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Nahtoderfahrung Zieht wirklich unser Leben an uns vorbei? Studie zeigt letzte Gedanken eines Sterbenden

Forscher sehen sich Gehirnscans an
Erstmals haben Forscher Gehirnscans einer sterbenden Person aufgezeichnet und ausgewertet (Symbolbild)
© gorodenkoff / Getty Images
Eine Gruppe von Forschenden hat mithilfe von Gehirnscans eines sterbenden Patienten herausgefunden, was kurz vorm Tod in unserem Gehirn vor sich geht.

Immer wieder berichten Personen mit Nahtoderfahrungen davon, dass ihr Leben flashbackähnlich vor ihren Augen vorbeiziehen würde. Wissenschaftliche Belege gab es dafür bisher nicht. Nun zeigt eine bahnbrechende Studie: An den Erzählungen könnte tatsächlich etwas dran sein.

Erstmals wurden Gehirnscans eines sterbenden Mannes aufgezeichnet. Diese deuten darauf, dass er sich möglicherweise "ein letztes Mal an sein Leben zurückerinnerte", sagen die Wissenschaftler. Ihre Studienergebnisse waren am Dienstag in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden.

Gehirnwellen deuten auf Traum- und Erinnerungsvorgang während des Sterbens hin

Neurowissenschaftler hatten zunächst die Gehirnströme eines 87-jährigen Epilepsiepatienten mit einem Elektroenzephalographie-Gerät (EEG) auf Anfälle untersucht. Jedoch erlitt der Patient mitten in der Studie einen Herzinfarkt und starb. Die EEG-Aufnahmen zeigten über etwa 900 Sekunden der Hirnaktivität des Patienten. Daraufhin versuchten die Wissenschaftler festzustellen, was genau in den 30 Sekunden vor und nach dem Herzstillstand geschehen war.

Das Ergebnis: Während des Sterbens war ein Anstieg der als Gamma-Oszillationen bekannten Gehirnwellen zu beobachten, die typischerweise während des Träumens und des Abrufens von Erinnerungen auftreten, sowie andere wie Delta-, Theta-, Alpha- und Beta-Oszillationen. Gamma-Oszillationen sind mit hochkognitiven Funktionen wie Konzentration, Träumen, Meditation, dem Abrufen von Erinnerungen und der bewussten Wahrnehmung verknüpft.

Ähnliche Gehirnwellen auch bei Ratten messbar

"In Anbetracht der Tatsache, dass die Kreuzkopplung zwischen Alpha- und Gamma-Aktivität bei gesunden Personen an kognitiven Prozessen und dem Abrufen von Erinnerungen beteiligt ist, ist es interessant zu überlegen, ob eine solche Aktivität eine letzte 'Erinnerung an das Leben' ermöglichen könnte, die im Nahtodzustand stattfinden könnte", sagen die Forschenden.

Obwohl dies die erste Studie dieser Art am Menschen ist, konnten Wissenschaftler zuvor bereits ähnliche Veränderungen der Gamma-Oszillationen bei Ratten beobachten. Dies deutet darauf hin, dass das Gehirn während des Sterbens eine biologische Reaktion einleitet und umsetzt, die möglicherweise artenübergreifend stattfindet.

Mysterium Nahtoderfahrung: Was Menschen an der Grenze zum Tod über das Sterben berichten

Studienergebnis schwer überprüfbar

"Trotz dieser Vorbehalte deutet die allgemeine Ähnlichkeit der oszillatorischen Veränderungen zwischen der hochgradig kontrollierten experimentellen Studie an Nagetieren und der vorliegenden Arbeit darauf hin, dass das Gehirn während des Sterbens eine Reihe von stereotypen Aktivitätsmustern durchlaufen könnte", sagen die Forscher.

Da die Studie auf den erhobenen Daten eines einzigen Patienten basiert, der mitunter unter Hämatomen und Krampfanfällen litt, verkompliziere dies die Interpretation der Ergebnisse. "Per Definition ist es unmöglich, solche Daten von 'gesunden Probanden' zu sammeln. Wir gehen nicht davon aus, dass gesunde Probanden sterben, und könnten daher keine ununterbrochenen Aufzeichnungen in der Nahtodphase erhalten", so die Wissenschaftler.

Quellen: Frontiers in Ageing Neuroscience, Independent

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