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Urmenschen Unbekannte Verwandte aus der Vergangenheit - Denisova-Mädchen wurde erstmals rekonstruiert

Die Denisova-Menschen wurden erst 2008 entdeckt.
Die Denisova-Menschen wurden erst 2008 entdeckt.
© Maayan Harel / Commons
Menschen und Neandertaler waren nicht allein auf der Welt. 2008 wurden in einer Höhle im Altaigebirge die Denisova-Menschen entdeckt. Israelischen Wissenschaftlern gelang es nun, aus der DNA Gesicht und Gestalt einer jungen Frau zu rekonstruieren.

Eine Zeit lang dachte man, der Mensch stamme vom Affen ab. Doch so einfach ist es nicht, der menschliche Stammbaum ist ziemlich verzweigt und es ist überhaupt nicht gesagt, dass wir alle Urahnen überhaupt kennen. Zu den geheimnisvollsten Vorfahren gehören die Denisova-Menschen. Sie wurden erst im Jahr 2008 als eigene Gattung entdeckt. Benannt wurde die Hominiden nach der Denisova-Höhle im Altaigebirge. Dort stießen sowjetische Wissenschaftler in den 1970er Jahren auf Werkzeugfunde, es stellte sich heraus, dass die Höhle in der Zeit von 125.000 und 300.000 vor Christus besiedelt war. Für heutige Verhältnisse eine unvorstellbar lange Zeit. In den Schichten der Höhle wurden sogar einzigartige Schmuckgegenstände gefunden.

Sie lebten neben Neandertalern und Menschen.
Sie lebten neben Neandertalern und Menschen.
© Maayan Harel / Commons

DNA überlebte in der kalten Höhle

2008 kam es zu einem weiteren außerordentlichen Fund: In der Höhle wurde ein kleines Knochenstück gefunden, das intakte DNA enthielt. Das Erbgut konnte so lange bestehen, weil es in der Höhle nicht wärmer als sieben Grad wird. Diese DNA war weder menschlich, noch gehörte sie zu einem Neandertaler – eine ganz eigene Art war entdeckt worden: die Denisova-Menschen. Eine Art, von der wir kaum etwas wissen, denn es fehlen größere fossile Funde. Es gibt nur ein paar Zähne, einen Finger, einen Kieferknochen und ein paar andere Fragmente.

Nun konnten Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem aus der DNA des Fingerknochens das Gesicht einer jungen Denisova-Frau rekonstruieren. Das Ergebnis ist nicht komplett überraschend. Die Denisova-Menschen zeigen Elemente des Homo sapiens und des Neandertalers. Laut der Rekonstruktion hatten sie breitere Schädel als andere Arten und kein hervorragendes Kinn. Sie besaßen einen großen Zahnbogen wie die Menschen, hatten aber längere Gesichter und ein größeres Becken. Ihre Stirn war schräg wie die der Neandertaler. "Wir bieten die erste Rekonstruktion der Skelettanatomie der Denisova-Menschen", sagt Liran Carmel, Hauptautor der Studie. "In vielerlei Hinsicht ähnelten sie den Neandertalern, aber in einigen Merkmalen ähnelten sie uns und in anderen waren sie einzigartig."

Wie prägen sich Gene aus?

Die Rekonstruktion ist ein abstrakter und komplizierter Vorgang. Rein aus der DNA lässt sich nicht einfach ein Wesen klonen. Das Verfahren basiert auf sogenannten DNA-Methylierungskarten. Die Methylierung zeigt, wie sich Gene unter bestimmten Bedingungen verhalten. Die Gene dieser menschlichen Urahnen unterscheiden sich kaum. Entscheidend ist, wie stark sich einzelne Gensequenzen ausprägen. Diese Arbeit wird von der sogenannten Epigenetik erledigt. Durch die Methylierung der DNA werden die Gene durch chemische Anhängsel unterschiedlich angeregt. Dieser Prozess wurde für die Rekonstruktion der Frau simuliert. "Auf diese Weise haben wir eine Vorhersage erhalten, welche Skelettteile von der Regulation jedes Gens betroffen sind und in welche Richtung sich dieser Skelettteil verändern würde - zum Beispiel, ob es ein längerer oder kürzerer Oberschenkelknochen wird", so David Gokhman, der Co-Leiter der Studie.

Die Methode soll 85 Prozent der anatomischen Merkmale korrekt vorhersagen, ist aber nicht unumstritten. Sollten mehrere DNA-Proben zu Verfügung stehen, wären die Ergebnisse belastbarer als bei singulären Funden, wie dem in der Denisova-Höhle.

Die Methode hatte vor einem Jahr bereits für Aufsehen gesorgt. Damals untersuchten die Wissenschaftler die DNA einer "Ur-Britin" und kamen zu dem Schluss, dass ihre Haut sehr viel dunkler war, als zuvor angenommen wurde.

Quelle: Cell

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