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Archäologie Wintermüdigkeit? Ur-Menschen überlebten durch Winterschlaf

Die Neandertaler konnten keine Wintervorräte anlegen
Die Neandertaler konnten keine Wintervorräte anlegen
© Neanderthal-Museum / Commons
Beweise aus Knochen, die an einer der größten Fossilienfundstellen der Welt gefunden wurden, deuten darauf hin, dass unsere Vorfahren vor Hunderttausenden von Jahren extreme Kälte überlebten, indem sie den Winterschlaf hielten.

Viele Tierarten überleben den kalten und nahrungsarmen Winter, indem sie sich auf die faule Haut legen. Bären, Fledermäuse und Igel nutzen diese Überlebensmethode. Nun stellt sich heraus, dass auch die frühen Menschen es getan haben könnten.

Das lange Ruhen hinterlässt nämlich charakteristische Spuren in den Knochen der Winterschläfer. Und diese Spuren wurden nun auch bei den Ur-Menschen gefunden. Sie deuten darauf hin, dass auch unsere Vorfahren den Stoffwechsel verlangsamten und monatelang schlafen konnten. Die Knochen stammen aus der Höhle Sima de los Huesos in der Nähe von Burgos in Nordspanien. In den letzten dreißig Jahren wurden die versteinerten Überreste von mehreren Dutzend Menschen aus den Sedimenten geborgen, die am Boden eines 15 Meter tiefen Schachts lagen. Die Höhle sei ein Massengrab, so die Forscher, in der die Toten deponiert wurden. Diese Funde datieren mehr als 400.000 Jahre zurück und stammen wahrscheinlich von frühen Neandertalern.

Unterbrechung des Wachstums

In ihrer Studie, die in der Zeitschrift "L'Anthropologie" veröffentlicht wurden, zeigen sie, dass das Wachstum der Knochen mehrere Monate im Jahr unterbrochen war. Sie nehmen an, dass diese Ur-Menschen sich dann "in einem Stoffwechselzustand befanden, der ihnen half, über lange Zeiträume unter kalten Bedingungen mit begrenzten Nahrungsvorräten und ausreichenden Vorräten an Körperfett zu überleben". Dieser Winterschlaf unterbricht das Wachstum der Knochen. Das hört sich zunächst abenteuerlich an, aber auch Primaten wie Buschbabys und Lemuren können in den Winterschlaf verfallen.

Das Muster der Unterbrechungen stimmt mit den Strukturen überein, die in den Knochen von überwinternden Säugetieren wie Höhlenbären, gefunden wurden. "Eine Strategie des Winterschlafs wäre für sie die einzige Lösung gewesen, um zu überleben, da sie aufgrund der eisigen Bedingungen monatelang in einer Höhle verbringen mussten."

Naturvölker wie die Inuit und Sami halten keinen Winterschlaf, weil sie es nicht müssen. Sie legen sich Vorräte an Fisch und Rentierfleisch zu, um sich in den Wintermonaten zu versorgen. Diese Möglichkeit hatten die Ur-Menschen nicht.

Quelle:L'Anthropologie

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