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Twitter-Trend #Seniorenwort: Schwofen Sie noch oder sind Sie schon fame?

Nach dem Jugendwort des Jahres suchen Twitter-User das Seniorenwort. Sind Sie schon "fame"? Oder doch eher noch dem "Kokolores" und dem "Kaiserwetter" verpflichtet?

Von Dominik Brück

Der #Seniorenwort hält sich seit gestern an der Spitze der Twitter-Trends. In mehr als 7000 Tweets haben Twitter-Nutzer bereits Vorschläge für Begriffe gemacht, die wohl nur noch von der Generation unserer Großeltern benutzt werden. Hintergrund ist die Wahl zum Jugendwort des Jahres, das jährlich vom Langenscheidt-Verlag bestimmt wird. In diesem Jahr machte "Babo", türkisch für "Chef", das Rennen.

Während Begriffe wie "Babo", "gediegen" und "fame" jährlich gekürt werden, fristen ältere Worte wie "Tanztee", "Groschen" und "Zinnober" ein Schattendasein. Aus diesem Grund hat der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch auf seinem Twitter-Account dazu aufgerufen, Vorschläge für typische Seniorenwörter zu posten.

Die Vielfalt der Begriffe überraschte auch den Sprachwissenschaftler:

Einige Wörter wie "Nokia 3210" oder "Telefonzelle" beschreiben einfach den rasanten technischen Wandel. Andere Begriffe wurden mit einer politischen Botschaft verknüpft, so etwa "sichere Rente" oder "privat". In den Tausenden Tweets finden sich aber auch Wörter, die tatsächlich die meisten Jüngeren nur noch aus dem Mund von Oma oder Opa kennen dürften. Wir haben unsere Favoriten zusammengefasst und erklärt, was es mit den Begriffen auf sich hat.

Flittchen

Vielleicht war das Flittchen für unsere Eltern oder Großeltern auch mal ein Jugendwort - 1961 tauchte der Begriff zum ersten Mal im Rechtschreibduden auf. Ein Flittchen wollte aber damals bestimmt niemand sein: Das Wort bezeichnet eine meist junge Frau, die häufig mit verschiedenen Männern sexuelle Beziehungen hat. Heutzutage würde man solche Frauen eher Schlampe oder Bitch nennen.

Kaiserwetter

Obwohl wir schon lange keinen Kaiser mehr haben, gehen Oma und Opa immer noch gerne bei bestem Kaiserwetter spazieren. Auch Demokraten freuen sich über sonniges, wolkenloses Wetter das die Redewendung umschreibt. Zurück geht das Ganze auf den Geburtstag von Österreichs Kaiser Franz Joseph am 18. August, an dem meist strahlender Sonnenschein herrschte. Aber auch dem deutschen Kaiser Wilhelm II. wurde die wundersame Fähigkeit nachgesagt, dass er bei Auftritten für schönes Wetter sorgte.

Kinderstube

Eine gute Kinderstube haben wir hoffentlich alle genossen. Das Wort ist nämlich nicht nur eine alte Bezeichnung für das Kinderzimmer eines Hauses, sondern gilt auch als Begriff für die Erziehung eines Kindes - jedenfalls bevor die Supernanny diese auf die "stille Treppe" verlagert hat.

Fräulein

Was heute als Ausdruck der Geschlechterdiskriminierung gilt, war noch bis in die 1970er die ganz normale Anrede für unverheiratete Frauen. Bei den amerikanischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg erfreuten sich daher auch die "german froileins" größter Beliebtheit. Heute sollte man jedoch lieber die Anrede Frau verwenden - es sei denn man befindet sich in England oder Amerika. Hier wird weiterhin zwischen der verheirateten Mrs. und der unverheirateten Miss unterschieden.

Tüdelig

Sind wir nicht alle manchmal ein bisschen tüdelig? Obwohl das Wort meist von älteren Menschen als Beschreibung für älteren Menschen benutzt wird, ist doch jeder von uns ab und zu etwas unbeholfen - nichts anderes bedeutet der Begriff.

Firlefanz

Überflüssiges oder wertloses Zeug kennen wir heute dank des Internets mehr denn je. Trotzdem ist die Bezeichnung Firlefanz für derartige Sachen schon viel älter. 1888 wurde das Wort zum ersten Mal im Duden erwähnt. Zurück geht der Begriff auf die Bezeichnung eines lustigen Springtanzes - so etwas kennt man wiederum in Zeiten von Youtube und Co. zu genüge.

Piesacken

Niemand lässt sich gerne quälen oder piesacken, wie Oma sagen würde. Schaut man sich die Herkunft des Wortes an, ist das, was unsere Großeltern mit dem Wort beschreiben jedoch harmlos: Ursprünglich bezeichnete der "ossenpesek" (Ochsenziemer) ein Instrument zur schmerzhaften Bestrafung. Eine andere Variante schreibt die Herkunft des Wortes der deutschen Ärztedynastie Pies zu. Piesacken bedeutete nichts anderes, als sich von Pies behandeln zu lassen - besonders angenehm kann das ja nicht gewesen sein.

Stelldichein

Wann wohl Oma und Opa ihr erstes Stelldichein hatten? Heute würde man dazu eher Date sagen, aber es gehört noch immer zu unseren liebsten Beschäftigungen. Das Stelldichein ist dabei nur eine freie Übersetzung des französischen Rendezvous (dt. "begebt euch dorthin"). Aber Vorsicht: In Frankreich bezeichnet Rendezvous nicht nur romantische Treffen. Auch Geschäftstermine werden so genannt - man darf sich also manchmal keine falschen Hoffnungen machen.

Lüstling

"Lassen sie das, sie Lüstling", hat Oma bestimmt auch gegenüber allzu aufdringlichen Männern sagen müssen. Laut Duden hat sie ihren Verehrer dann als jemanden bezeichnet, der in übersteigerter Weise an geschlechtlichen Dingen interessiert ist. Auch wenn viele Frauen das Problem auch heute noch kennen, kommt der Lüstling in der Sprache kaum noch vor - wahrscheinlich würde die Frau von heute andere, weniger höfliche Worte zur Abwehr ihres Verehrers finden.

Kokolores

Besonders Politikern wirft Opa immer öfter vor Kokolores - oder einfach Unsinn - zu reden. Der Begriff stammt wahrscheinlich aus dem Berlin der 1930er Jahre. Hier wurde häufiger Kokain konsumiert, was dazu führte, dass im Rausch ohne Unterbrechung wirres Zeug - oder auch Kokolores - geredet wurde. Eine unschuldigere Variante bringt den Ausdruck mit dem Ruf eines Hahns in Verbindung - welche Geschichte wahr und welche Kokolores ist, weiß man heute nicht.