HOME

#EatenAlive-Experiment: Mann lässt sich freiwillig von Riesenschlange fressen

Ein Naturfilmer hat sich für Discovery Channel von einer Anakonda verschlingen lassen - und überlebt. Kritiker nennen das Experiment Tierquälerei. Dennoch soll die Show am Sonntag ausgestrahlt werden.

Sie wiegt fast 100 Kilogramm, kann mehr als sechs Meter lang werden und hat riesige, nach innen gerichtete Fangzähne: Eine Anakonda ist nicht gerade putzig. Wer der Riesenschlange in freier Wildbahn begegnet, würde wohl intuitiv die Flucht ergreifen.

Nicht so Paul Rosolie. Der Naturfilmer hat sich angeblich freiwillig bei lebendigem Leibe von dem gefährlichen Tier verschlingen lassen - und zwar vor laufender Kamera. Ein Reporterteam vom Discovery Channel hat den Mann bei seinem riskanten Experiment im Amazonas begleitet. "Eaten Alive" heißt die Sendung, die der amerikanische Sender am Sonntag ausstrahlen will. Der Trailer kursiert schon seit Wochen im Netz, endet allerdings mit einem fiesen Cliffhanger: Man sieht, wie Rosolie in einer Art Kampfanzug und mit Helm auf die Schlange zugeht - ob und wie er gefressen wird, sollen die Zuschauer erst am 6. Dezember zu sehen bekommen.

Laut Discovery Channel hat der 27 Jahre alte Mann es tatsächlich bis in den Bauch der Schlange geschafft. Wie genau das vonstatten ging und vor allem, wie sich Rosolie aus dem Tier befreit hat, verrät der Sender allerdings noch nicht. Mann und Schlange seien jedenfalls noch am Leben und wohlauf.

Trotzdem erregte der Trailer bei Tierschützern Ärger - und das bereits Wochen vor dem Erscheinungstermin der Show. "Wir weit wird der menschliche Egoismus gehen? Schande auf Discovery Channel, dafür, dass er Einschaltquoten über die Natur stellt", wetterte etwa eine Twitter-Userin Anfang November.

Ähnlich wie sie sehen das rund 21.000 Menschen, die eine Petition gegen die Ausstrahlung der Show unterschrieben haben. "Das ist Tierquälerei höchsten Grades und absolut ekelhaft", schrieb der Initiator Ben Paramonte im Aufruf zur Unterschriftenaktion. "Es bestärkt das negative Image von Schlangen."

Rosolie behauptet jedoch, mit der Aktion genau das Gegenteil erreichen zu wollen: "Wenn diese Leute die Sendung sehen, werden sie die Aktion unterstützen", sagte er der "New York Post". "Sie attackieren mich, aber ich bin derjenige, der in den Dschungel gegangen ist, um die Viecher zu beschützen." Und auch auf seinem Twitteraccount schreibt er: "Wenn ihr mich kennt, wisst ihr, dass ich nie ein Lebewesen verletzen würde."

Ein "schlangen-fester" Anzug hat Rosolie angeblich vor den Zähnen und Schluckmuskeln der Schlange geschützt. Angenehm kann die Prozedur trotzdem nicht gewesen sein.

Ein "schlangen-fester" Anzug hat Rosolie angeblich vor den Zähnen und Schluckmuskeln der Schlange geschützt. Angenehm kann die Prozedur trotzdem nicht gewesen sein.

Eine wohl schmerzhafte Prozedur - für beide

Tatsächlich sind Anakondas dazu in der Lage, große Beute wie Tapire und sogar Rotwild zu verschlingen, ohne dabei Schaden zu nehmen oder sich zu überfressen. Ein Mensch dürfte ihnen demnach keine Probleme bereiten - zumindest vom Volumen her. Fraglich ist, wie das Tier mit Rosolies breitem Kreuz zurechgekommen ist: "Die Schultern eines Menschen sind sein breitester Körperteil. Der Akt des Herunterschluckens kann nicht problemlos von statten gegangen sein", schreibt die Schlangenexpertin Lisa Powers auf dem Wissenschaftsblog "Red Orbit". Im Normalfall hätte die Schlange wohl einfach aufgegeben. Auch für Rosolie könne die Prozedur nicht angenehm gewesen sein. "Die großen, nach innen gebogenen Zähne der Schlange müssten ihm große Schmerzen hinzugefügt haben", so Powers. Zudem sei der enorme Druck der Schluckmuskeln für einen Menschen kaum ertragbar.

Kritisch sieht Powers auch Rosolies "Rettung" aus dem Verdauungstrakt der Schlange. Schlangen erbrechen ihre Beute zwar manchmal wieder, das ist laut Powers aber ein aufwendiger Prozess, der für das Tier sehr schädlich sein kann. "Und wenn die Schlange nicht versucht hat, den Mann hervorzuwürgen, wurde er wohl mit einem Seil wieder hinausgezogen", vermutet sie. Das wiederum müsse erst recht qualvoll für das Tier gewesen sein.

All das ist allerdings Spekulation. Wie schlimm das Experiment wirklich war, muss der Film zeigen. In Deutschland soll er am 13. Dezember um 20.15 Uhr auf DMAX ausgestrahlt werden.

Lydia Klöckner
Themen in diesem Artikel