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Studie aus Kalifornien: Büros von Männern sind Bakterien-Biotope

Da mag mancher seine Vorurteile bestätigt sehen: Büros sind einer Studie zufolge stark mit Keimen belastet - besonders, wenn ein Mann am Schreibtisch sitzt. Doch mit Desinfektionsmitteln muss sich niemand bewaffnen.

Von Lea Wolz

Eine Studie zeigt: In Büros von Männern finden sich mehr Keime als in denen von Frauen - da hilft auch Verstecken nichts.

Eine Studie zeigt: In Büros von Männern finden sich mehr Keime als in denen von Frauen - da hilft auch Verstecken nichts.

Die Studienergebnisse dürften in so mancher Firma für Lacher sorgen - oder wahlweise auch für stille Betroffenheit: In den Büros von Männern haben Wissenschaftler mehr Bakterien gefunden als in denen von Frauen. So mancher hatte das wohl schon beim Blick über den Schreibtischrand hinaus geahnt.

Doch zur Entlastung sei gleich gesagt: Es gibt zwei Erklärungen für das Phänomen: Entweder sind Männer tatsächlich die größeren Schmuddelkinder. Sie seien "dafür bekannt, dass sie ihre Hände seltener waschen als Frauen und auch ihre Zähne weniger oft putzen", heißt es in der im Fachmagazin "PloS ONE" veröffentlichten Studie. Oder es liegt weniger an der mangelnden Hygiene als schlichtweg an der Körpergröße, dass sich in den Büros der männlichen Angestellten mehr Bakterien finden. Da Männer im Durchschnitt größer seien als Frauen, hätten sie auch eine größere mit Bakterien besiedelte Hautoberfläche und könnten daher mehr Keime in ihrer Umgebung verteilen, schreiben die Wissenschaftler um Krissi Hewitt von der San Diego State University in Kalifornien.

Tatsächlich stammen die meisten der Bakterien, die die Forscher entdeckten, vom Menschen: Ob auf der Haut, auf den Schleimhäuten von Nase und Mund oder im Darm - der Mensch bildet ein regelrechtes Bakterienreservoir und beherbergt Billionen solcher Keime. Kein Wunder also, dass diese auch in die Umwelt gelangen.

Die Tastatur, ein klebriges Krümelgrab

Für die Studie untersuchten Hewitt und Kollegen 90 Büros in New York, San Francisco und Tucson auf ihre Keimbelastung. Dabei nahmen sie überall Proben von verschiedenen Oberflächen. Ihr Ergebnis: Telefone und Stühle seien am stärksten mit Keimen belastet gewesen, so die Forscher. Auf Schreibtischplatten, Tastaturen und Computermäusen fanden sie in ihrer Studie hingegen weniger Bakterien - auch wenn das gegen Erfahrungswerte sprechen mag. Erinnert doch so manche Computertastatur an ein klebriges Krümelgrab.

Die Zusammensetzung der Bürobiotope unterschied sich allerdings kaum: Die Arbeitsräume von Männern waren mit den gleichen Keimen belastet wie die von Frauen. Zur Beruhigung: Die meisten der mehr als 500 verschiedenen Bakterien, die die Forscher entdeckten, waren harmlos und entstammten der Haut oder den Schleimhäuten. Aber auch Darmbakterien seien in überraschend großer Anzahl vertreten gewesen, so Hewitt. Obwohl manche dieser Keime Krankheiten auslösen können, würden die meisten allerdings nur für Menschen mit einem bereits geschwächten Immunsystem eine Gefahr darstellen, heißt es in der Studie.

Doch noch etwas anderes überraschte die Wissenschaftler: Neben den üblichen Hautkeimen fanden sie auch Bodenbakterien und solche Keime, die eigentlich in heißen Quellen vorkommen. Dies sei ein Beispiel dafür, wie widerstandsfähig solche Bakterien seien und wie gut sie sich weltweit verbreiten könnten, schreiben Hewitt und Kollegen.

Gründliches Händewaschen reicht

"Wir Menschen verbringen immer mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Doch wir wissen noch immer wenig darüber, welche Bakterien und Viren sich dort ausbreiten, wo wir leben, arbeiten und spielen", so Studienleiter Scott Kelley. Die Untersuchung solle dazu beitragen, mehr über die Keimzusammensetzung in gesunden Büros zu erfahren. So könne in Zukunft vielleicht auch mehr darüber herausgefunden werden, warum in manchen 'ungesunden' Büroräumen Erkrankungen gehäuft auftreten.

Doch Büroangestellte dürfte sich eher zeitnah die praktische Frage stellen: Was tun angesichts schmuddeliger Schreibtische und klebriger Tastaturen? Zur übertriebenen Hygiene rufen die Wissenschaftler, deren Studie von einem US-amerikanischen Reinigungsmittelhersteller mitfinanziert wurde, trotz ihrer Ergebnisse nicht auf. Denn auch wenn mancher Kollege es gerne in der Schublade hat: Desinfektionsmittel sind oft überhaupt nicht nötig, da die wenigsten Bürokeime gefährlich sind. In der Regel reichen einfache Hygienemaßnahmen aus: etwa häufiges und gründliches Händewaschen mit Seife.