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Archäologie: Aus Zombie-Angst verstümmelten Engländer im Mittelalter ihre Toten

Britische Forscher haben an einem Touristenmagneten einen schrecklichen Fund gemacht. In einem idyllischen Dorf verscharrte man schrecklich verstümmelte Leichen außerhalb des Friedhofes. Die posthumen Verletzungen sollten die Toten in ihre Gräber bannen.

Das verlassene Dorf ist bei Archäologen und Touristen gleichermaßen beliebt, weil die mittelalterlichen Überreste nicht von modernen Gebäuden überbaut wurden. 

Das verlassene Dorf ist bei Archäologen und Touristen gleichermaßen beliebt, weil die mittelalterlichen Überreste nicht von modernen Gebäuden überbaut wurden. 

Lange Zeit wurde das Mittelalter mit dem Beinamen "das finstere" versehen. Offenbar zu Recht. Forscher der Universität von Southampton entdeckten grauenhafte Sitten im England der damaligen Zeit. Offenbar verstümmelte man die Leichen von Toten systematisch, um auf diese Weise die Heimsuchung durch Untote zu bannen.

Aufgegebene Ortschaft

Erforscht wurde eine Sammlung von Knochen aus der Zeit zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert - also während des Hochmittelalters. Darunter befanden sich die Überreste von Kindern, Teenagern und Erwachsenen. Die Toten waren allesamt in Wharram Percy in North Yorkshire aufgewachsen. Das große Grabfeld konnte die Zeit überdauern, weil die Siedlung im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde. Heute sind die Ausgrabungsstätten und die Reste der Kirche ein beliebtes Touristenziel.

Alle Knochen wurden schon in den sechziger Jahren in drei Gruben gefunden, die ineinander übergingen. Sie wiesen deutliche Kerben und Verletzungen auf, die wohl weder von Kämpfen noch von kannibalischen Praktiken stammen konnten.

Posthume Verletzungen

Die Verletzungen an Kopf und Brustkorb sind nach dem Tod der Personen zugefügt worden, so eine gerade im "Journal of Archaeological Science" veröffentlichte Studie. Die Forscher glauben, man habe durch rituelle Wunden versucht, die Toten in ihren Gräbern zu halten. Dabei wurden die Leichen regelrecht verstümmelt. Gliedmaßen wurden abgetrennt, Fleisch und  Knochen verbrannt, die Körper wurden mit roher Gewalt zerschlagen. Der Biologe Simon Mays sagte dem Guardian: "Die These stimmt am besten mit den Funden zusammen: Die Toten aus Wharram Percy wurden verbrannt und verstümmelt, um sie vom Heraufsteigen aus den Gräbern abzuhalten. Wenn das stimmt, wäre das der erste archäologische Nachweis für diese Praxis." 

Offenbar wurden die Leichen kurz nach dem Tod enthauptet und dann verbrannt. Das erinnert an Praktiken in heutigen Zombie- und Gruselfilmen, in denen die Zombifikation durch ähnliche Verletzungen verhindert wird. Im Volksglauben gibt es viele Hinweise auf Wiedergänger, Werwölfe oder Aufhocker. Ein frühes schriftliches Zeugnis findet sich in der isländischen Geschichte vom Grettir der Starkem, der die Bauern im Vatnsdal vom Wiedergänger Glámur befreite. Trotz des Sieges leitet die Begegnung mit dem Untoten den Untergang des unbesiegbaren Grettir ein.

Offenbar war der Glaube an Untote nicht nur eine literarische Erfindung, die Einwohner von Wharram Percy fürchteten die Untoten ebenso. Simon Mays: "Das zeigt uns die dunkle Seite des Glaubens im Mittelalter und erinnert uns deutlich daran, dass die Weltsicht dieser Zeit sich sehr von unserer unterscheidet."

Starben sie friedlich oder wurden sie hingerichtet?

Allerdings wurde nicht jeder Bewohner des Dorfes auf diese Weise "unschädlich" gemacht. Die Knochengruben fanden sich abseits der Kirche und des normalen Friedhofs. Es handelt sich um die Überreste von mindestens zehn Personen. Die meisten Dörfler wurden ganz normal beigesetzt. Die Praxis wurde über hunderte von Jahren beibehalten, aber nur einmal in Jahrzehnten ausgeführt.

Man konnte durch Isotopen-Untersuchungen ausschließen, dass hier Fremde ausgeraubt und ermordet wurden, die Toten sind in der Umgebung des Dorfes aufgewachsen. Aber längst nicht alle Fragen sind damit beantwortet. Unklar ist weiterhin, ob die Personen vor den Verstümmelung überhaupt eines natürlichen Todes gestorben sind, oder ob nicht verdächtige Magier und Hexen zuerst getötet und dann unschädlich gemacht worden sind.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?