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Hernán Cortés Mord und Kannibalismus - Zeugnisse des brutalen Kampfes zwischen Konquistadoren und Indios gefunden

Auf dem Boden der Zisternen versteckten die Einwohner die Überreste der Spanier.
Auf dem Boden der Zisternen versteckten die Einwohner die Überreste der Spanier.
© INAH / Commons
1520 wurde eine spanische Karawane von feindlichen Indios geopfert und aufgefressen. Der Konquistador Gonzalo de Sandoval nahm blutige Rache. Er ließ Frauen und Kinder in Stücke hacken.

Im Jahr 1520 nahmen Indianer im heutigen Mexiko eine spanische Karawane gefangen. Im Laufe der nächsten acht Monate opferten sie alle 550 Gefangenen. Die Karawane gehörte ursprünglich zur Streitmacht des Konquistadors Pánfilo de Narváez. Er wurde aus Kuba entsandt, um den eigenmächtig agierenden Hernán Cortés in Mexiko aufzuhalten, wurde von dem aber in Cempoala besiegt. Cortés übernahm die Soldaten von Narváez und dessen Tross aus Hilfskräften und zivilen Begleitern. Cortés blieb der Verlust des von nur wenigen Soldaten begleiteten Trosses nicht verborgen. Er schickte seinen Unterführer Gonzalo de Sandoval, um die Tat zu rächen. Sandoval war eigentlich damit beschäftigt, zwei zerlegte Schiffe über Land zum Texcoco-See zu transportieren.

Er überfiel die Stadt Zultépec quasi nebenher und machte jeden nieder, den seine Soldaten fassen konnten.  Nach drei Jahrzehnten der Forschung geben die Überreste von Zultépec nun ihre letzten Geheimnisse preis, so die Forscher des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH).

Kultische Opferung

Die Stadt wurde von Acolhua bewohnt, sie herrschten über die Gegend. Ihr Kult war dem der Azteken verwandt und ebenso blutig. Die spanische Karawane bestand nicht nur aus Soldaten, es waren auch Frauen und Kinder dabei. Die Europäer wurden von Maya, Tlaxcaltec und Totonac begleitet, die mit den Spaniern verbündet waren. Dazu kamen Kubaner afrikanischer und indigener Abstammung.  Die Gefangenen wurden zunächst in Zultépec gut behandelt. Offenbar wurden sogar die Gebäude dem europäischen Stil angepasst. Doch die Acolhua warteten nur das richtige Datum für die Opferungen ab. "Acht qualvolle Monate" dauerte es, bis alle Gefangenen hingemetzelt waren. Im Januar bis Februar 1521 war der Letzte tot. Die Stätte der kultischen Morde trägt den Namen Tecoaque - "dort, wo sie gegessen wurden". Was darauf hindeutet, dass die Opfer verspeist wurden.  

Dass die Azteken und ihre Verbündeten einem Kult von Menschenopfer anhingen, ist hinlänglich bewiesen.  In Zultépec fand sich allerdings der Hinweis auf kannibalistische Praktiken (Lesen Sie: Grausiges Ritual: Kinder mit einer Krone aus Schädeln beigesetzt"). Enrique Martínez Vargas schrieb in einer früheren Studie, dass die Gefangenen in Gefängniszellen ohne Türen festgehalten wurden. Vor Tagesanbruch wählten die Priester jeweils einige Gefangene aus, die an diesem Tag geopfert werden sollten.

Der Verlust einer so großen Karawane musste die Spanier ohnehin in Zorn versetzt haben. Die rituellen heidnischen Opferungen verschlimmerten die Sache in den Augen der Konquistadoren erheblich. Offenbar ahnten die Bewohner von Zultépec, dass ihre Tat nicht folgenlos bleiben würde. Sie errichteten Mauern, um den Zugang zu Wohngebieten zu versperren. Außerdem versuchten sie, die Überreste der Toten, die sie bereits zu Trophäen verarbeitet wurden, schnell loszuwerden. Knochen und persönliche Gegenstände der Gefangenen wurden in den Zisternen der Stadt gefunden. Der Zeitzeuge Bernal Díaz del Castillo schrieb, dass Sandoval dennoch in einem Tempel zwei Skalpe von Spaniern mit ihren Bärten fand. Daneben die aufgespannten Häute von vier Pferden. In einer Tempelwand war die Inschrift eingeritzt: "Hier lag der unglückliche Juan Yuste mit vielen Kameraden in qualvoller Gefangenschaft." 

Frauen und Kinder als Opfer

Im März 1521 griff Sandoval an, sagte der Leiter der Ausgrabungen, Enrique Martínez Vargas. Seine Männer metzelten jeden nieder, den sie trafen. Offenbar wurde die Stadt nicht wirklich verteidigt. "Einige der Krieger, die in der Stadt geblieben waren, konnten fliehen, aber Frauen und Kinder blieben zurück, und sie waren die Hauptopfer", so Martínez. "Das konnten wir auf einer 120 Meter langen Strecke der Hauptstraße nachweisen, wo die Skelette von einem Dutzend Frauen gefunden wurden, die anscheinend die Knochen von 10 Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren 'beschützten'."

Frauen und Kinder, die zunächst entkommen konnte, wurden von den Spaniern in ihren Schlupfwinkeln aufgespürt und buchstäblich in Stücke gehackt. Bei den Ausgrabungen wurden die abgetrennten Knochen auf dem Boden gefunden.

Nach dem Massaker enthaupteten die Soldaten die Skulpturen der Acolhua-Götter und setzten die Tempel in Brand.

Quelle: Mexico Daily NewsEl Financiero

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