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Neue Studie "Der Tapfere": Pharao Seqenenre Taa starb gefesselt und wurde von fünf Henkern erschlagen

Seqenenre Taa II. starb einen schrecklichen und demütigenden Tod.
Seqenenre Taa II. starb einen schrecklichen und demütigenden Tod.
© Commons
Seqenenre Taa II. wollte fremde Invasoren vertreiben, doch er fiel ihnen in einer Schlacht in die Hände. Eine neue Untersuchung zeigt, wie grausam der Pharao starb. In Ägypten gilt als er Held, denn sein Opfer ebnete den Weg für das Neue Reich.

Seqenenre Taa II. wurde "der Tapfere" genannt. Er regierte das südliche Ägypten in einer stürmischen Zeit und für eine relativ kurze Zeitspanne von etwa 1558 bis 1553 v. Chr. Seine Herrschaft fand ein jähes Ende, als er selbst einen schrecklichen Tod starb. Er wurde wahrscheinlich in einer Schlacht gegen die Hyksos gefangen genommen und dann hingerichtet. Die Hyksos stammten aus der Levante. Ihnen gelang es, den Herrschaftsbereich der Pharaonen im südlichen Ägypten zusammenzudrängen. Seqenenre Taa wurde der "Tapfere" genannt, weil er versuchte, die Invasoren aus dem Land zu treiben, während seine Vorfahren sich der Fremdherrschaft gebeugt hatten.

Streit um Nilpferde 

Er führte seine Armee aus Theben den Hyksos entgegen. Der Legende nach, entstand der Streit wegen lärmender Nilpferde, die den Schlaf der fremden Herrscher störten. In einem Papyrus heißt es, der fremde König Apophis soll von Seqenenre Taa verlangt haben, die heiligen Tiere zu töten.

Es geschah, als das Land Ägypten in Not war. Damals gab es keinen Herrn als König. König Seqenenre war damals Herrscher nur in der südlichen Stadt. Unheil herrschte in der Stadt der Asiaten, als Fürst Apophis dort in Auaris saß und das ganze Land ihm mit seinen Abgaben zinste, der Süden mit seinen Erzeugnissen und der Norden ebenso mit allen schönen Waren des Deltas.

… Es ist Apophis, der dir folgende Botschaft sendet: „Sorge dafür, dass man sich von dem Kanal der Nilpferde zurückziehe, der im Osten der südlichen Hauptstadt (Theben) liegt! Denn sie lassen den Schlaf bei Tag und bei Nacht nicht zu ihm kommen.“ Denn der Lärm, den sie machen, erfüllt seine Ohren…

Die Mumie von Seqenenre wurde schon 1881 von Archäologen in einem Grabkomplex, bekannt als Deir el-Bahri, innerhalb der Nekropole von Theben, entdeckt. Schon länger sind auch seine Kopfverletzungen bekannt. Jetzt haben Forscher der Universität Kairo und des ägyptischen Ministeriums für Altertümer mithilfe modernster Scanverfahren neue Details über diesen Tod herausgefunden. In der neuen Studie untersuchte das Team die Überreste mithilfe der Computertomografie (CT). Eine CT hat den Vorteil, nicht in die Mumie einzugreifen, mit Röntgenstrahlen werden dreidimensionale Bilder des weichen und des harten Gewebes zu erstellen.

Man wusste vorher schon, dass die Mumifizierung nicht wie vorgeschrieben durchgeführt wurde. Ungewöhnlich ist, dass keine Salze zur Konservierung des Körpers verwendet wurden. Die Ägyptologen James Harris und Kent Weeks, die in den 1960er-Jahren eine Untersuchung durchführten, sagten, dass ein "fauliger, öliger Geruch den Raum in dem Moment erfüllte, als die Kiste, in der sein Körper ausgestellt war, geöffnet wurde". Dieser Geruch wurde auf Körperflüssigkeiten zurückgeführt, die zum Zeitpunkt der Bestattung in der Mumie zurückgelassen wurden. Auch wurde das Gehirn nicht entnommen und kein Leinen in den Schädel gelegt.

Mumie wurde durchleuchtet 

Die CT-Scans zeigen, dass der Körper nicht in seiner üblichen anatomischen Position angeordnet war. Skelett- und Zahnindikatoren zeigen ein Alter von etwa 40 Jahren. Bilder aus dem Inneren des Schädels bestätigten, dass kein Versuch unternommen worden war, das Gehirn zu entfernen. Die CT-Untersuchung offenbarte das Ausmaß von Seqenenres Verletzungen: Ein Schnitt quer über die rechte Seite seiner Stirn, eine Einstichwunde direkt über dem rechten Auge, eine gebrochene Nase und ein gebrochenes Jochbein, ein Schnitt im Bereich der linken Wange, Frakturen über dem rechten Ohr und ein Bruch des Knochens im Schädel, der hinter den Augen verläuft. Seqenenre erlitt also einen unglaublich gewaltsamen Tod.

Der Winkel der Verletzungen deutete darauf hin, dass diejenigen, die ihn töteten, über ihm standen. Er musste niederknien und wurde von fünf Männern mit fünf verschiedenen Waffen getötet. Dabei waren seine Hände hinter seinem Rücken gefesselt, denn es wurden keine Verletzungen an den Armen gefunden, die normalerweise entstehen, wenn das Opfer versucht, sich zu verteidigen. Auch die Position von Seqenenres Händen im Tod deutet darauf hin, dass er vor der Exekution gefesselt war. In dieser Stellung wurden die Hände durch einen sogenannten Kadaverkrampf fixiert. Dann wird der Körper direkt nach dem Tod plötzlich steif.

Wegbereiter des Neuen Reiches

"Bei einer normalen Hinrichtung eines gefesselten Gefangenen könnte man annehmen, dass nur ein Angreifer zuschlägt, möglicherweise aus verschiedenen Winkeln, aber nicht mit verschiedenen Waffen", sagte Professor Saleem von der Universität Kairo, die die Untersuchung leitete. "Der Tod von Seqenenre war eine zeremonielle Hinrichtung."

Aus ägyptischer Sicht war der Kampf nicht vergebens. "Seqenenres Tod motivierte seine Nachfolger, den Kampf um die Einigung Ägyptens fortzusetzen und das Neue Reich zu gründen", sagte die Professorin. Ihr Team glaubt, dass Seqenenre selbst seine Truppen auf das Schlachtfeld geführt hat und er dort gefangen genommen wurde. Sein Tod deute darauf hin, dass der gottgleiche Pharao mit seinen Soldaten an vorderster Front stand und "sein Leben riskierte, um Ägypten zu befreien", so Professorin Saleem

Quelle: Frontiers in Medicine

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