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Mumienfund bei Luxor: Verletzt und verstümmelt – so warteten diese tapferen Krieger-Mumien auf die Ewigkeit

1923 wurde das Grab der Krieger entdeckt und versiegelt. Nun wurde es untersucht. Eine lange Trockenzeit führte damals zu schrecklicher Not. Eltern sollen ihre Kinder gegessen haben. Damals kämpften die Krieger in einem 130 Jahre langen Bürgerkrieg.

Professor Salima Ikram hält den Beckenknochen eines Kriegers.

Professor Salima Ikram hält den Beckenknochen eines Kriegers.

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Erst vor Kurzem konnten Archäologen das geheimnisvolle Grab der Krieger in Deir el Bahari untersuchen. Entdeckt wurde die Grabstätte bereits 1923, danach wurde sie aber versiegelt und blieb bis heute unberührt. Vor 4000 Jahren wurden hier 60 mumifizierte Krieger gemeinsam bestattet. Diese Massenbestattung von Mumien ist eine große Besonderheit für Alt-Ägypten.

Die Archäologin Salima Ikram, Professorin für Ägyptologie an der American University in Kairo, konnte die Mumien Ende September 2018 untersuchen. Daraus entstand die PBS-Dokumentation "Secrets of the Dead: Egypt's Darkest Hour".

Klimawandel führt zu Chaos 

Die Toten und die Funde in dem Grab geben Kunde von einem blutigen Bürgerkrieg im Jahr 2150 v. Chr. Damals war die Zentralgewalt geschwächt und regionale Gouverneure kämpfen um die Macht. In einem dieser Gefechte haben die 60 Männer – Frauenleichen wurden nicht gefunden – ihr Leben verloren. Offenbar haben sie alle bis zuletzt tapfer für ihren Herren gekämpft.

Mumienfund bei Luxor: Bürgerkrieg durch Klimawandel - Grabkammer der Krieger gibt schreckliches Geheimnis preis
Die Toten waren schlimm verletzt und verstümmelt.

Die Toten waren schlimm verletzt und verstümmelt.

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Hinter dem Eingang führen Tunnel etwa 60 Meter tief in den Felsen der Klippe. In Kammern lagen die Toten, einzelne Verbände und Gliedmaßen hatten sich von den Mumien gelöst.

Keiner der Toten starb eines natürlichen Todes, alle Mumien zeigten Zeichen schwerer Verletzungen und Verstümmelungen. Schädel waren gebrochen oder von Waffen durchlöchert. In vielen Körpern steckten Pfeilspitzen. Eine der Toten trug noch den ledernen Schutz, der den Unterarm der Bogenschützen vor der zurückschnellenden Sehne schützte. "Diese Menschen sind blutig gestorben, das sind furchtbare Todesfälle", sagte Salima Ikram.

Zerfall der Zentralmacht

In dieser Zeit muss es zu massiven Unruhen gekommen sein. Die Vorfälle ereigneten sich nach der 90-jährige Regierungszeit des Pharaos Pepi II. Dieser kam im Alter von nur sechs Jahren an die Macht - etwa 300 Jahre nach dem Bau der Großen Pyramiden und der Sphinx. Pepi II, ließ ein besonders spektakuläres Grab in seiner Jugendzeit errichten. Damals hatte der Pharao noch die Kontrolle über das Reich inne. Doch kurz nach seinem Tod wurde es verwüstet und geplündert.

Nach seiner langen Herrschaft versuchte eine Reihe von schwachen Königen das Land zu regieren. Doch es behaupteten sich die lokalen Führer, und sie zerstörten die Machtbasis der Zentralregierung. Als sich damals das Klima auf der ganzen Welt änderte, wurde das Land von einer jahrzehntelangen Dürre heimgesucht. Der Wasserstand des Nils sankt dramatisch, damit war die gesamte Ökonomie des Reiches gefährdet.

Die Plünderung von Pepis Grab ist ein deutliches Zeichen für die Ohnmacht seiner Nachfolger und auch dafür, dass die Ägypter bereits begonnen hatten, die göttliche Natur des Pharaos in Frage zu stellen. Die Zentralregierung besaß nicht mehr die Kontrolle. Im Glauben der Ägypter gewährte der Pharao das segensbringende Hochwasser des Nils. Blieb die Flut aus, war der Pharao offenkundig machtlos.

130 Jahre Bürgerkrieg

Schon am Ende seiner Regierungszeit waren die Gouverneure die eigentlichen Herrscher. Grabinschriften der Zeit deuten auf soziale Zerrüttung und Bürgerkrieg hin. Hinzu kamen Dürren und Hungersnot infolge des Klimawandels. Eine Inschrift im Grab eines Gouverneurs spricht davon, dass "das südliche Land vor Hunger stirbt, sodass jeder Mann seine eigenen Kinder isst." Das ganze Land sei wie eine hungernde Heuschrecke geworden. Der Bürgerkrieg währte 130 Jahre.

Inmitten von Hunger und Bürgerkrieg ist es dann zu der Schlacht gekommen, bei der die 60 Krieger starben, so Ikram. Ihre aufwendige Bestattung ist extrem ungewöhnlich – vor allem in so unruhigen Zeiten der Not. Es ist ein Zeichen großer Dankbarkeit ihres Herren und der Überlebenden.

PBS