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Bronzezeit Die älteste Schlacht Europas fand in Mecklenburg-Vorpommern statt

Die Werkzeuge haben eine lange Reise hinter sich, sie wurden aus Südeuropa an die Ostsee gebracht.
Die Werkzeuge haben eine lange Reise hinter sich, sie wurden aus Südeuropa an die Ostsee gebracht.
© V. Minkus / PR
Vor 3000 Jahren prallten Tausende von Kriegern beim Fluss Tollense aufeinander. Viele von ihnen marschierten für diesen Kampf aus Südeuropa in den Norden. Sogar eine Art von internationaler Währung hatten sie dabei

Auch in der Bronzezeit war das Leben alles andere als friedlich und idyllisch. Das wussten Forscher anhand der Verletzungen, die man bei Skeletten gefunden hatte, schon lange. Doch nun zeigen neue Funde erstmals, dass schon vor 3000 Jahren gewaltige Schlachten von einer Gruppe von Berufskriegern ausgetragen wurden. In Mecklenburg-Vorpommern wurden Überreste der ältesten Schacht Europas entlang des Flüsschens Tollense ausgewertet. Eine neue Studie zeigt, dass damals Hunderte von Soldaten aus Südeuropa viele Hunderte von Kilometern marschiert sind, um in der Nähe der Ostsee zu kämpfen. Koordination, Verpflegung und Logistik eines solchen Kriegszuges sind eine gewaltige Aufgabe, die man den Menschen der Bronzezeit in dieser Gegend nicht zugetraut hätte.

Etwa 1000 Opfer der Schlacht

Erste Funde der Schlacht im Tollensetal wurden in den 1990er entdeckt, seit 2008 suchen Forscher einen über zwei Kilometer langen Abschnitt entlang des Flusses ab. Ihre Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift "Antiquity" veröffentlicht. Bislang wurden 140 Gefallene der Schlacht gefunden. Aufgrund der Funde schätzen die Forscher, dass etwa 2000 Menschen an dem Fluss aufeinanderprallten. 750 bis zu über 1000 Krieger sollen gestorben sein. Die meisten Toten waren junge Männer. Bronze- und Feuersteinpfeilspitzen stecken bei einigen noch in ihren Knochen, bei anderen waren die Glieder durch stumpfe Gewaltanwendung zerschmettert. Die Skelette zeigen zudem Spuren früherer Verletzungen, es handelt sich um kampferprobte Krieger, die nicht zum ersten Mal kämpften.

Besonders interessant ist das erhaltene Marschgepäck eines Toten. In einem Bündel befanden sich seine persönlichen Gegenstände, die die 3000 Jahre Zeit dort überdauert hatten. Sie zeigen, dass die Krieger für diesen Kampf eine sehr große Entfernung zurückgelegt hatten. "Es war eine Überraschung, einen Schlachtfeldplatz zu finden. Es war eine zweite Überraschung, ein Schlachtfeld dieser Dimension mit so vielen beteiligten Kriegern zu sehen, und jetzt ist es eine große Überraschung, dass es sich um einen Konflikt von europäischer Dimension handelt", so Thomas Terberger, Mitautor der Studie.

Niemand weiß, aus welchem Grund hier gekämpft wurde.
Niemand weiß, aus welchem Grund hier gekämpft wurde.
© Wikipedia / Commons

Langer Anmarsch der Krieger

Man vermutete schon länger, dass nicht nur Einheimische an der Schlacht beteiligt waren. Die Ausrüstung des Kämpfers macht es erstmals möglich, die Heimat der fremden Krieger zu bestimmen. Das Werkzeugset enthält unter anderem einen Meißel, eine Ahle mit noch erhaltenem Birkenstiel, ein Messer und ein kleines Schwert. Solche Päckchen sind bekannt von den Kriegergräbern aus Südmitteleuropa und aus Ostfrankreich. Im Norden wurden sie nur bis nach Böhmen gefunden. Doch alles diese Orte sind mehr als 500 Kilometer vom Schlachtfeld entfernt. Die Form des Schwerts stammt aus Bayern. Die Form von drei Bronzezylinder ist aus Frankreich bekannt. "Wir hatten vorher spekuliert, dass einige dieser Leute aus dem Süden gekommen sein könnten", sagt Terberger. "Jetzt haben wir einen ganz überzeugenden Hinweis darauf, dass Menschen aus Südosteuropa in diesen Konflikt verwickelt waren."

Kupfer als Reise-Währung

In dem Bündel befanden sich auch kleine Kupferteile. Die Forscher nehmen an, dass das wertvolle Metall eine Art von Währung für die Menschen der Bronzezeit darstellte. Mit dem Meißel konnte das Kupfer in kleinere Stücke geteilt werden. Der Archäologe Barry Molloy vom University College Dublin, sagte dem Smithsonian Magazine"Die Tollense-Funde unterstützen die Idee, dass es mobile Gruppen gab, die lange Strecken in feindlicher Umgebung zurücklegten." Das Metall habe dann als Proto-Währung während der Reise gedient.

Absolut unklar ist nach wie vor, was zu dem Konflikt geführt hat, der in der blutigen Schlacht kumulierte. Die Ursache muss so bedeutsam gewesen sein, dass diese Krieger so weit gereist waren. Die Vorbereitung des Kampfes muss Jahre in Anspruch genommen haben. Die Trollensee-Schlacht beweist, dass es in der Bronzezeit schon ganze Armeen gab und dass Kriege von langer Hand geplant waren. Doch welche sozialen Strukturen hinter diesen kollektiven Anstrengungen standen, bleibt unbekannt.

Quelle: Antiquity

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