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Plastinator von Hagens: Teurer Titel made in China

90 Tagessätze zu je 1200 Euro - insgesamt also 108.000 Euro muss der Plastinator Gunther von Hagens zahlen, weil er einen chinesischen Professoren-Titel ohne Zusatz benutzt hat.

Das Amtsgericht Heidelberg befand den 60-jährigen Plastinator am Dienstag für schuldig, den akademischen Titel der chinesischen Universität Dalian ohne den Zusatz "VRC" (für Volksrepublik China) verwendet zu haben. Deshalb wurde eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu 1200 Euro verhängt - insgesamt 108.000 Euro.

Der Schöpfer der Ausstellung "Körperwelten", in denen präparierte Leichen gezeigt werden, hatte bereits angekündigt, gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen zu wollen. Bei Rechtskraft des Richterspruchs wäre von Hagens nicht vorbestraft.

Mit dem nach mehrtägigen Verhandlungen gefällten Urteil blieb das Gericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Von Hagens Verteidiger hatten Freispruch beantragt, er selbst hatte sich vor Gericht gerechtfertigt: "Ich bin kein Hochstapler. Ich habe die drei Professor-Titel in Kirgisien, China und den USA nicht bekommen, weil ich titelsüchtig bin, sondern eine ordentliche Forschungsarbeit mache."

Das Amtsgericht Heidelberg hatte gegen den Anatomen Anfang 2004 und 2005 wegen Titelmissbrauchs zwei Strafbefehle über zusammen 312.000 Euro erlassen. Dagegen hatte er Einspruch erhoben. Staatsanwältin Andrea Gibis sagte in ihrem Plädoyer, von Hagens sei zu keinem Zeitpunkt die Genehmigung erteilt worden, den chinesischen Professoren-Titel ohne Zusatz "VRC" zu verwenden. In den Jahren 2002 bis 2003 hatte von Hagens unter anderem mehrere Briefe und eine eidesstattliche Versicherung mit dem Titel "Professor Dr. med." versehen.

Reuters / Reuters
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