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Römer-Schlachtfeld in Niedersachsen: Münzen verraten den Zeitpunkt der Schlacht

Auf dem im vergangenen Jahr entdeckten Römer-Schlachtfeld im Kreis Northeim stoßen die Archäologen ständig auf neue Funde. Inzwischen wissen sie auch, wann dort Germanen gegen Legionäre kämpften - den Zeitpunkt verraten einige römische Silbermünzen.

Irgendwann um das Jahr 230 nach Christus: Germanische Krieger haben sich am Harzhorn verschanzt. Auf dem Höhenzug im heutigen niedersächsischen Kreis Northeim wollen sie ein römisches Heer abfangen, das auf dem Rückmarsch von einem Feldzug nach Germanien den Pass Richtung Süden überqueren muss. Den Hunger bekämpfen die Krieger mit Schweinefleisch vom Holzkohlegrill. Ihre Vorräte bewahren sie in Keramikgefäßen auf. Doch die Römer schießen die Stellung Dank ihrer besseren Waffentechnik mit Katapultgeschossen sturmreif und erobern schließlich die Anhöhe.

"Noch ist dies ein Gedankenmodell", sagt Michael Meyer. Doch nach der ersten Sondierungsgrabung, die der Archäologe von der Freien Universität Berlin vorgenommen hat, könnte sich alles genauso abgespielt haben. Mitte März vergangenen Jahres wurde das Schlachtfeld im Kreis Northeim gefunden, seitdem arbeiten die Experten dort. Die Entdeckung gilt als wissenschaftliche Sensation, da Archäologen bisher davon ausgegangen waren, dass die Römer sich nach der verlorenen Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus hinter ihren Grenzwall, den Limes, zurückgezogen hatten.

Schlacht fand um das Jahr 230 statt

Die Forscher fanden Scherben eines Keramikgefäßes sowie Reste von Holzkohle und Schweineknochen. Rund um die Stellung lagen Pfeil- und Katapultspitzen der römischen Soldaten und zahlreiche Sandalennägel, die die Legionäre beim Stürmen der Anhöhe verloren haben könnten. Wie viele Römer das Harzhorn erobert haben, sei noch ungewiss, sagte Meyer. Er vermutet, dass es zwei Kohorten gewesen sein könnten, also rund 1000 Mann. Klarheit haben die Wissenschaftler über den Zeitpunkt der Schlacht gewonnen. Das Gefecht habe offenbar um das Jahr 230 nach Christus stattgefunden, sagt Frank Berger, der Münzexperte des Historischen Museums Frankfurt. Das bewiesen neue Funde römischer Silbermünzen.

Die sechs Denare, an verschiedenen Stellen des Schlachtfeldes mit Metallsuchgeräten aufgespürt, wurden in den ersten drei Jahrzehnten des dritten Jahrhunderts geprägt, sagte Berger. Mit den Denaren seien damals die römischen Soldaten bezahlt worden. Ein Denar sei der Sold für etwa zwei bis drei Tage gewesen. Die bei Oldenrode gefundenen Münzen gehörten vermutlich Legionären, die bei dem Gefecht mit den Germanen getötet wurden. Insgesamt haben die Forscher inzwischen 800 Metallgegenstände entdeckt, vor allem römische Waffenteile und Ausrüstungsgegenstände. Zu den jüngsten Funden gehöre aber auch eine germanische Lanzenspitze, sagt Meyer.

Das heute von Wald bedeckte Schlachtfeld ist nach den jüngsten Untersuchungen deutlich größer als zunächst angenommen. Es erstrecke sich in Ost-West-Richtung auf mindestens zwei Kilometer Länge, sagte Northeims Kreis-Archäologin Petra Lönne. Möglicherweise sei es sogar noch größer. Das gesamte Schlachtfeld wissenschaftlich zu erforschen, werde mehrere Jahrzehnte dauern, sagte der niedersächsische Landesdenkmalpfleger Henning Haßmann. Eine Aufgabe, die Meyer offenbar nicht schreckt. Im Gegenteil: "Als Archäologe bekommt man so einen Fund nur einmal im Leben."

DPA

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