"The Day After Tomorrow" "Unwissenschaftlich, aber hilfreich"


Roland Emmerichs neuer Film über eine Klimakatastrophe kann nach Einschätzung des Wissenschaftlers Mojib Latif einen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz leisten, wissenschaftlich korrekt ist er aber nicht.

Roland Emmerichs neuer Film über eine Klimakatastrophe kann nach Einschätzung des Wissenschaftlers Mojib Latif einen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz leisten. "Ich finde es gut, dass so ein Thema von Hollywood aufgegriffen wird und der Klimawandel der Öffentlichkeit wieder bewusster gemacht wird", sagte der Kieler Klimaforscher in einem dpa-Gespräch. Er betonte jedoch, das in dem Streifen "The Day After Tomorrow" inszenierte Szenario einer neuen Eiszeit sei "wissenschaftlich nicht haltbar".

"Ein gängiges Missverständnis"

"Es ist eines der gängigen Missverständnisse in der Öffentlichkeit, dass der Golfstrom in Folge der Erderwärmung zusammenbricht und eine neue Eiszeit anbricht", sagte Latif, der am Institut für Meereswissenschaften (IFM) der Universität Kiel den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik leitet. "Es gibt kein wissenschaftliches Modell, dass auch nur annähernd ein Ausbleiben des Golfstroms simuliert", betonte der international renommierte Professor. "Eins steht fest: Es wird keine neue Eiszeit geben."

Der am 27. Mai in vielen Ländern anlaufende Kinofilm des deutschen Hollywoodregisseurs Roland Emmerich ("Independence Day") erzählt von den verheerenden Folgen des globalen Klimawandels: Grapefruitgroße Hagelkörner prasseln auf Tokio nieder, Schnee bedeckt indische Städte, Tornados verwüsten Los Angeles, auf New York kommt eine riesige Flutwelle zu. Am Ende kehrt die Eiszeit auf die Erde zurück.

Klima wird extremer

Nach Angaben von Latif wären jedoch nicht einmal die Bedingungen für eine neue Eiszeit gegeben. So sei etwa die Konzentration von Treibhausgasen viel zu hoch, und die Neigung der Erdachse zur Sonne habe sich entscheidend verändert. "Es steht hingegen fest, dass unser Klima extremer werden wird", sagte der Klimaforscher. "Es wird beispielsweise stärkere Stürme und eine globale Erwärmung um bis zu 5,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 geben."

Trotz aller fachlichen Kritik sieht der Wissenschaftler in dem Emmerich-Streifen großes Potenzial: "Die Amerikaner sind auch nicht annähernd gewillt, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten - wenn ein Hollywood-Film dazu beiträgt, dass sich die öffentliche Meinung in den USA ändert und Druck auf die Regierung ausgeübt wird, dann ist das ein richtiges Ergebnis."

DPA DPA

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