Samstag, 11.09.2004 Überblick die erste Operation


Entscheidende Stunden im Leben von Lea und Tabea. So verlief der erste Trennungsversuch.

Samstag, 11.09.2004

Um 07.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) soll die Operation in einer Klink im amerikanischen Baltimore mit dem Entfernen der Expander beginnen. Doch der Start verzögert sich.

Mittags ist es soweit: Die Ärtze beginnen mit der OP. Zunächst sind die plastischen Chirurgen an der Reihe.

14.30 Uhr Ortszeit (20.30 Uhr MESZ): Die Expander sind entfernt, die überschüssigen Hautlappen vernäht. Das Ärzteteam wechselt. Den Mädchen geht es soweit gut.

Am Abend teilt die Klinikleitung mit, dass die OP bisher nach Plan verlaufe. "Die Neurochirurgen haben die als Dura bekannte äußere Hirnhaut geöffnet und beginnen jetzt, die größeren Blutgefäße im Gehirn zu trennen"

23.00 Uhr Ortszeit (05.00 Uhr MESZ): Nachdem es bei einem der beiden siamesischen Zwillingen zu einer instabilen Situation gekommen ist, hat Professor Benjamin Carson, der leitende Neurochirurg der Trennungs-OP von Lea und Tabea, den vorläufigen Abbruch des Eingriffs angeordnet. Zur Begründung für den Stopp nach rund acht Stunden gab die Klinik "Komplikationen mit dem Stoffwechsel" bei der betroffenen Patientin an. Eines der Mädchen habe "unregelmäßige Lebenszeichen" entwickelt. Die Kinder werden die Nacht zum Sonntag nun auf der Intensivstation verbringen. Am Sonntagmorgen amerikanischer Zeit will Carson entscheiden, ob und wie die Operation fortgesetzt wird. "Derzeit sind die Zwillinge stabil", beruhigt das Ärzteteam unter dem Neurochirurgen Benjamin Carson.

Sonntag, 12.09.2004

07.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ): Die Situation der Mädchen soll nun auf der Intensivstation noch einmal genau beurteilt werden, danach soll dann die Entscheidung fallen, ob und wie es weitergeht. Der Neurochirurg Benjamin Carson und die Anästhesistin Deborah Schwengel sagen, der Zustand der Kinder, die zur Zeit auf der Intensivstation versorgt werden, sei die Nacht über stabil gewesen.

09.30 Ortszeit (15.30 Uhr MESZ): Das Team, das am Johns Hopkins Children's Center in Baltimore die Trennungsoperation vornimmt, teilt den Eltern mit, dass der Eingriff für bis zu drei Tage unterbrochen werden müsse. In nun folgenden Untersuchungen soll geklärt werden, ob die physische Stabilität der Zwillinge für eine Fortführung der Operation ausreichend erscheint. Das Team setzt für diese Prozesse sowie für eine Erholung der kleinen Patientinnen einen Zeitraum von maximal 72 Stunden an. Dann werde feststehen, wie die Fortsetzung des Eingriffes erfolgen soll.

Mittwoch, 15.09.2004

20:00 Uhr EST (02:00 Uhr MESZ): Die Trennung der beiden Gehirne von Lea und Tabea geht weiter voran. Da einige Bereiche aber wohl engeren Kontakt haben, als zunächst angenommen, könnte sich der Abschluss der Operation am Johns Hopkins Hospital verzögern.

Sollte alles nach Plan verlaufen, haben die Chirurgen noch eine weitere kritische Aufgabe zu bestehen: die Trennung des zur Zeit noch verbundenen restlichen Venengeflechts der Zwillinge. Verläuft auch diese Phase komplikationsfrei, ist es äußerst wichtig, anschließend die harte Hirnhaut (Dura mater) zu verschließen, da nur so ein Infektionsschutz der empfindlichen Gehirne möglich ist. Im letzten Stadium werden plastische Chirurgen die Köpfe der beiden dann schon separaten Kinder verschließen müssen. Dazu sollen nach der ursprünglichen Planung Knochensegmente aus dem früheren Verbindungsstück der Schädel in den Schläfenbereichen der Mädchen angeschraubt werden. Diese Segmente ragen dann seitlich schützend über die Gehirne und sorgen so dafür, dass die darüber vernähte Haut nicht direkt auf das empfindliche Gewebe drücken kann.

17:30 Uhr EST (23:30 Uhr MESZ): Lea und Tabea geht es immer noch gut. Das Chirurgenteam arbeitet sich weiter zwischen den dicht aneinander liegenden Gehirnen der Mädchen hindurch. Da mit größter Vorsicht vorgegangen werden muss, um Verletzungen des empfindlichen Gewebes und daraus resultierende neurologische Schädigungen der Zwillinge zu vermeiden, verwenden die Ärzte inzwischen auch ein Mikroskop. Sie kommen langsam voran, haben bislang aber offenbar Erfolg bei dem hochkomplizierten Eingriff.

15:30 Uhr EST (21:30 Uhr MESZ): Die Zwillinge sind mit ihrem OP-Gestell wieder mit dem Gesicht nach oben gedreht worden. Obwohl das venöse Gefäßgeflecht noch nicht völlig getrennt worden ist, soll nun offenbar damit begonnen werden, die dicht aneinanderliegenden Gehirne der Mädchen Stück für Stück auseinander zu bringen. Jetzt steht ein sehr heikler Teil der OP an: die Trennung des Geflechtes der Hinterkopf-Blutgefäße.

Um Mitternacht EST (06.15 Uhr MESZ) waren beide Zwillinge getrennt. Nach ausführlichen Wiederbelebungen ist Tabea gestorben. Lea ist auf der Intensivstation und in kritischem, aber stabilem Zustand. Die Ärzte gehen davon aus, dass sie sich erholen wird.


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