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"Deepwater Horizon"-Katastrophe Riesiger Ölschwaden treibt durch den Golf


Jetzt ist es bewiesen: Das Öl im Golf von Mexiko hat sich nicht, wie von den US-Behörden behauptet, zum Großteil aufgelöst. Experten haben unter der Meeresoberfläche ein gewaltiges Ölgebilde entdeckt.

Wissenschaftler in den USA haben nach eigenen Angaben die Existenz eines riesigen unterseeischen Ölschwadens im Golf von Mexiko nachgewiesen, der aus dem Leck der explodierten BP-Plattform "Deepwater Horizon" stammen soll. Der Schwaden aus Öl-Wasser-Gemisch, dessen Existenz bislang nur vermutet worden war, sei etwa 35 Kilometer lang und etwa zwei Kilometer breit, schreiben die Experten des Meeresforschungsinstituts Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) in der neuen Ausgabe des Magazins "Science". Er befinde sich etwa 900 Meter unter der Wasseroberfläche und ist deshalb - anders als ein Ölteppich - nicht sofort sichtbar.

Die Wissenschaftler kamen dem Schwaden mit Spezialinstrumenten wie Massenspektrometer auf die Spur, die genau die chemische Signatur von Öl analysieren können. "Wir haben die Existenz des Schwadens im Golf von Mexiko nicht nur belegen können, sondern auch seinen Ursprung und seine Zusammensetzung bestimmen können", erklärte Studienautor Richard Camilli. Das Gebilde bestehe nicht aus reinem Rohöl. Das Öl sei vielmehr in verschiedene Komponenten wie etwa Benzol, Ethylbenzol und Toluol zerfallen und habe sich mit Wasser vermischt. "Der Schwaden ist nicht so dick wie Schokoladensirup", ergänzte Mitautor Christopher Reddy. "Das heißt aber nicht, dass er nicht schädlich für die Umwelt wäre."

Zersetzung dauert deutlich länger als erwartet

Sorgen mache vor allem die langsame Geschwindigkeit, mit der sich das Öl in dem nur 4,5 Grad kalten Wasser zersetze, erklärten die Experten. Das dauere rund zehn Mal länger als an der Oberfläche. Das Vorhandensein des Schwadens lasse vermuten, dass Spuren des ausgetretenen Öls "länger im Ozean bleiben werden als gedacht", heißt es in der Studie. Die Forscher beobachteten aber auch, wie Öl zersetzende Bakterien zu einem natürlichen Verschwinden der Stoffe beitrügen. Dieser biologische Prozess gehe aber langsam vonstatten. Die Untersuchung beruht auf Daten, die Ende Juni auf einer Forschungsexpedition gesammelt wurden.

Vor Kurzem hatte die US-Regierung noch erklärt, der Großteil der 780 Millionen Liter Rohöl, die aus dem Leck geflossen seien, sei bereits beseitigt. Am Dienstag hatten dagegen Forscher der Universität von Süd-Florida berichtet, sie hätten noch am Grund eines Meeresgrabens, des DeSoto Canyons, Hinweise auf Ölpartikel gefunden. Die Wissenschaftler blieben aber zunächst den Nachweis schuldig, dass dieses Öl tatsächlich durch den Untergang der "Deepwater Horizon"-Plattform Ende April ins Meer gelangte.

"Bottom Kill" auf Anfang September verschoben

Die endgültige Versiegelung der Ölquelle verzögert sich unterdessen um voraussichtlich etwa drei weitere Wochen. Die US-Regierung visiert den Start des als "Bottom Kill" bezeichneten Verfahrens, bei dem das Bohrloch 4000 Meter unter dem Meeresgrund auch von unten mit Schlamm und Zement verschlossen werden soll, nun für Anfang September an. Vorher solle BP noch den defekten Abdichtkopf über dem Bohrloch in etwa 1500 Metern Tiefe austauschen, sagte Einsatzleiter Thad Allen am Donnerstag.

Ursprünglich sollte mit "Bottom Kill" Mitte August begonnen werden. Nun werde dies vermutlich in der Woche nach dem US-Feiertag Labor Day am 6. September der Fall sein, erklärte Allen. Vor etwa zwei Wochen war es gelungen, das Bohrloch von oben mit Schlamm und Zement zu verschließen. Mit "Bottom Kill" will die US-Regierung sicherstellen, dass das Loch tatsächlich komplett versiegelt ist.

mad/AFP/APN/Reuters Reuters

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