Sterbehilfe-Organisation Dignitas gründet Verein in Deutschland


Die Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas hat in Hannover eine Zweigstelle eröffnet. "Das dürfen wir nicht ohne Widerstand hinnehmen", sagt der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospizstiftung.

Begleitet von Protesten hat die Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas in Hannover eine deutsche Zweigstelle gegründet. Man wolle das Selbstbestimmungsrecht des mündigen Menschen durchsetzen, sagte Generalsekretär Ludwig Minelli vor Journalisten. Dignitas berät in der Schweiz Menschen darüber, wie sie ihrem Leben ein Ende setzen können. Politiker, die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann und Verbände sprachen sich gegen aktive Sterbehilfe aus.

Zunehmend reisen nach Worten Minellis Menschen aus Deutschland in die Schweiz, um dort mit Hilfe der "Dignitas" zu sterben. Deutschland dürfe sich nicht aus der Verantwortung ziehen. "Wir werden Politiker informieren und Problemfälle vor Gericht bringen", sagte Minelli, der auch Vorsitzender des deutschen Dignitas-Vereins ist. Die bestehende europäische Rechtslage begründe einen Anspruch auf Freitod. Bislang ist aktive Sterbehilfe nur in den Niederlanden und in Belgien erlaubt.

"Dignitas schlägt den völlig falschen Weg ein"

Mitglieder der Deutschen Hospizstiftung demonstrierten gegen die Gründungsversammlung. "Das dürfen wir nicht ohne Widerstand hinnehmen", sagte der geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch. Entscheidend seien eine gute Sterbebegleitung und eine gute medizinische Versorgung bei der Behandlung unheilbarer Krankheiten, sagte eine Sprecherin des Bundessozialministeriums in Berlin. Jeder könne mit einer Patientenverfügung Regelungen für die Fälle treffen, in denen es nicht mehr möglich sei, Wünsche für eine Behandlung zu äußern.

Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Landesbischöfin Margot Käßmann äußerten sich gemeinsam gegen eine Ausweitung der Sterbehilfe in Deutschland. "Dignitas schlägt den völlig falschen Weg ein", erklärten sie. "Wir brauchen eine starke Palliativversorgung, damit es unserer Gesellschaft gelingt, sterbenden Menschen schmerzfrei und würdevoll in den Tod zu begleiten."

"Es gibt Schranken, die nicht fallen dürfen"

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, der ärztlich begleitete Selbstmord sei nichts anderes als Tötung auf Verlangen, und das sei in Deutschland verboten. Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, warnte "vor der Gefahr, dass damit die Grenzen zur aktiven Sterbehilfe aufgeweicht werden. Es gibt Schranken, die nicht fallen dürfen."

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) dagegen begrüßte die Gründung des Dignitas-Ablegers. "Damit verbreitert sich die Basis der Sterbehilfe-Befürworter in Deutschland", sagte Jürgen Heise von der DGHS Hannover. Er bemängelte, Deutschland sei in der Schmerztherapie "ein Entwicklungsland."

DPA DPA

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