "Wellness-Hotel" in die Kataloge. Um die Nachfrage ihrer Häuser anzukurbeln, stellten sie das körperliche Wohlbefinden ihrer Gäste in den Mittelpunkt des Aufenthalts. Die Gäste sollten in den Häusern fortan nicht nur essen und schlafen, sondern es sich gut gehen, sich verwöhnen lassen. Mit Sekt und Sauna, Massage und Maniküre: Wellness. Ein neuer Trend war geboren.

Diesem folgten vor allem drei Hoteltypen: Sporthotels, Schönheitsfarmen und Kurhotels. Unter demselben Namen - Wellness - warben sie mit ihren jeweiligen Schwerpunkten um die Gunst und den Geldbeutel der Gäste. Sporthotels mit körperlicher Fitness. Schönheitsfarmen mit perfektem Aussehen. Kurhotels mit medizinischer Vorsorge und Rehabilitation. Wellness war ein wilder Wust willkürlicher und oft überteuerter Leistungen.

Hertel prägte den Begriff Medical Wellness, um die Hotels hervorzuheben, die Wellness-Behandlungen auf medizinisch fundierter Grundlage anbieten. "Denn Wellness ist nicht mit 'well-being' - Wohlbefinden - gleich zu setzen", betont Hertel. Der Deutsche Wellnessverband definiert Wellness als genussvoll gesunde Lebensweise. "Medical Wellness", so Hertel, "sollte ein zuverlässiges Prädikat für ärztliche Kompetenz sein." Jeder Patient sollte sicher sein, dass die ihm verordneten Anwendungen auch wirklich gut für ihn sind.

Dorfmasseur zweimal die Woche angekarrt

Doch Hertel hatte seine Rechnung ohne den Markt gemacht. Gewiefte Werbestrategen griffen den Begriff begierig auf und fortan warben etliche Etablissements mit dem Etikett Medical Wellness. "Da wurde mit medizinischen Massagen geworben und der Dorfmasseur zweimal die Woche aus dem nächsten Ort angekarrt", klagt Hertel. "Das hat auch mit Wellness im klassischen Sinne - als Leitfaden für ein gesündere Lebensweise - nichts zu tun", schimpft er.

Von ärztlicher Untersuchung oder medizinischer Fachkompetenz erst recht keine Spur. Die schwarzen Schafe der Branche zogen mit gesalzenen Preisen den Gästen das Geld aus der Tasche. Hochglanzprospekte versprachen vollmundig Leistungen, die nicht erbracht wurden. Ausgenommen, enttäuscht und frustriert fuhren viele Wellness-Suchenden wieder nach Hause. Hertel fand auch dafür eine passende Bezeichnung: Wellnepp.

Ohne Arzt im Haus droht "Wellnepp"

Der Trend, sich im Urlaub unter professioneller Anleitung um sein seelisches und körperliches Wohlbefinden zu kümmern, verstärkt sich. Die eigene Gesundheit wird immer wichtiger und immer mehr Menschen suchen nach Strategien, nicht krank zu werden. Doch wie vermeidet der Wellness-Suchende die Wellnepp-Falle?

"Augen auf beim Hotelbuchen", rät Hertel. Auf jeden Fall sollte mindestens ein Mediziner mit eigenen Räumen vorhanden sein, der sich um die Gäste kümmert. Er untersucht, verordnet, empfiehlt und kontrolliert. Wichtig ist auch, dass der Arzt Zeit hat und sich vor den körperlichen Untersuchungen mit seinem Patienten unterhält, um die Lebensumstände kennen zu lernen. Arzt und Patient suchen gemeinsam nach Möglichkeiten, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und die Gesundheit zu stärken.


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